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Hardware-Hersteller ohne Softwareangebot verschwinden vom Markt:

mbp: Teachware und systematische DV

09.05.1980

HANNOVER - Grundlagenarbeit ist eines der Hauptmerkmale der Geschäftsaktivitäten des Mathematischen Beratungs- und Programmierungsdienstes (mbp) GmbH, Dortmund, einer hundertprozentigen Hoesch-Tochter. Zur Hannover-Messe stellten die Dortmunder "Steve" vor, ein audio-visuelles und interaktives DV-Lehrmittelsystem, berichteten über ihre Arbeit an einem Textverarbeitungssystem auf einem Siemens-Kommerzrechner und meldeten Erfolge von der Software-Engineering-Front.

Nicht nur DV-Wissen vermitteln, sondern durch die Art der Präsentation auch Akzeptanz-Schwellen abbauen kann nach mbp-Ansicht Steve, ein Lizenzprodukt der Pariser Steria Formation, für das die Dortmunder sich die Weiterentwicklungs- und Vertriebsrechte im deutschsprachigen Raum gesichert haben. Steve vermittelt dem Lernenden eine bestimmte Aufgabenstellung (Lehrinhalt) durch schrittweiss Vorgehen in einem praxisorientierten Handlungsablauf.

Lernen im Dialog

Der Lernende wird aufgefordert, soeben Erlerntes im Dialog mit einem Mikroprozessor anzuwenden und hat die Möglichkeit, Abschnitte zu wiederholen. Ein Lehrinhalt kostet 7500 Mark; hinzu kommen die Hardwarekosten. Hardware-Elemente sind ein Bedienungspult, bestehend aus einem TRS 80- oder Apple II-Mikroprozessor mit 16 K, Kassettengerät, Tastatur sowie einem Modul zur Steuerung des Ton-Bild-Aggregats, ferner einem Bildschirm und einem Diaprojektor für vertonte Dias.

Steve ist über eine V.24-Schnittstelle auch an Großrechner anschließbar. An Lehrinhalten liegen vor oder stehen vor der Fertigstellung

- Grundlagen der Programmierung,

- Was der Sachbearbeiter von Datenbanken wissen muß,

- Zentrale und dezentrale DV - ein Planspiel für Führungskräfte.

Weitere Programme sind geplant. Der mbp-Kunde kann in der Eigenerstellung von Lehrprogrammen geschult werden oder sie sich vom mbp individuell maßschneidern lassen.

Integration Text/EDV

Über die Bemühungen der Dortmunder, der historisch bedingten, getrennt verlaufenden Entwicklung von Computern und Textsystemen ein Ende zu bereiten und den wenig bedienerfreundlichen oder unzureichenden Ansätzen von Text-Software den Garaus zu machen, berichtet mbp-Prokurist und Geschäftsbereichsleiter Dr. Horst Strunz: Unser Team beschäftigte sich seit 1978 im Auftrag der Siemens AG mit der Entwicklung eines Systems zur Lösung von Aufgaben der Textverarbeitung auf dem Kompaktrechner Siemens 6000.

Folgende Anforderungen waren zu erfüllen:

- Integration von Text und EDV,

- Mehrplatzkonzept, Datensicherheit und Datenschutz,

- Benutzerfreundlichkeit,

- Einpassungsfähigkeit in zentrale wie dezentrale DV-Organisationen, Modularität.

Strunz, der im Software-Markt eine Tendenz zu Branchenlösungen ausmacht, ist der Meinung, daß Aufträge dieser und ähnlicher Art nur von großen Softwarehäusern übernommen werden können. Für Großaufträge komme es darauf an, innerhalb kürzerer Zeit genügend Fachpersonal auf die neue Aufgabe ansetzen zu können. Erfahrungsgemäß stünden innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten zehn Prozent der Belegschaft eines Softwarehauses - aus anderen Projekten kommend - zur Verfügung.

Angewandt auf den mbp bedeuteten dies 30 Leute - und damit die Fähigkeit, auch großformatige Aufgaben jederzeit anzugehen. Es gebe, meinte Strunz, gewisse typische "Sprünge" in den Unternehmensgrößen von Softwarehäusern: einerseits die kleinen Spezialfirmen mit Teams oft unter zehn Mann, dann die mittleren Beratungsfirmen mit Angebotsschwerpunkten etwa im kommerziellen oder technisch-wissenschaftlichen Bereich und oft an die hundert Mann Belegschaft, schließlich die großen Universalhäuser mit mehreren hundert Mitarbeitern.

Für Softwarehäuser, die größenmäßig dazwischen liegen, gilt nach Strunz Ansichts die Vermutung, daß ihre Betriebsgröße nicht optimal ist. Um diese zu erreichen, seien auch Fusionen ein geeignetes Mittel. Es dürfe aber nicht verkannt werden, daß dabei - wie auch im Fall von Kooperationen - Führungsstrukturprobleme zu bewältigen seien. Strunz: "Mehrere Geschäftsführer - das gibt Blockierungen."

Hardware-Herstellern, die es nicht verstehen, auch Softwarehäuser zu werden, prophezeit Strunz ein Verschwinden vom Markt. Andererseits bräuchten Softwarehäuser, die für Hardware-Hersteller an die Kundenfront gehen, nicht zu befürchten, vom großen Partner "als trouble-shooter" mißbraucht zu werden - die richtige Vertragsgestaltung vorausgesetzt.

Ein sehr viel drückenderes Problem für die Softwarehäuser sei und bleibe das Vertriebspersonal. Der Arbeitsmarkt gebe nicht viel her, und Uni-Absolventen seien ungeeignet. Da vertriebliche Kundenberatung nach dem Muster "Da kennt sich mein Kollege X aus; der wird Sie nächste Woche besuchen" zum Mißerfolg verurteilt sei, habe der mbp eine "Vertriebs"-Mannschaft nie gehabt. Das mbp-Konzept: Allround-Kräfte mit Kenntnissen in betrieblicher Führung, Technik, Marketing und Mitarbeiter-Schulung beraten den Kunden. Die mbp-Daueraufgabe: Aufspüren von Vertriebs-Talenten.

Erfolge des mbp bei der Vermittlung modernen DV-Know-hows meldet Richard Schaefer, Leiter der Abteilung Methoden und Standards. Die - betrachtet man ihr Alter - geradezu "verlauste" Methode der Entscheidungstabellentechnik sei insgesamt zwar immer noch die erfolgreichste und einstweilen auch nicht totzukriegen, doch sei sie inzwischen überholt worden von der Jackson Strukturierten Programmierung (JSP).

JSP, teilt Schaefer mit, soll bei den knapp 20 (IBM-bestückten) kommunalen Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz kommen.

Mathematisch-technischer Assistent

Seit September 1979 bildet der mbp im Auftrag einer Arbeitsgemeinschaft Kölner Unternehmen - darunter die Stadtsparkasse und mehrere Versicherungen mathematisch-technische Assistenten aus. Die Grundausbildung dauert sieben Monate, der gesamte Kurs zweieinhalb Jahre (mit Praktika). Ein ebensolches Projekt ist inzwischen auch in Frankfurt angelaufen; Hamburg, München und Stuttgart sollen folgen.

Unterrichtet werden Gruppen von minimal 16 und maximal 22 Teilnehmern, für die am Ausbildungsort Bildschirm-Terminals und eine (fast) beliebige Zentralrechner-Hardware bereitgestellt werden müssen. Wie Dr. Strunz versichert, steht bei dieser mbp-Aktivität nicht so sehr der Gedanke der Profitabilität als vielmehr die Idee der Verbreitung von Software-Engineeringmethoden im Vordergrund.