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10.08.1979 - 

Siemens erzielt Reliability durch einfache Org-Maßnahmen:

Master-Meister-Produktionssteuerung bei Harting

ESPELKAMP - Um kurzfristige Produktionsumplanungen Anpassungen an

Marktveränderungen vornehmen zu können, mietete die Harting GmbH 1974 eine Siemens-Anlage und begann schrittweise das Software-Paket ISI, ebenfalls von Siemens, einzuführen mit dem Ziel, die gesamte Erzeugnisdisposition und Auftragsterminierung DV-maschinell abzuwickeln, unter weitgehendem Einsatz von Datensichtstationen. Im Dialog sollte ein umfangreiches Datenvolumen verwaltet und verarbeitet werden.

Das heute maschinell geführte Datenvolumen besteht aus

22 000 Teilestammdaten,

55 000 Erzeugnisstrukturdaten,

70 000 Arbeitsgangstrukturdaten,

800 Arbeitsplatzstammdaten

sowie aus

40 000 Bedarfssätzen (Bedarf an Enderzeugnissen, Baugruppen, Teilen und Materialien),

30 000 Fertigungs-, Montage- und Zulieferaufträgen zur Abdeckung des Bedarfs,

90 000 zugehörigen Arbeitsgängen.

Die Fertigungsgrunddaten sind in ISI-Stamm- und Strukturdateien abgespeichert, sämtliche Bewegungsdaten (Bedarfssätze, Aufträge und zugehörige Arbeitsgange) sind in einer einzigen zentralen Dispositionsdatei, kurz ZD-Datei genannt, zusammengefaßt.

Der Direktzugriff auf sämtliche Daten geschieht über eine vorgeschaltete Indexdatei mit etwa 240 000 Suchbegriffen. Änderungen, Löschungen, Neuaufnahmen und Abfragen dieser Daten sind im Dialog den ganzen Tag über möglich.

Die Firma Harting setzt derzeit ein Siemens-System 7.700 mit folgender Ausstattung ein:

1 Zentraleinheit 7.730 (312 K),

6 Großplattenspeicher 3455 mit je 72 MB,

1 Lochkartenleser, 1 Lochkartenstanzer, 1 Schnelldrucker,

1 Datenübertragungs-Steuereinheit (DÜST) 4666,

10 Transdata-Datensichtgeräte 8150,

1 Transdata-Drucker 8121.

In Bestellung sind zur Zeit:

4 Datensichtgeräte und 1 Transdata-Drucker 8112.

Stapelverarbeitungskomponenten

Mit dem System ISI werden bei Harting heute die Disposition und Terminierung des gesamten Produktspektrums in einem monatlichen Zyklus DV-maschinell durchgeführt. Dabei werden maschinell Auftragsvorschläge gebildet sowie die zugehörigen Anfangs- und Endtermine ermittelt. Dies geschieht mit den nachfolgenden Programmen:

- Prognoserechnung für Endprodukte mit ISI-Horest

Da bei den Erzeugnissen oft die Zeit der Beschaffung, Fertigung und Montage größer ist als die von den Kunden geforderten Lieferfristen, müssen Bestellungen und Fertigung angestoßen werden, noch ehe konkrete Kundenaufträge vorliegen. Dies ist nur möglich, wenn man den voraussichtlichen Marktbedarf prognostiziert. Hierzu wird für alle Endprodukte über einen Planungshorizont von zwölf Monaten unter Einsatz der ISI-Horest-Prognose ein Produktionsplan erstellt. Dies erfolgt monatlich mit den jeweils neuesten Ausgangsdaten. Dem Vertrieb stehen damit ständig aktuelle Planzahlen zur Verfügung. Der Produktionsplan bildet die Eingabe für die maschinelle Disposition und Terminierung.

- Materialdisposition und Grobterminierung mit der ISI-Bedarfsrechnung und ISI-Auftragskontrollrechnung

Die ISI-Disposition arbeitet nach dem "Neuaufwurfsprinzip". Die geplanten Aufträge werden nicht umgeplant, sondern neu geplant. Aus diesem Grund werden alle lediglich "geplanten" Bedarfswerte und Aufträge (von diesen sind noch keine Fertigungsbelege ausgegeben worden) aus dem Planungslauf des Vormonats zunächst gelöscht (ISI-Funktion "Filtern ZD-Datei").

In die ISI-Bedarfsrechnung gehen dann nur noch die endgültigen Aufträge ein, also derjenigen Aufträge, für die die Fertigung oder Auftragsvergabe an Lieferanten bereits angestoßen wurde. In einem Dispositionslauf von etwa drei Stunden ermittelt die ISI-Bedarfsrechnung für den Zeitraum von zwölf Monaten über das gesamte Produktspektrum neue aktuelle Bedarfswerte und Aufträge, soweit der Bedarf an Endprodukten nicht durch verfügbare Lagerbestände oder endgültige Aufträge bereits abgedeckt werden kann. Ferner lassen sich im Rahmen der Bedarfslösung über die Arbeitspläne auch Kapazitätsbedarfssätze bilden und eine arbeitsgangweise

Terminierung durchführen. Bei Terminverzug können einzelne Termine in der Vergangenheit liegen. Deshalb wird der Bedarfsrechnung das Programm Auftragskontrollrechnung nachgestellt.

Dieses Terminierungsprogramm setzt Termine aus der Vergangenheit auf die "Heute-Linie" und ermittelt zudem die sich daraus ergebenden neuen Termine der von der Terminverschiebung betroffenen Folgeaufträge im gesamten Auftragsnetz. Aus den Terminverzügen werden gleichzeitig Prioritäten abgeleitet, die den Auftragen zugeordnet werden. Für die Terminanpassung sämtlicher Auftragsnetze über den gesamten Planungshorizont benötigt die Auftragskontrollrechnung insgesamt etwa eineinhalb Stunden.

Anschließend läuft ein Programm ab, das für alle Aufträge des laufenden Monats in der Reihenfolge ihrer Starttermine eine Kontrolle der Material- und Teileverfügbarkeit durchführt. Alle Aufträge die (noch) nicht gedeckt sind, werden in einem Fehlbericht den einzelnen Fertigungsbereichen mitgeteilt, die übrigen Aufträge werden zur Belegerstellung freigegeben.

Die Verfügbarkeitskontrolle, Auftragsfreigabe und Erstellung von Fehlteileberichten werden wöchentlich wiederholt.

Als letztes Stapelverarbeitungsprogramm läuft die ISI-Grobkapazitätsrechnung. Sie liefert eine Liste, die grafisch die Auslastung aller Arbeitsplätze darstellt. Bei Überlastungen versuchen die Werkstätten innerhalb einer Fertigungsperiode (zwei Wochen) einen Ausgleich vorzunehmen. Dies kann geschehen durch das Vorziehen von Aufträgen, die zu einem späteren Zeitpunkt fällig sind oder bei ständiger Überlastung durch zusätzliche Überstunden oder andere Mittel.

- Kapazitätsplanung

Um eine möglichst hohe Flexibilität Termintreue zu erhalten, wird bei Harting der Werkstatt ein relativ großer Dispositionsspielraum überlassen. Die Werkstatt kann die anstehenden freigegebenen Aufträge über einen Zeitraum von 20 Arbeitstagen frei einplanen (unter Berücksichtigung von Prioritäten), da sie im Dialog alle aktuellen Informationen zur Entscheidungsfindung stets im Zugriff hat. Durch eine derartige Reihenfolgeplanung nach Gesichtspunkten der Rüstzeitminimierung und Materialverfügbarkeit wird die bestmögliche Ausnutzung der Kapazität erreicht.

Dialogkomponenten

Der gesamte Dialogverkehr wird bei Harting derzeit mit zwölf ISI-Dialogprogrammen über zehn Terminals abgewickelt, wobei die einzelnen Dialologfunktionen von den Terminals aufgerufen werden und den ganzen Tag über zur Verfügung stehen. Die Berechtigungsprüfung ist terminalorientiert; es ist je Bildschirm festgelegt welche Programme aufgerufen werden können. Den einzelnen Programmaufrufen sind jeweils bestimmte Verwaltungsoperationen und Abfragen zugeordnet.

Dadurch läßt sich steuern, wer welche Daten abfragen und ändern kann. Eine personenbezogene Berechtigungsprüfung ist bei ISI zwar möglich, wird jedoch bei Harting nicht angewandt, da die Terminals nur vom speziell dafür vorgesehenen Personal bedient werden.

Organisatorische Abläufe

In der ISI-Bedarfsrechnung werden maschinelle Auftragsvorschläge erstellt die als Vorschlagsliste zur Abteilung Einkauf gelangen. Nach Festlegung des jeweiligen Lieferanten werden im Dialogverkehr mit der ISI-ZD-Datei die dort geführten Auftragssätze um die Lieferantennummer ergänzt. Dabei lassen sich gegebenfalls noch Bestellmengen, Liefertermine oder Einkaufspreise und Rabatte gegenüber den im Teilestammsatz festgelegten Preisen ändern. Hilfs- und Betriebsstoffe werden personell disponiert, jedoch maschinell überwacht. Zu diesem Zweck erzeugt der Einkauf im Dialog für Bestellungen Auftragssätze in der ZD-Datei. Diese Sätze werden mit der Bestellmenge, dem Liefertermin, der Lieferantennummer sowie Preis und Rabatt (bei Nichtübereinstimmung mit dem Preis im Teilestammsatz) aufgebaut.

In einem täglichen Stapelverarbeitungslauf werden diese Aufträge aus der ZD-Datei in Verbindung mit der Lieferantendatei des Siemens-Buchhaltungspakets "Fibas", in der die Zahlungsbedingungen gespeichert sind, in Form einer Bestellung an Lieferanten geschrieben. Gleichzeitig wird für den Wareneingang eine Wareneingangsmeldung erzeugt, aus der hervorgeht, welcher Lieferant wann welche Ware liefert. Bei Anlieferung der bestellten Ware nimmt der Wareneingang die Wareneingangsmeldung und übergibt diese mit der Ware der technischen Kontrolle. Gleichzeitig meldet der Wareneingang die eingegangene Menge an die ZD-Datei. Dies erforderlich, damit Ware, die sich zwar im Hause, aber noch nicht im Lager findet, beim Lieferanten nicht angemahnt wird. Nach erfolgter Kontrolle wird die Gut-Menge mit der Wareneingangsmeldung dem Lager übergeben. Das Lager bucht diesen Zugang und rechnet ihn im Teilestammsatz als verfügbare Menge hinzu. Der Auftrag wird in der ZD-Datei für die Weiterverarbeitung in der Finanzbuchhaltung umformatiert. Die umformatierten Sätze benutzt die Buchhaltung zur Rechnungsprüfung und Buchung. Für den weiteren Ablauf werden diese Buchhaltungssätze dann von der ISI-Datei an Fibas übergeben (für Buchen und Zahlen).

Betriebsdatenerfassungs- und Auskunftssystem

Alle in der Werkstatt oder im Lager anfallenden und im Dialogverkehr rückgemeldeten Daten führen zu Direktänderungen in den zentralen Dateien nach vorgeschalteten formalen und logischen Plausibilitätsprüfungen. Dieses Verfahren, das auf irgendwelche Subsysteme oder sonstige Formen dezentraler Intelligenz sowie auf redundante Dateispeicherung verzichtet, bietet die totale Auskunftsfähigkeit, da alle Daten nur einmal zentral geführt werden.

Diese Auskunftsmöglichkeit ist erforderlich, da es bei Harting keine Disponenten mehr gibt. Dem Vertrieb steht zur Beurteilung der Lieferfähigkeit eine wöchentlich erstellte Dispositionsliste für Fertigungsprodukte zur Verfügung, die alle Kundenbedarfswerte, Lagerbestände und Fertigungsaufträge ausweist. Werden aktuelle Zusatzinformationen benötigt, dann erfolgt eine Rücksprache mit der zuständigen Montageabteilung. Die Montage kann anhand der Fehlteileliste erkennen, welche Komponenten noch ausstehen.

Bei Bedarf können die Abteilungen Montage und Vorfertigung im Dialog abfragen, welche Aufträge infolge fehlender Teile nicht ausgeführt werden können und wie groß die verfügbaren Lagerbestände hierfür sind. Gegebenenfalls muß eine "personelle" Entscheidung zugunsten eines Teilauftrags (Lossplittung) gefällt werden.

Die entsprechende Teilmenge wird dann unmittelbar im Dialog freigegeben. Dies führt zu einer sofortigen Reservierung der zugehörigen Komponenten am Lager.

Die entsprechenden Fertigungsbelege werden am nächsten Tag vom Rechenzentrum für jede Fertigungsstelle nachgeliefert.

Bei Harting gibt es kein Nebeneinander von maschinell gesteuerten "Normalaufträgen" und personell gesteuerten "Sonder-, Eil- oder Spezialaufträgen". Es wird generell alles maschinell abgewickelt, wobei "Sonderfälle" unmittelbar im Dialog abgehandelt werden.

Die Vorgabe- und Rückmeldeorganisation in Vorfertigung und Montage ist prinzipiell bildschirmorientiert. Die zentrale Fertigungssteuerung über eine Leitzentrale aus früherer Zeit hat man zugunsten einer individuellen Werkstattsteuerung aufgelöst. Mit den im Dialog abrufbaren Informationen erhielten die Meister die "Steuerungsgewalt" wieder zurück. Täglich fragt der Meister den Arbeitsvorrat im Dialog ab und plant die Aufträge auf einer Plantafel ein. Aus dieser Einplanung ergibt sich die Reihenfolge der Vorgabe für die Werkstatt. Diese "organisatorische Lösung" macht die Fertigung unempfindlich gegenüber etwaigen, Systemausfällen.

Systembelastung

Zur Abwicklung sämtlicher Dialogaufgaben ist täglich von 7.00 bis 16.00 Uhr das ISI-System geladen. Die Arbeitsspeicherauslastung beläuft sich dabei auf 92 K (Terminalverwaltung, Telekommunikationssystem TCSI sowie ISI-Programmteile) zuzüglich Datenübertragungsprogramm (DP) und Betriebssystem.

Über diese Dialogkomponenten werden monatlich 25 000 bis 30 000 Lagerbewegungen, etwa 45 000 auftrags- und arbeitsgangbezogene Rückmeldungen etwa 1000 Verwaltungsoperationen der Fertigungsgrunddaten und etwa 2000 Lieferantenrechnungen abgewickelt.

Die Antwortzeiten liegen bei einfachen Dialogabfragen und -verwaltungen unter einer Sekunde, bei komplexeren Abfragen im Bereich einiger Sekunden und im Grenzfall bei maximal fünf Minuten (Neukalkulation eines Gerätes mit 10 000 Stücklistenkomponenten unter Einbeziehung aller Arbeitsgänge im Dialog).

Als zusätzliche Vorteile des ISI-Dialogs haben sich herausgestellt: Reduzierung von Inventurdifferenzen um 80 Prozent; Reduzierung der Fälle, in denen als verfügbar ausgewiesene Materialien körperlich nicht vorhanden waren, auf ein Zehntel des ursprünglichen Wertes (heute maximal zwei Fälle je Monat).