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22.12.1989 - 

TÜV fordert Anwendernähe der mobilen EDV

Maßgeschneiderte Lösungen verringern die Einarbeitungszeit

MÜNCHEN (CW) - Laptops verlieren langsam das Yuppie-Image. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wächst auch die Einsicht, tragbare Rechner unter praxisbezogenen Gesichtspunkten der Wirtschaftlichkeit zu beurteilen. Unter diesem Aspekt hatte der TÜV Technischer Überwachungsverein Rheinland, Prüfstelle für Mikroelektronik, verschiedene, den Markt repräsentierende Geräte, getestet.

Die Studie ging von den Überlegungen der Wirtschaftlichkeit des Computereinsatzes aus, wie er sich durch Laptops im Außendienst ergeben könnte (vgl. COMPUTERWOCHE Nr. 51, Seite 2 "Tragbare Computer nur bedingt tauglich für die Alltagspraxis"). Man setzt voraus, daß die "Gruppenanschaffung mobiler Computer für den Außendiensteinsatz eine große Rolle spielen wird." Besonders sei bei den Wirtschaftlichkeitsberechnungen das Erreichen, des Break-Even-Points im Auge zu behalten. Dieser sei im wesentlich abhängig nicht vom Anschaffungsaufwand der Geräte oder dem Planungsaufwand, sondern von den Kosten der Einführungsphase. Hier würde letztendlich das meiste Geld investiert.

Zweierlei sei in der Einführungsphase wichtig, um den Break-Even-Point zu erreichen: Zum einen müsse sich jedes Unternehmen fragen, wann auch das schwächste Glied in der Kette der Anwender den Rechner bei seiner Arbeit effektiv einsetzt. Zum anderen fordern die: TÜV-Prüfer eine "Anwendernähe der mobilen EDV-Lösung". Im Klartext heißt das: "Ist die Arbeitsweise mit mobilen Computern der bisherigen Arbeitsweise nicht optimal angepaßt, wird Fehlern und Pannen Vorschub geleistet. Dies treibt die Kosten der Einführungsphase nochmals in die Höhe."

In der Studie wird grundsätzlich nicht bestritten, daß der Einsatz von Tragbaren einen Gewinn an Effizienz besonders für den Außendienst erbringen kann. Allerdings verbinden die Prüfer dies mit der Aussage, ein Nutzen könne nur dann erreicht werden, wenn "die mobilen Computer den harten Einsatzbedingungen gewachsen sind."

Um dies zu prüfen, arbeitete der Auftraggeber der Studie, die Cogar GmbH, Institut für Informationsverarbeitung und Kommunikationstechnologie in Hannover, unter anderem ein Softwaretestprogramm aus, das die interne Uhr des Computers in Sekundenabständen nach der aktuellen Uhrzeit abfragt und diese auf den Massenspeicher schreibt. So sind sowohl der Prozessor als auch die Peripherie ständig aktiv.

Weiterhin gingen bei der Simulation des Winterbetriebes (- 21 Grad Celsius) die Prüfer nicht vom Normalfall, sondern von einer Ausnahmesituation aus, die jedoch der Praxis durchaus entspräche. Weiter setzte man einen achtstündigen Arbeitstag mit dreistündigem Betrieb bei drei Kunden voraus.

Der TÜV wies übrigens darauf hin, daß der Winterbetrieb lediglich der Funktionsprüfung diente. Eine Aussage über das Verhalten der Batterien unter extremeren Temperaturen wurde mit diesem Test nicht getroffen. Das ist von Bedeutung: Ein Gerät - der Amstrad-Prüfling - versagte den Dienst, als die unterkühlten Batterien aus der Kältekammer kamen. Der Laptop mußte über das Netz gebootet werden.

Apropos Batterien: Der Anwender sollte sich auch überlegen, ob der Kauf eines sehr preisgünstiges Gerätes nicht mit Folgekosten behaftet ist, die den ursprünglichen Preisvorteil wieder eliminieren. Den Prüfern fiel beim Amstrad-Testmodell auf, daß das Gerät sich netzunabhängig nur mit Batterien betreiben läßt. Benutzt man hierfür Alkaline-Batterien, kommt der Anwender auf Batterienkosten von zehn Mark pro Stunde. Nur dieser Batterietyp garantiert laut Angaben des Herstellers die volle Leistung des Gerätes. Zink-Kohle- und Nickel-Cadmium-Batterien "liefern auf Dauer nicht die benötigte Energie", heißt es laut TÜV im Amstrad-Handbuch. Die Tester rechneten vor, daß 100 Arbeitsstunden genügen, um den ursprünglichen Einkaufs-Preisvorteil des Gerätes gegenüber Konkurrenten schwinden zu lassen.

Nur zwei der getesteten Geräte wiesen darüber hinaus einen batteriegepufferten RAM-Arbeitsspeicher auf (Epson und Toshiba). Diese Technologie gewährleistet eine Datensicherung auch dann, wenn unvorhergesehene Fälle wie abrupter Spannungsabfall, unbeabsichtigtes Ausschalten oder erschöpfte Akkus vorliegen. Der RAM-Speicher des Epson-Rechners kann auf 1,4 Megabyte ausgebaut werden und puffert den gesamten Schreib-Lese-Bereich vollautomatisch. Für den Resume-Modus des Toshiba-Geräts gilt dies nur in eingeschränkter Form.

Schließlich brachen die Prüfer aus Nordrhein-Westfalen noch eine Lanze für hintergrundbeleuchtete Monitore: Laptops mit dieser energieintensiveren Technologie arbeiten trotzdem nicht zwangsläufig weniger lang ohne Netzstrom. Der Kältetest bewies, daß hintergrundbeleuchtete Displays früher wieder eine Anzeige auf den Bildschirm brachten, als die ohne dieses Feature ausgestatteten Geräte.

Der TÜV faßte die Testergebnisse zusammen zu der Erkenntnis, bei tragbaren Computern gäbe es einige kritische Bereiche, die dem Anwender Probleme bescheren könnten. Dazu gehören die Akkukapazitäten der Geräte, ihr Warn-Verhalten bei erschöpftem Energievorrat, die Datensicherung des Arbeitsspeicherinhalts und

die mechanische Stabilität der Geräte. Die Studie schließt mit der Feststellung, der "potentielle Anwender müsse darauf achten, die Schwachpunkte auszumerzen oder durch exakte Einsatzinstruktionen zu umgehen". Das heißt auch: Entschließt sich ein Unternehmen zum mobilen EDV-Einsatz, sollte dem eine Testphase vorausgehen, in der Geräte einem konkreten Praxistest unterzogen werden von denen, die letztlich mit den Geräten arbeiten werden. Nur dann kann beurteilt werden, wie groß der zu erwartende Nutzen der tragbaren EDV sein wird.

Testsituationen

TÜV steht bei den meisten Bürgern für kritische Prüfung. TÜV steht wohl auch für Unparteilichkeit. Deshalb besitzt die Studie " Wie mobil sind Portable Computer wirklich " auch einiges Gewicht. Trotzdem gilt, den Kritikern Kritisches zu entgegnen.

Lagen standardisierte Testrichtlinien nicht vor, leitete man sie "aus den Anforderungen der Praxis ab". Hier sind Zweifel angebracht: Ausdrücklich wird darauf verwiesen, daß alle Prüflinge "ohne energiesparende Maßnahmen getestet" wurden. Doch es erscheint nicht eben praxisnah, wenn ein Feature wie der Standby-Modus nicht genutzt wird. Bewertet man den Komfort eines Autos, läßt man eine gute Musikanlage nicht deshalb einfach außen vor, weil man sie nicht einschaltet.

Ebenso scheint die Einschätzung der Dauer der Stromversorgung problematisch: Daß ein Gerät wie der Epson PX-16 deshalb weniger Strom verbraucht, weil er weder ein Diskettenlaufwerk noch eine Festplatte bietet, wird nur indirekt attestiert: Die Studie besagt, daß die getesteten "Minimalwerte" für die Akku-Arbeitsdauer "auf jeden Fall erreicht wurden, da die Anzahl der Festplatten- beziehungsweise Diskettenzugriffe in praxi niedriger liegt" als unter den Testbedingungen.

Auch der Falltest aus 72 Zentimetern Höhe flach auf den Boden simuliert eher eine Ausnahmesituation. Viel häufiger eckt ein Gegenstand mal wo an. Gerade diese Stöße dürften einigen Schaden anrichten.

Positiv ist zu vermerken, daß die Prüfer nicht der Versuchung erlagen, eher subjektive Faktoren in den Test einmünden zu lassen. Gewicht, die Charakteristik der Tastatur, die Flexibilität der Geräte (abnehmbare Bildschirme, Tastaturen) oder die Qualität der Monitore blieben unberücksichtigt.

Positiv ist vor allem der Versuch, Praxis zu simulieren. Gerade Laptops sind Umwelteinflüssen, im hohen Maß ausgesetzt. Insofern ist der TÜV-Test hilfreich. Zu wünschen wäre daß unabhängige Anwender dessen Ergebnisse durch Erfahrungsberichte untermauern konnten. jm