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23.04.1976 - 

3 DV-Programm: 149 Millionen Mark für MDT- Hersteller:

MDT-Anlagen wächst Schlüsselrolle zu

MÜNCHEN - "Wir stehen in einem tödlichen Abwehrkampf gegen IBM mit ihren kleinen Systemen. Der Schlüssel, nach dem der Bundesminister für Forschung und Technologie seine Fördergelder verteilt, ist töricht und ungerecht. Es hat eine gigantische Fehlsteuerung der Fördermittel der letzten Jahre gegeben", beklagte sich Heinz Nixdorf, Vorstandsvorsitzender der Nixdorf-Computer AG, noch im letzen Herbst anläßlich einer Podiumsdiskussion auf der Systems '75 in München. Heinz Nixdorfs Kritik an den Bonner Maßnahmen zur Unterstützung der einheimischen DV-Industrie, von denen bisher hauptsächlich Siemens (mit CGK-Anhang) profitierte, war nicht umsonst. Im 3. Datenverarbeitungsprogramm der Bundesregierung, das kürzlich verabschiedet wurde (CW- Nr. 14 vom 2. 4. 1976), wird nämlich "Klein- und Kleinstrechnern sowie Endgeräten" - so heißt es in der Begründung des Programms - eine zentrale Bedeutung beigemessen, was sich auch in den bereitgestellten Fördergeldern ausdrückt: Von 1976 bis 1979 soll die Entwicklung kleiner Datenverarbeitungs-Systeme (einschließlich Prozeßrechner) mit insgesamt 149 Millionen Mark gefördert werden, die sich über die Jahre wie folgt verteilen: 1976 = 30,0 Mio., 1977 = 32.0 Mio.,

1978 = 38,0 Mio., und 1979 = 49,0 Mio.

Zum Vergleich: Für mittlere und große Datenverarbeitungs-Systeme (einschließlich Nahperipherie) stellt Bonn im selben Zeitraum 194 Millionen Mark bereit - über diesen Verteilschlüssel wird sich Heinz Nixdorf nicht beklagen können. Dazu muß man wissen, daß schon im Rahmen des 2.

DV-Programms 25 Kleincomputer-Projekte gefördert wurden (Tabelle 1).

In der Begründung zum 3. DV-Programm wird am Beispiel des Paderborner Herstellers - stellvertretend für die ganze MDT-Zunft - die Schlüsselrolle der Kleincomputer-Hersteller aufgezeigt: "Welche Bedeutung den Kleinrechner-Herstellern heute schon zugemessen werden muß, zeigt der Umsatz der Nixdorf AG, der ungefähr der Hälfte des Umsatzes der Siemens AG mit mittleren und größeren Rechnern entspricht." Eine Übersicht über deutsche Kleinrechner-Hersteller gibt Tabelle 2.

Das Bundesministerium für Forschung und Technologie stützt sich bei seinen Aussagen auf Zahlen des Arbeitskreises Mittlere Datentechnik, die im Oktober 1975 veröffentlicht wurden (CW-Nr. 41 vom 10. 10. 1976). Danach haben die im AMD vertretenen Firmen bis zum 31. März 1975 insgesamt 107 600 Anlagen ausgeliefert, davon 52 900 ins Ausland. Der Gesamtbestand setzt sich zusammen aus 58 300 MDT-Anlagen, 12 000 Terminal-Systemen und 37 300 elektronischen Fakturier- und Abrechnungs-Automaten. Der Installationswert per 31. März 1975 aller MDT-Computer, Terminals und Abrechnungssysteme der AMD- Gruppe lag bei über 5,3 Milliarden Mark.

Die "Vitaminspritze" aus dem 3. DV - Programm soll mit dazu beitragen, daß hierzulande in den nächsten Jahren Kleincomputer und intelligente Datenendgeräte entwickelt werden, die sich noch erfolgreicher vermarkten lassen. Die MDT-Branche rechnet damit, daß sich der Kleinrechnerbestand vom Jahre 1974 bis zum Jahre 1978 etwa verdoppeln wird. Das größte Stück vom Kuchen wollen die AMD-Hersteller untereinander aufteilen - wenn ihnen nicht IBM einen Strich durch die Rechnung macht. Denn seit gut einem Jahr ist der Marktführer bekanntlich mit dem System 32 auch im Kleinrechnergeschäft aktiv. Daß sich der Wettbewerb verschärft hat, verspüren besonders Nixdorf, Kienzle und Philips.

Bleibt zu fragen, ob Siemens weiterhin Kleinrechner -Abstinenz zeigen wird. Vorstellbar, daß der einzige deutsche Hersteller, der international im Großrechner-Geschäft ein Wörtchen mitredet, sich Fördergelder für die Entwicklung von "Micky-Mäusen" (Branchen-Jargon) nicht entgehen lassen will und irgendwann mit etwas "MDT- Ähnlichem" auf den Markt kommt.