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26.09.1975 - 

Computer in der Energieversorgung

Mastentschädigung und Schlußrechnung

MÜNCHEN - Im technischen Rechenzentrum der Bayernwerk AG (Bayrische Landeselektrizitätsversorgung) in München steht seit dieser Woche ein neuer Computer "sozusagen unter Strom": ein britischer Ferranti Argus 700 S-Rechner. Die Anlage im Wert von rund 1 Million Mark verfügt über eine ZE mit 80 K, zwei Magnetbandstationen, zwei 10 Mio B-Plattenspeicher, Lochstreifen-Ein/Ausgabe und Schnelldrucker. Drei Terminals ergänzen das System. Die Entscheidung fiel für Ferranti (gegen Siemens und AEG), weil - so die Bayernwerke - dieser Hersteller spezielle Erfahrung und Software im Bereich der Energieversorgung nachweisen konnte.

Planung künftiger Netze

Der Argus-Rechner fand im Computerraum einen seltenen Kollegen vor: eine Zuse Z 25 (16 K, Trommelspeicher mit 18 000 Worten/18 Bit, zwei Magnetbandstationen, Lochstreifen-Ein/Ausgabe).

In der Hauptsache werden die Computer für die sogenannte Lastschlußrechnung eingesetzt, das heißt die ständige Überwachung der Produktions- und Verbrauchsschwankungen im Versorgungsnetz der Bayernwerk AG. Dazu werden von einer Reihe von Meßpunkten laufend aktuelle Daten per Fernschreiber auf Lochstreifen im RZ ausgegeben und auf den Computern weiterverarbeitet. Die in einer Datenbank gesammelten Auswertungen dienen der Optimierung des bestehenden, aber auch der Planung zukünftiger Versorgungsnetze Die Planungsrechnung ist ebenfalls Sache der Z 25 und jetzt der Argus 700.

Da diese Informationen auch für die kommerzielle Seite als Grundlage der Preiskalkulation wichtig sind, soll in Kürze eine Online-Verbindung zum kommerziellen Rechenzentrum (Siemens 4004/45) hergestellt werden (2400 Baud-Standleitung).

Daneben aber ist das technische Rechenzentrum offenbar eine Art "Mädchen für Alles". Sogar die Mitarbeiter sind im besten Sinne Mehrzweckmenschen. Fritz Kraut, Operator, Techniker, Organisator und Programmierer in einer Person, sieht das mit Humor: "Es gibt in unserem Unternehmen so viele Einzelprobleme, für die sich niemand richtig zuständig fühlt. Das landet dann bei uns. Wir machen das schon."

Markscheider-Rechnungen

Dazu gehört beispielsweise die Überwachung und Auswertung der Wasserstände der Isar, die die Bayernwerk-Generatoren treibt. Dazu gehört die Kontrolle von Kohlenverbrauch und Leistung des Braunkohlenkraftwerks Schwandorf.

"Weil wir die sowieso an der Leitung hatten, haben wir auch gleich die ganze technische Rechnerei der Markscheider in der Braunkohlengrube übernommen", berichtet Kraut. Die Markscheider sind dankbar. Z 25 befreite sie von zeitaufwendiger, meist manueller Arbeit.

Wenn die Bayernwerk AG neue Überlandleitungen baut (die das technische Rechenzentrum geplant hat), beginnt der Kleinkrieg mit den Grundstücksbesitzern, die Lichtmasten nicht so dekorativ finden wie die Stromlieferanten. Das Rechenzentrum liefert die Friedensverträge: es berechnet die Mastentschädigungen. os