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17.09.1999 - 

Warum Startups bei der Personalsuche keine Probleme haben

McKinsey und Co. auf die Plätze verweisen

MÜNCHEN (ag) - Erfolg ist berauschend und ansteckend. Haben Jungunternehmer erst einmal die Geldgeber von ihren Ideen überzeugt, finden sie schnell Mitstreiter. In den USA ziehen vor allem Startups im Internet-Umfeld immer mehr gestandene Manager an. Ein Trend, der sich auch in Deutschland abzuzeichnen beginnt.

Wofür etablierte Unternehmen mehrere Monate brauchen, hat sich Alexander Straub gerade einmal eine Woche gegönnt. Um seinen Jetlag konnte sich der 27jährige Deutsche nicht kümmern, als er am Montag und Dienstag in Manhattan loszog, um sich nach dem richtigen Platz für seine Niederlassung in den USA umzuschauen. Weil sein Startup nicht nur Büroräume, sondern vor allem Mitarbeiter braucht, verbrachte Straub die ersten Nächte damit, aus 400 Lebensläufen die richtigen Kandidaten für die Bewerbungsgespräche herauszulesen. Von Mittwoch bis Freitag führte er dann 40 Bewerbungsgespräche. Ein Marathon, der sich für ihn gelohnt hat, denn als er am Samstag in seine Maschine nach London stieg, hatte er acht neue Mitarbeiter gewonnen und Firmen wie McKinsey oder Deloitte Touche ein Schnippchen geschlagen.

Daß ein 27jähriger Ingenieur nach Oxford geht, um in Luft- und Raumfahrttechnik zu promovieren, dann aber dort mit Mondus.com eine auf Online-Handel spezialisierte Internet-Firma gründet, für die er binnen drei Monate 25 Millionen Mark Wagniskapital erhält, ist schon eine Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein. Daß es ihm in Zeiten von Personalmangel gelingt, binnen einer Woche renommierten Unternehmensberatungen Mitarbeiter wegzuschnappen, hört sich wie ein Märchen an. Ist es aber nicht. "New York ist im Internet-Rausch. Es gibt einen Run auf Startups, und Unternehmen wie McKinsey klagen über einen Aderlaß von ungeahntem Ausmaß", erzählt Straub.

Auch wenn Analysten in den USA noch nicht von einem Massenexodus sprechen wollen, registrieren sie doch einen Trend, der großen Unternehmen zu schaffen macht: 26 Jahre hat etwa Gary Moore für EDS gearbeitet, zuletzt als Chef der Abteilung Internet-Services, bevor er zu einem Startup in Silicon Valley wechselte. Die größere unternehmerische Freiheit in dynamischen Startups hat wohl drei Topmanager von Cambridge Technology Partners, darunter Unternehmensmitbegründer Jim Sims, gelockt, die in den vergangenen Monaten die Firma verließen.

Welche Anziehungskraft junge Internet-Firmen ausüben, dafür gibt es auch in Deutschland schon erste Beispiele.

Erst kürzlich hat sich der ge- schaßte Compaq-Chef Eckard Pfeiffer als Aufsichtsratsvorsitzender beim Hamburger Internet-Auktionshaus Ricardo.de in die Pflicht nehmen lassen. "Unser Geschäft ist so jung und schnellebig, daß es uns guttut, im Aufsichtsrat Leute zu haben, die über mehr Lebens- und Branchenerfahrung verfügen als wir", beschreibt Ricardo-Sprecher Matthias Quaritsch. Der väterliche Ratschlag von Pfeiffer ist bei den Hamburgern ausdrücklich erwünscht, die vor allem auf sein Know-how in Sachen Internationalisierung hoffen. In den vergangenen Monaten hat bei Ricardo übrigens eine ganze Reihe von Mitarbeitern angeheuert, die ihre sicheren Positionen bei Axel Springer oder im Silicon Valley aufgaben. "Wir brauchen viel mehr Menschen, die so ticken. Denn in Zukunft wird es den sicheren Arbeitsplatz mit dem goldenen Füller und der goldenen Krawattennadel nicht mehr geben", ist Ricardo-Vorstandsmitglied Stefan Glänzer überzeugt.

Daß sich gestandene Manager für Internet-Firmen begeistern, ist in den Augen von Magnus Graf Lambsdorff einfach zu erklären. "Hier können Führungskräfte, die es bei Siemens oder IBM zum Bereichsverantwortlichen gebracht haben, IT-Geschichte schreiben und der Mann der ersten Stunde sein", schildert der Hamburger Unternehmensberater von Egon Zehnder International. Aber nicht nur idealistische Motive locken erfahrene Führungskräfte zu Startups. "Wenn jemand eine erfolgreiche Karriere aufgibt, muß für ihn ein mittlerer Millionenbetrag aus dem Börsengang der neuen Firma herausspringen", stellt Lambsdorff ganz nüchtern fest. Seiner Ansicht nach verdienen so manche Aufsichtsräte, die sich in sechs oder sieben Startups engagierten, durch Aktienoptionen mehr Geld als zuvor.

Solche Aktienoptionen sind auch für die Berater von Egon Zehnder so viel wert, daß sie für Youngsters fast ohne Honorar arbeiten, wenn sie statt dessen am Unternehmen beteiligt werden. Unter dem Motto "Venture Engine" stehen die Consultants Existenzgründern beim Schreiben des Business-Plans, der Personalsuche oder der Kontaktaufnahme zu Venture-Capital-Gebern bei. Dabei hat Lambsdorff die Erfahrung gemacht, daß sich manche Gründer "schlagartig" verändern, sobald sie Wagniskapital bekommen haben: "Sie errechnen sich dann ihren Gesamtwert, hören weniger auf externen Rat und werden übermütig."

Alexander Straub schätzt den Wert seiner Internet-Firma nach dem Engagement der Venture-Capital-Firmen auf 120 Millionen Mark. Ein Zahl, die den 27jährigen natürlich freut, aber nicht achtlos werden läßt. "Schon bei den Bewerbungsgesprächen in New York habe ich gemerkt, daß die Konkurrenz nicht schläft und als Bewerber getarnte Spione geschickt hat." Zur Zeit hat Mondus.com bereits über 5000 Anbieter und Käufer in der Datenbank, obwohl der Service erst im September online geht. Dann hofft Straub, daß vor allem kleine und mittelständische Firmen seinen virtuellen Marktplatz für eine Ausschreibung nutzen, um per E-Mail schneller und günstiger an die verschiedenen Angebote zu kommen als auf herkömmlichem Weg.