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21.09.2001 - 

Heilbronner Maschinenbauer setzt auf Komponenten-basierende Lösung

Maßgeschneidertes ERP-System statt Standardsoftware

ERP-Systeme von der Stange sind heute für viele Anwendungen verfügbar. Aufgrund der komplexen Fertigungsprozesse kamen sie für die Heilbronn Maschinenbau GmbH + Co jedoch nicht in Frage. Das Unternehmen entschied sich daher für eine individuelle Komponentenbasierende Lösung. Von Angelika Dripke*

Seit mehr als 40 Jahren bietet der Spezialhersteller Heilbronn Maschinenbau komplette Fertigungsanlagen für die Blechverarbeitungsindustrie. Das Unternehmensportfolio umfasst die Beratung, das Engineering und die Inbetriebnahme sowie den weltweiten Full-Service der Fertigungssysteme.

Bislang verließ sich der Maschinenbauer auf ein Honeywell-Bull-System aus den 80er Jahren. Die darauf ausgeführte Software bestand aus verschiedenen, zum Teil selbst entwickelten Modulen. Da die Märkte zunehmend mehr Flexibilität und Schnelligkeit erfordern und darüber hinaus der Hardwarehersteller die Systemwartung zum Ende des Jahres 2000 einstellte, hatte sich der Anlagenhersteller für ein neues System entschieden.

Dabei wurde schnell klar, dass für die Anforderungen der Heilbronn Maschinenbau kein Standardsystem in Frage kam. Bei den Produkten des Herstellers handelt es sich durchweg um komplexe Anlagen, deren Konstruktion iterativ erfolgt. Der IT-Manager der Heilbronn Maschinenbau, Andreas Hansen, weiß um die damit verbundene Problemstellung: "Die Fertigung kann nicht erst beginnen, wenn das gesamte System durchkonstruiert ist. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können und Aufträge in einem angemessenen Zeitraum fertig stellen zu können, ist es notwendig, parallel Teile der Maschine zu konstruieren, in die Disposition zu gehen und Teile zu fertigen." Dabei komme es vor, dass bereits konstruierte oder schon gebaute Teile verworfen oder modifiziert werden müssten. Zudem kämen im Projektverlauf auch von Kundenseite immer wieder Änderungswünsche vor. Es sei nicht möglich gewesen, ein marktverfügbares ERP-System zu finden, das diesen Entwicklungsprozess zufriedenstellend unterstützte. Außerdem soll einmal erarbeitetes Wissen (Konstruktionspläne, Lösungsansätze für bestimmte Problemstellungen) nicht einfach verworfen werden, sondern an anderer Stelle im selben oder in anderen Aufträgen wiederverwendet werden können. Auch diese Besonderheiten decken Standard-ERP-Lösungen nicht ab.

Mit der Entwicklung eines individuellen Komponenten-basierenden Systems beauftragte der Maschinenbauer die Bäurer Componentware GmbH, deren ERP-Framework "Bäurer CS" (CS = Construction Set) für die Anforderungen besonders geeignet schien. Das System ist als Client-Server-Lösung konzipiert und somit jederzeit erweiterbar. Die Clients laufen unter Windows NT, auf der Server-Seite kommt eine Oracle-Datenbank zum Einsatz, die auf einem Hotplug-fähigen RAID-Level-5-System liegt.

Bäurer Componentware setzte als Entwicklungsumgebung "Cincom Smalltalk" ein. Sie bietet Werkzeuge, die es den Programmierern ermöglichen, den stark iterativen Auftragsabwicklungsprozess der Heilbronn Maschinenbau nachzubilden. Laut Erik Heidingsfelder, Consultant bei Bäurer Componentware, hat Smalltalk gegenüber anderen objektorientierten Programmiersprachen den wesentlichen Vorteil, dass es keine Hybridsprache, sondern eine objektorientierte Sprache in Reinform ist.

Projekt unter ZeitdruckErste Projektschritte mit Softwaretests begannen im Januar 1999, die Abnahme erfolgte im Februar 2001. Seit Beginn des neuen Geschäftsjahres der Heilbronn Maschinenbau im vergangenen März, wird das neue System parallel zum Altsystem gefahren.

Projektumfang und -komplexität nahmen während der Realisierung sowohl aus Sicht des Auftraggebers als auch des Systemhauses zu. Dadurch wurde eine enge Kooperation notwendig, die sich nicht immer als einfach erwies. Ein Problempunkt war insbesondere der zeitliche Rahmen der Implementierung. Für das Altsystem, von dem die gesamte Fertigung abhing, gab es seit Jahresbeginn keine Wartung mehr. Vor dem Systemstart der neuen Software führte der Maschinenbauer einen Alphatest durch und stellte dabei fest, dass in dieser Version noch nicht alle Funktionalitäten und Abhängigkeiten abschließend geprüft waren. Die aufgetretenen Mängel wurden von Bäurer Componentware rasch nachgebessert.

Altsystem zur KontrolleDrei Monate nach der Softwareabnahme ließ sich die Fertigung mit Bäurer CS bewältigen. Das Altsystem wird noch zu Vergleichszwecken mitgeführt, um eventuelle Unregelmäßigkeiten einfacher erkennen zu können. Zudem nutzt der Anlagenbauer die Software noch für eine Reihe von kaufmännischen Modulen, mit der die neue Lösung über intelligente Schnittstellen verbunden wurde.

Derzeit werden noch die letzten Anpassungen durchgeführt. Andreas Hansen von Heilbronn Maschinenbau zieht eine positive Zwischenbilanz: "Natürlich hätten wir uns ein möglichst perfekt funktionierendes System von Anfang an gewünscht. Bei unseren sehr komplexen Fertigungsanforderungen ist es allerdings viel wichtiger, dass anfängliche Fehlfunktionen rasch und zuverlässig behoben werden. Das Gesamtprojekt wird voraussichtlich bis Jahresende fertiggestellt sein."

*Angelika Dripke ist freie Fachjournalistin in Wiesbaden.