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17.04.1987 - 

Bei einer Marktöffnung geriete die deutsche Telecom-Branche unter Druck:

McKinsey-Rüge für Post und Amtsbaufirmen

Kernpunkt der von McKinsey betriebenen und der Regierungskommission bereits im Dezember letzten Jahres vorgelegten Ursachenanalyse zum Thema "Leistungsstand, Tarife und Innovationsförderung im Fernmeldewesen" ist die Feststellung, die jahrzehntelange Abschottung des deutschen Fernmeldemarktes gegenüber ausländischen Anbietern sowie die von der Bundespost zu weit getriebenen technischen Spezifikationen hätten bewirkt, daß viele Produkte der deutschen Telecom-Industrie nicht exportfähig seien.

Zwar habe sich die von der Post jahrzehntelang praktizierte Standardisierungs-Philosophie im Bereich Fernmeldetechnik bei langfristigen Netzplanungen, wie zum Beispiel im Hinblick auf die flächendeckende Einführung der ISDN-Technik, durchaus innovationsfördernd ausgewirkt. In den vergangenen Jahren habe sich dies mit dem Umbruch vom Telefon- zum Telekommunikations-Zeitalter als schwerwiegendes Innovationshemmnis erwiesen.

Die nach Meinung von McKinsey unzureichend an den Bedürfnissen und Wünschen der Kunden orientierte Beschaffungspolitik der Bundespost sei besonders innovationshemmend gewesen. Die enge Zusammenarbeit von Post und nationalen Herstellern auf einem für ausländische Anbieter geschlossenen Markt habe zwei Dinge zur Folge gehabt: Wesentliche Entwicklungsprozesse seien verzögert und ein Herstellerwettbewerb bei neuen Produkten sei verhindert worden. Als Beispiel führen die Düsseldorfer Berater die elektronische Vermittlungstechnik auf Analogbasis an, die in der Bundesrepublik rund zehn Jahre später als in den USA eingeführt worden sei.

Mit seiner Beschaffungspolitik habe der gelbe Riese der deutschen Fernmeldeindustrie nur vorübergehend einen "hochprofitablen Heimatmarkt" bei der elektromechanischen EMD-Vermittlungstechnik sichern können. Die späte Umrüstung auf analog-elektronische Vermittlungstechnik habe nicht nur Exporterfolge mit dieser technischen Zwischengeneration verhindert, sondern auch den Übergang zur Digitaltechnik verzögert und zum Verlust von Auslandsmärkten geführt.

Im Gegensatz zur deutschen Telecom-Branche, so stellen die McKinsey-Berater fest, agiere die US-Konkurrenz auf einem ungeschützten Markt und sei im Wettbewerbsumfeld gezwungen, exportträchtige modernste Technologie zu produzieren. Aus Sicht der hiesigen Anbieter erscheine es, zwar vorteilhaft, wenn insbesondere vom technischen Zulassungsverfahren der Post ein gewisser Schutz des Heimatmarktes ausgehe. Dem stünden andererseits aber erhebliche Wettbewerbsnachteile durch reduzierte Exportmöglichkeiten aufgrund der "nationalen Technik" sowie teilweise doppelte Entwicklungskosten gegenüber. Dies ist nach Meinung der Düsseldorfer immer dann besonders gravierend, wenn zur Amortisation extrem hoher Entwicklungskosten, wie beispielsweise für moderne digitale Nebenstellenanlagen, eine Orientierung an den Bedürfnissen des Weltmarktes unerläßlich ist.

Zwischen dem Innovationstempo in der Fernmeldeindustrie und der Wettbewerbsintensität im nationalen Fernmeldenetz bestehe eine unmittelbare Beziehung: So hätten die Tarifsenkungen in den Fernnetzen der USA, Großbritanniens und Japans die jeweiligen Netzbetreiber zu erheblichen Rationalisierungsanstrengungen veranlaßt. Profitiert hätten in diesen Ländern sowohl die Nutzer von Dienstleistungen als auch die Industrie, da auf diese Weise neue Technologien frühzeitig zur Kostensenkung eingesetzt wurden.

Besonders schwerwiegende Versäumnisse sehen die Unternehmensberater bei der Bundespost im Bereich Datenübertragung. Der hierzulande fehlende Netzwettbewerb habe zur Folge, daß viele Dienste wesentlich später als in den USA angeboten worden seien. Mit ihrer restriktiven Zulassung von Datenmodems für das Fernsprechnetz habe die Post über viele Jahre hinweg "mehr eine Politik der Bedarfsdeckung als der Bedarfsweckung" betrieben.

Die technischen "Superstandards" der Post werden von McKinsey generell als weitgehend innovationshemmend eingestuft. Vor allem dürfe der gelbe Riese nicht "Spieler und Schiedsrichter" in einer Person sein, indem er sich einerseits selbst als Anbieter von Endgeräten betätige und andererseits dafür die Zulassungskriterien festlege.

Ein weiteres Manko sei, daß es bei der Post keine scharf abgegrenzten Profit-Center gibt - mit der Folge, daß neue elektronische Dienstleistungen wenig aggressiv vermarktet würden, um offenbar der Gefahr einer "Kannibalisierung bestehender Dienste" wie Telex und Btx vorzubeugen.