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10.08.2001 - 

Fotos: Foto vom Werk, Krones nutzt E-Business zur Kundenanbindung

Maßgeschneiderte Ersatzteile über das Internet

NEUTRAUBLING (qua) - Getränkeabfüllanlagen zu fertigen ist Maßarbeit. Entsprechend kompliziert gestalten sich Auswahl und Bestellung der Ersatzteile. Um diesen Prozess zu vereinfachen, will der Weltmarktführer Krones seinen Kunden das E-Business schmackhaft machen.

"Unsere Industrie ist konservativ", stellt Karl Hocher fest. Als E-Business-Verantwortlicher der Krones AG sieht er diese Tatsache ambivalent. Zu den positiven Seiten zählt sicher die Traditionsverbundenheit der dort tätigen Unternehmen. So steht der im oberpfälzischen Neutraubling beheimatete Maschinenbaukonzern trotz Börsennotierung unter der Leitung der Gründerfamilie Kronseder, und viele Mitarbeiter entstammen ortsansässigen Familien, die mittlerweile die dritte Generation junger Männer in die Montagehallen des Unternehmens entsenden. Stolz verweist Hocher auch auf die "geregelten Geschäftsbeziehungen" des Unternehmens, die bürokratischen Aufwand überflüssig machten.

Mit Traditionsbewusstsein einher geht bisweilen aber auch eine sehr vorsichtige Annäherung an neue Techniken. Das gilt ausdrücklich nicht für die Krones AG, deren Firmenchronik schon im Jahr 1996 vermeldet: "Krones ist online im Internet." Doch bei vielen Kundenunternehmen steckt die Web-Nutzung noch in den Kinderschuhen.

Tausend Teile in einer AnlageTrotzdem hat Krones den Versuch unternommen, seine Klientel für das Thema E-Business zu begeistern: Mit Hilfe des Online-Bestellsystems "E-Gate" sollen die Kunden in naher Zukunft bereits die Ersatzteile für ihre Krones-Anlagen aus einem CD-Katalog auswählen und online bestellen können.

Krones-Anlagen sind keine Massenprodukte, sondern auf individuelle Ansprüche hin gefertigte Einzelstücke, die häufig mit vor- oder nachgelagerten Verarbeitungsmaschinen zu einem Block zusammengeschlossen werden: So kann die Flasche quasi in einem einzigen Vorgang gewaschen, abgefüllt, verkorkt und mit einem Etikett versehen werden. Die Anlagen enthalten meist mehrere tausend mechanische Teile, die aufgrund des natürlichen Verschleißes regelmäßig ersetzt werden müssen. Bislang sucht der Kunde sie mühsam aus einem dicken Katalog heraus; Krones hält insgesamt 3,5 Millionen Teilestämme und 20 Millionen Teilestrukturen vor.

Künftig soll jeder Abnehmer eine für seine spezielle Anlage zusammengestellte Ersatzteilliste erhalten, aus der er das gesuchte Teil in einem Bruchteil der für das Katalogwälzen notwendigen Zeit herausfiltert. Das von vielen bereits abgeschriebene Medium CD bietet dafür eine sinnvolle Lösung - wenngleich E-Business-Leiter Hocher auch darüber nachdenkt, den Gesamtkatalog ins Netz zu stellen. Die Katalogdaten basieren auf einem von Krones selbst entwickelten Format namens "Ecat", aus dem sich laut Hocher auch Daten nach dem in Deutschland weithin akzeptierten Standard BMEcat generieren lassen.

Trend zur Last-Minute-BestellungHat der Kunde die benötigten Teile gefunden und seinen Warenkorb offline gefüllt, so wählt er sich via Mausklick und vorinstallierten Weblink in den Krones-Server ein. Dieser wiederum hat direkten Zugriff auf das Warenwirtschaftssystem des Konzerns, das in SAP R/3 abgebildet ist. Über einen simulierten Bestellvorgang lässt sich die Verfügbarkeit der gewünschten Teile überprüfen. Ist die Ware lieferbar, wird der Kunde zum eigentlichen Bestellprozess weitergeleitet. Befindet sich das Teil gerade in der Fertigung, erhält der Interessent eine Rückmeldung über den voraussichtlichen Liefertermin. Nicht vorrätige kundenspezifische Sonderteile werden erst nach erteilter Order gefertigt; auch in diesem Fall bekommt der Abnehmer Bescheid, wie lange er sich noch gedulden muss. Dank einer Vernetzung mit den Tracking-Systemen von der Deutschen Post, TNT und UPS lässt sich auch der Transport lückenlos verfolgen.

Der Trend beim Kunden geht, so Hocher, zur Bestellung in letzter Minute: "Selbstverständlich hält der Auftraggeber selbst einige Verschleißteile vor. Doch er tendiert in Richtung Lagerreduzierung." Krones beabsichtigt, Konzepte für das zu entwickeln, was der E-Business-Spezialist "Silent Commerce" nennt, also für eine vom Hersteller unterstützte vorbeugende Wartung der Maschinen - einschließlich einer sinnvollen Bevorratung beziehungsweise regelmäßigen Lieferung bestimmter Verschleißteile. Für diese und ähnliche Aufgaben hat der Konzern am 1. Juli dieses Jahres alle produktionsnahen IT-Aktivitäten in der Syskron GmbH zusammengeführt. Auch der E-Business-Bereich ist dort angesiedelt. Am Start zählt Syskron etwa hundert Mitarbeiter.

Doch das ist genauso Zukunftsmusik wie die Anbindung der Krones-Lieferanten an das E-Gate. Für die Oberpfälzer hat derzeit Priorität, die Verfügbarkeit der Anlagen vor Ort zu steigern. "Der Kunde misst die Effizienz unserer Maschinen auch daran, wie lang sie stillstehen", konstatiert Hocher. "Piraten" legten es darauf an, die Klientel der Markenhersteller mit billigen, weil geklonten Ersatzteilen zu versorgen. Geringe Ausfallzeiten seien ein starkes Argument für den Lieferanten der Originalteile. Das beste Mittel der Kundenbindung bestehe immer noch darin, den Abnehmer zufrieden zu stellen.

Im März dieses Jahres hat Krones das E-Gate im Echtbetrieb mit handverlesenen Kunden getestet, seit April läuft das System in deutscher Sprache produktiv. Allerdings muss der Kunde die benötigten Ersatzteile derzeit noch händisch suchen und eingeben - ohne den CD-gestützten Katalog. Der soll spätestens zur Branchenmesse "Drinktec" verfügbar sein, die Ende September dieses Jahres steigt. Zeitgleich werden voraussichtlich auch englische, französische, italienische, spanische und portugiesische Versionen des E-Gate am Netz sein.

Derzeit bilden die Nutzer des Systems noch eine überschaubare Gruppe. Absolute Zahlen mag Hocher nicht nennen, er räumt jedoch ein, dass es "noch zu wenige" seien - um hinterherzuschieben, dass er "ein Drittel der Kunden, die das Potenzial dafür aufweisen", bereits im Boot habe.

Die anderen lassen sich bislang hauptsächlich von drei Hürden abschrecken: Einige wollen lieber warten, bis ihnen der elektronische Katalog vorliegt, anderen fehlen schlicht die technischen Voraussetzungen, und von denjenigen, die zur Teilnahme fähig wären, will ein Teil keine vom ERP-System unabhängige Lösung nutzen, denn das bedeutet: doppelte Dateneingabe und damit Mehraufwand sowie Fehleranfälligkeit.

Krones hat das E-Gate von vornherein als Teil der Unternehmens-IT betrachtet. Da die Geschäftsprozesse in R/3 abgebildet sind, war die enge Integration mit dem SAP-System Bestandteil des Pflichtenheftes. Auf der Suche nach einer solchen Lösung hatte Hocher eine ganze Reihe von E-Procurement-Anbietern sowie die SAP selbst kontaktiert. Fündig wurde er jedoch bei dem Middleware-Spezialisten Impress Software GmbH, Hannover, und dessen "Open Integration Server" (OIS) oder genauer: der für E-Business-Prozesse konzipierten Weiterentwicklung "OIS Collaborative Engine". Diese Softwareplattform soll die Abbildung systemübergreifender Wertschöpfungsketten ermöglichen, indem sie beispielsweise das eigene Warenwirtschaftssystem oder das eines Geschäftspartners mit einem Frontend für die Web-gestützte Beschaffung verbindet, wie Ariba oder Commerce One es anbieten. In der Collaborative Engine lassen sich unter anderem Sicherheitsregeln oder Personalisierungsdaten ablegen. Nebenbei hat Impress auch das Frontend für E-Gate gebaut.

Für die Hannoveraner sprachen vor allem die "überzeugenden" Referenzen des Anbieters, so Hocher. Die E-Procurement-Spezialisten hatten kein Integrationskonzept vorzuweisen, sondern nur einen "Shop". Zudem konnte Impress die Nähe zur SAP und ein pragmatisches Umsetzungsprojekt sowie überschaubare Kosten in die Waagschale werfen.

Welchen finanziellen Aufwand die Lösung letztlich erfordert, will Hocher allerdings nicht verraten. Immerhin grenzt er die Summe auf einen "einstelligen Millionenbetrag" ein. Insgesamt habe Krones seit dem Beginn der R/3-Einführung im Januar 1998 einen Euro-Betrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich für die Erneuerung seiner IT-Infrastruktur aufgewendet.

Ob sich die Investition in E-Gate rechnet, hängt von der Akzeptanz durch die Partner ab. Wie Hocher bestätigt, will Krones mit diesem System einen Standard setzen, dem sich auf längere Sicht auch "Komplementäranbieter" anschließen. Deshalb habe die Realisierungsphase auch "ein bisschen länger gedauert" als ursprünglich geplant. Auf der Drinktec wird Krones das E-Gate mit Nachdruck bewerben. Bis dahin soll auch entschieden sein, ob der CD-Katalog kostenpflichtig ist und wie viel die Kunden gegebenenfalls zahlen müssen. Last, but not least denkt der Maschinenbauer gemeinsam mit Impress und SAP darüber nach, wie er denjenigen, die E-Gate mit ihren Backend-Systemen integrieren möchten, Hilfestellung leisten kann.

FirmenporträtKrones AG in Neutraubling? - Muss ein Mittelständler sein. So reagieren die meisten Menschen, wenn sie zum ersten Mal auf den oberpfälzischen Hersteller von Abfüll-, Verschluss-, Etikettier-, Reinigungs-, Inspektions- und Recycling-Maschinen für die Lebensmittelindustrie stoßen. In den Ohren von Börsenspezialisten hat der Firmenname jedoch einen guten Klang: Handelt es sich doch um einen Weltmarktführer, dessen Papier im "Dax 100" gelistet ist.

1951 als Handwerksbetrieb für Elektromaschinen gegründet, umfasst der Konzern heute neben dem Stammhaus auch die Anton Steinecker Maschinenfabrik GmbH in Freising, die Kettner GmbH in Rosenheim, die Sander Hansen A/S im dänischen Brondby und die Brau-Control Steuerungstechnik GmbH, ebenfalls in Freising ansässig. Daneben unterhält Krones Niederlassungen und Töchter in etwa 30 Ländern, darunter die USA und Südafrika sowie je sechs asiatische und lateinamerikanische Staaten. Rund 80 Prozent des Umsatzes stammen aus Exportgeschäften.

Die Geschicke des Unternehmens liegen in den Händen von Volker Kronseder, der 1996 den Vorstandsvorsitz von seinem Vater, dem Unternehmensgründer Hermann Kronseder, übernahm. Zwölf Jahre zuvor war das Unternehmen mit 30 Prozent des Grundkapitals an die Börse gegangen; mittlerweile ist es zu 100 Prozent notiert.

Der Geschäftsbericht weist einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro und einen Jahresüberschuss über 38 Millionen Euro aus. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Einnahmen um knapp zwölf Prozent, und der Profit verbesserte sich um mehr als 56 Prozent. Zum Teil ist die positive Entwicklung wohl auf die Innovationsfreudigkeit des Unternehmens zurückzuführen: Krones widmet einen großen Teil seiner Forschung und Entwicklung dem Thema Kunststoffverpackung. Das Ergebnis dieser Anstrengungen sind Umform-, Abfüll-, Beschichtungs- und Recycling-Maschinen, die speziell für PET-Flaschen entwickelt wurden.