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01.10.1999 - 

Hat die Telekom einmal mehr das Nachsehen?

MCI Worldcom plant offenbar die Übernahme von Sprint

NEW YORK (IDG/CW) - Die US-Carrier MCI Worldcom und Sprint verhandeln angeblich über eine Fusion. Kommt der Merger zustande, würde dem US-Branchenprimus AT&T ein auch im Weltmarkt ernstzunehmender Wettbewerber entstehen. Auswirkungen hätte ein Zusammengehen beider Gesellschaften auch auf die Deutsche Telekom, die mit zehn Prozent an Sprint beteiligt und seit längerem ebenfalls an einer Übernahme der Amerikaner interessiert ist.

Offiziell gibt es bisher keine Stellungnahme beider Telefongesellschaften, doch seit einem Bericht des "Wall Street Journal" vom vergangenen Wochenende kursieren die Spekulationen. MCI Worldcom und Sprint verhandeln, so das Wirtschaftsblatt, über eine Fusion via Aktientausch. Demnach plant MCI Worldcom, das Ferngesprächsgeschäft von Sprint in den eigenen Konzern einzugliedern, während die Sprint-Mobilfunk-Tochter PCS zunächst als rechtlich eigenständiges Unternehmen weiterbestehen und auch separat an der Börse notiert bleiben soll. Sobald der Mobilfunkbereich, der momentan noch rote Zahlen schreibt, gewinnbringend arbeitet, soll auch er integriert werden, heißt es weiter.

Analysten bezifferten in ersten Schätzungen das mögliche Volumen dieses Mergers auf rund 90 Milliarden Dollar, wobei der Unternehmenswert von Sprint inklusive PCS mit knapp 40 Milliarden Dollar taxiert wird.

Neuer Carrier käme AT&T gefährlich nahe

Für den US-Markt hätte die Fusion der bisherigen Nummer zwei und Nummer drei unter den sogenannten Long-Distance-Carriern weitreichende Folgen. Beide Gesellschaften kommen zusammen auf einen Marktanteil von 37 Prozent. Damit lägen sie laut einer von der US-Aufsichtsbehörde Federal Communications Commission (FCC) 1998 veröffentlichten Statistik nur noch knapp hinter Branchenprimus AT&T, der bei Ferngesprächen das Feld der Anbieter mit 43 Prozent Marktanteil anführt. Erst weit abgeschlagen folgen dann Netzbetreiber wie Qwest und Teleglobe mit 2,3 beziehungsweise 1,9 Prozent Marktanteil.

Ob der Deal zustande kommt, hängt aber auch noch von der Zustimmung der Kartellbehörden ab. Allgemein wird damit gerechnet, daß sich MCI Worldcom zumindest von den Internet-Aktivitäten von Sprint trennen müßte, weil das Unternehmen hier bereits seit der Fusion zwischen MCI und Worldcom Ende 1997 eine zumindest in den USA marktbeherrschende Position innehat. Der seinerzeit schlagzeilenträchtige Coup von Worldcom-Chef Bernard Ebbers, der British Telecom (BT) im Übernahmepoker um MCI ausstach, ist übrigens nach Ansicht von Branchenkennern bis heute nicht verdaut. Immer wieder ist von technischen Pannen bei der Kundenabrechnung sowie von Schwierigkeiten im Großkundengeschäft die Rede. Viele Insider zweifeln deshalb, ob MCI Worldcom derzeit überhaupt in der Lage ist, die "Sprint-Assets" zu integrieren.

Unklar sind im Moment auch noch die Konsequenzen für die Deutsche Telekom. Der deutsche Ex-Monopolist ist wie France Télécom mit zehn Prozent an Sprint beteiligt. Immer wieder gab es nur halbherzig dementierte Gerüchte, Telekom-Chef Ron Sommer plane eine komplette Übernahme der Amerikaner - ein Ansinnen, das bis dato aber am Veto der Franzosen und an der zu knapp bemessenen Übernahmekasse der Bonner gescheitert ist. Kompliziert wird das Ganze noch durch die Verflechtung aller drei Carrier im internationalen Joint-venture Global One. Auch hier will Sommer seit Monaten reinen Tisch machen, sich vor allem vom ungeliebten Partner France Télécom trennen.

Erneut Spekulationen um die Zukunft von Global One

Ein finanziell äußerst attraktives Angebot der Deutschen zum Ausstieg aus Sprint und Global One lehnte France-Télécom-Chef Michel Bon Insidern zufolge jedoch bis heute ab. Ob indes MCI-Worldcom-Frontmann Ebbers, der selbst weitreichende internationale Aktivitäten in Europa und Asien in Gang gesetzt hat, langfristiges Interessse an Global One und einem Minderheitsgesellschafter Deutsche Telekom haben wird, darf bezweifelt werden. Für die Internationalisierungsstrategie des Bonner Carriers bedeutet es in jedem Fall nichts Gutes.