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25.05.1984 - 

Rationalisierungspotentiale nicht voll ausgeschöpft:

Maßgeschneiderte BDE sichert Leistungsfähigkeit

KARLSRUHE - Die automatisierte Betriebsdatenerfassung (BDE) wird für viele Fertigungsbetriebe zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit immer unentbehrlicher. Gleichwohl zeigt sich erst der Anfang eines Booms in diesem Bereich. Marktforschungsunternehmen errechneten eine aktuelle Durchdringung des geschätzten Potentialmarktes von derzeit unter zehn Prozent. Der Widerstand mancher Betriebsräte spielt nach Meinung des Autors Rainer-M. Stecher hierbei mit eine Rolle. Die Maßschneiderung eines solchen BDE-Systems, so der geschäftsführende Gesellschafter der RMS Computertechnik aus Karlsruhe, erfüllt nicht nur die produktionstechnischen Belange der Unternehmen, sie schafft auch Akzeptanz beim Benutzer.

In einem Fertigungsbetrieb werden eine Fülle von Informationen benötigt, die direkt oder indirekt vom Produktionsprozeß abhängig sind und durch verschiedene Faktoren beeinflußt werden - Maschinen-, Personal- und Auftragsdaten. Diese Größen müssen zum Beispiel für eine Produktionsplanung berücksichtigt werden und sollten daher so aktuell und genau wie möglich sein. Mit einem BDE-System können die Daten möglichst nahe am Entstehungsort (zum Beispiel der Maschine) erfaßt und weitergeleitet werden - wesentlich schneller und vor allem exakter, als dies etwa mit manuell erstellten Tageszetteln möglich wäre.

Letztendlich soll dadurch eine Produktivitätssteigerung und Kostenoptimierung sowie eine größere Transparenz des Betriebes erreicht werden. Somit kann ein BDE-System zur permanenten Schwachstellenkontrolle, Überwachung der Maschinenwartungsintervalle, Auftragsverfolgung oder als innerbetriebliches Kommunikationsmittel genutzt werden, wobei die Prioritäten je nach Anwendung unterschiedlich gesetzt sind.

Umfeld beeinflußt das System

Die Einsparungen können durch Wegfall erkannter Schwachstellen, Lagerplatzeinsparung, schnellerer Reaktionsmöglichkeit bei nicht vorhersehbaren Ereignissen entstehen oder auch dadurch, daß eine manuelle Erfassung zum großen Teil entfallen kann. Im Einzelfall wird beispielsweise auch die Einführung neuer Organisationsformen wie etwa Gleitzeit ermöglicht oder zumindest erleichtert.

Da jeder Fertigungsbetrieb (sogar innerhalb einer Branche) grundsätzlich unterschiedlich organisiert ist, kann es kein einheitliches Modell eines BDE-Systems geben. Auch sind die Grenzen bezüglich der Systemgröße sehr weit gesteckt, je nachdem, ob es sich bei dem Anwender um einen Klein-, Mittel- oder Großbetrieb handelt, ob mit Serien- oder Einzelfertigung, ob mit oder ohne Zwischenlagerung. Zu berücksichtigen ist ebenfalls die Tatsache, ob die BDE eine Insellösung darstellt oder diese an die übrige EDV des Betriebes angeschlossen ist.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen mobiler BDE (zum Beispiel im Hochregallager) und stationärer BDE, welche wiederum zur automatischen (Maschinenabgriff) oder nichtautomatischen Erfassung (Bereichsterminals mit Tastatureingabe und/oder Codeleser) oder einer Kombination von beiden Möglichkeiten bestimmt ist.

Während man bis vor kurzem meist dezentrale, autonome Terminals einsetzte (etwa auf Fahrtenschreiberbasis), geht heute der Trend immer mehr zu Systemen, bei denen die Terminals über eine Konzentratorstufe zusammengeschaltet werden und damit die Daten zentral verfügbar gemacht werden, um für Produktionsplanung und -steuerung (PPS), kapazitätsabhängige Verkaufsabwicklung, Personal- und Rechnungswesen bereitzustehen.

Da die Einführung der übergeordneten EDV und des BDE-Systems meist nicht gleichzeitig vorgenommen wird und außerdem oft Systeme verschiedener Hersteller eingesetzt werden, ist die hard- und softwaremäßige Koppelung oft problematisch, so daß auch in dieser Hinsicht spezielle Anpassungsmaßnahmen notwendig sind. Daher kann die Einführung einer BDE-Lösung sehr langwierig sein und wird im allgemeinen stufenweise vorgenommen.

Normalerweise wird für ein BDE- System eine höhere Verfügbarkeit als für kommerzielle EDV-Anlagen gefordert, insbesondere dann, wenn mit diesem eine PPS verknüpft ist. Da jedoch oftmals ein 24-Stunden-Betrieb vorkommen kann, ist eine Unterbrechung für Wartungszwecke nur bedingt möglich. In diesen Fällen kommen fehlertolerante Systeme zum Einsatz, oder es muß sichergestellt sein, daß die Unterbrechung nur kurzzeitig ist und nicht zu größeren Problemen führen kann. Hinzu kommt, daß BDE-Rechner in der Richtung operatorlos und daher weitgehend automatisch laufen müssen.

Es ist auch zu beachten, daß durch den Ausfall einer Peripherieeinheit zum Beispiel bei einem Ringleitungskonzept nicht auch die übrigen beeinträchtigt werden. Letztendlich muß auch mit Netzausfällen gerechnet werden, wobei entweder nur die Daten oder auch die gesamte Funktion der Geräte erhalten werden kann. In vielen Fällen scheint es sinnvoll zu sein, eine entsprechende Notorganisation für Störungsfälle vorzusehen (zum Beispiel die alten Tageszettel), da eine absolute Ausfallsicherheit des Gesamtsystems oft zu teuer wäre und ein vernünftiger Kompromiß gefunden werden muß.

Die Einführung eines BDE-Systems scheitert oftmals am Einspruch des Betriebsrates, der laut Betriebsverfassungsgesetz seine Zustimmung geben muß. Da ein derartiges System jedoch im Falle einer erreichten Produktivitätssteigerung Arbeitsplätze sichert, kann dessen Einführung durchaus im Sinne der Belegschaft sein. Interessanterweise bestehen erfahrungsgemäß Bedenken gegen BDE deshalb auch am ehesten in Betrieben, die diese noch gar nicht eingeführt haben.

Wichtige Voraussetzung für eine breite Akzeptanz ist jedoch eine leichte Bedienbarkeit der Geräte, da ja ungeschultes Personal und oft auch ausländische Arbeitnehmer damit umgehen müssen. Daher sollten die Terminals über entsprechende Funktionstasten verfügen und eine Bedienerführung über Display erfolgen. Fehlbedienungen müssen mittels Plausibilitätskontrollen ausgeschlossen sein. Gerade in dieser Frage müssen die Forderungen an ein BDE-System besonders hoch sein, denn was nützt es, wenn Daten zwar richtig weiterverarbeitet, aber fehlerhaft erfaßt werden?

Da jede BDE-Lösung andersartig sein muß, können keine allgemeinen Voraussagen über die Wirtschaftlichkeit gemacht werden. Weil jedoch oftmals verlangt wird, daß die Investition sich innerhalb einer gewissen Zeit amortisiert haben muß ist es notwendig die einzelnen Faktoren zu berücksichtigen und so weit als möglich abzuschätzen. Hierbei ist zwischen quantifizierbaren Größen (zum Beispiel: Verhältnis Investitionssumme/Maschinenstundensatz) Mindestnutzungsgradsteigerung Einsparung manueller Erfassungszeit etc.) und nicht oder schlecht quantifizierbaren Größen (zum Beispiel schnellerer Informationsfluß) zu unterscheiden.

BDE am Anfang eines Booms

Es ist im Bereich BDE zukünftig einerseits eine breite Marktöffnung andererseits eine starke technologische Weiterentwicklung zu erwarten.

Zum ersten Punkt: Ausgehend von nur rund vier Prozent im Jahre 1980 prognostiziert das Marktforschungsinstitut Frost & Sullivan für Europa eine Steigerung der Marktdurchdringung auf 50 Prozent der Produktionsbetriebe bis 1990. Zum zweiten Punkt: In den letzten Jahren konnte durch Nutzung der Mikrocomputertechnologie und Neuentwicklungen bezüglich Displays und Tastaturen die Terminals wesentlich verbessert werden.

Im Bereich der Verkabelungen gibt es bereits Lösungen auf Lichtleiterbasis für Betriebe mit stark gestörtem Leitungsnetz, wenngleich diese aus Kostengründen noch die Ausnahme sind. Außerdem sind hier Entwicklungen im Bereich der lokalen Netzwerke (LANs) zu beachten wie auch Rechnerkoppelungen über Postnetze, um verschiedene Abteilungen und Zweigbetriebe zusammenzuschalten

Wie sich auf verschiedenen Tagungen und Veranstaltungen, aber auch im direkten Kontakt mit Herstellern und Anwendern zeigt, führt zukünftig kaum ein Weg an dieser Thematik vorbei. Jedoch wird auch deutlich daß in vielen Fällen umfangreiche Beratungsleistung erforderlich ist und der organisatorische Aufwand im Vorfeld nicht unterschätzt werden sollte. Daher scheint zur Realisierung eines BDE-Projektes die enge Zusammenarbeit von Hardwarehersteller, Softwarehaus (Beratungsfirma) und Anwender notwendig.