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13.12.1991 - 

Marktstudie über kaufmännische Standardsoftware

MDT-Misere und Unix-Boom prägen das SW-Geschäft der 90er

13.12.1991

NEUNKIRCHEN (CW) - Nur drei bis fünf Anbieter von internationalem Format werden am deutschen Markt für kaufmännische Standardsoftware langfristig überleben, so die Prognose der Unternehmensberatung Kreutz & Partner GmbH in Neunkirchen. Die Consultants veröffentlichen zum 15. Januar 1992 eine detaillierte Marktstudie über kommerzielle Standardsoftware.

Vorab veröffentlichte Ergebnisse zeigen, daß die Walldorfer SAP AG - für Fachkreise wenig überraschend - den Markt für kommerzielle Großrechner-Standardsoftware mit rund 2500 installierten R/2-Paketen und einem Marktanteil von 27,3 Prozent klar dominiert. Der weiten Verbreitung ihres Personalwirtschaftssystems "Paisy" verdankt die in Bremen ansässige Unternehmensberatung Lammert mit 10,7 Prozent ihren zweiten Rang.

An dritter Stelle steht mit insgesamt 600 installierten Softwarepaketen auf Bull-Mainframes die Steeb (Bull) GmbH mit Sitz in Gevelsberg. Zu den ersten fünf gehören außerdem die Münchner Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG und Orga-Ratio, Nordhorn.

Die Prognose für Anbieter von Mainframe-Software muß den Anbietern zu denken geben: Abgesehen von der SAP AG, die ihren Kunden durch das derzeit in der Entwicklung befindliche R/3-Softwarepaket eine langfristige Perspektive bieten kann, werden laut Kreutz & Partner alle Software-Anbieter im Großrechnerumfeld Marktanteile verlieren. "Der Marktaustritt beziehungsweise der Aufkauf weiterer Mainframe-Softwarehersteller ist vorgezeichnet", prognostiziert die Unternehmensberatung.

Kein dominanter Player im AS/400-Bereich

Besser, wenn auch langfristig nicht optimal, sind die Aussichten von Software-Anbietern für mittlere IBM-Systeme. Gelten die vier kommerziellen Kernprogramme Finanz- und Anlagenbuchhaltung, Kostenrechnung und Personalwirtschaft als Maßstab, so hat im AS/400. Markt die Lüdinghausener Unternehmensberatung Robeck GmbH mit 5,5 Prozent der Marktanteile und 980 installierten Paketen die Nase vom. Mit einem fünfprozentigen Anteil rangiert die Hamburger GMO AG an zweiter Stelle vor der LUW Software GmbH in Essen (4,2), der Maintaler Lunzer & Partner GmbH (3,9) und der Steeb/CAS Informationstechnik GmbH in Abstatt (3,0).

Dieses Bild verändert sich, wenn weitere kommerzielle Softwarebereiche in die Erhebung mit einbezogen werden: Starke Präsenz in Bereichen wie Bestellwesen/Einkauf, Lagerwirtschaft, Vertrieb, PPS und Kalkulation machen dann Steeb/CAS zum Spitzenreiter. Die Reihenfolge würde jetzt GMO, Robeck, LUW und Lunzer & Partner lauten.

Im Unterschied zum Mainframe-Markt verzeichnen die Analysten im AS/400-Bereich eine starke Marktzersplitterung. Es gibt keinen dominierenden Player. Eine führende Rolle traut die Unternehmensberatung künftig Steeb/CAS und der GMO-Midrange-Organisation zu. Wird der AS/400-Markt durch die Ablösung veralteter MDT-Systeme traditioneller Anbieter kurzfristig noch einen Zuwachs erleben, so rechnen die Marktbeobachter langfristig mit der Erschöpfung dieses Geschäftes. Der "Ablössedruck des Unix-Marktes" werde hier die reinen AS/400-Softwarehäuser unter Druck bringen.

Kreutz & Partner hat den AS/400-Markt als eigenständigen Bereich untersucht und dabei die. Vorgängersysteme /36 und /38 einbezogen.

Unter Ausschluß der mittleren IBM-Syteme haben die Analysten den Markt für mittlere Datentechnik (MDT) bewertet. Diesen Weg wählten die Analysten, so Berater Lothar Bading, weil die AS/400 selbst gegenwärtig noch als Ablösesystem, für MDT-Recher anderer Hersteller gekauft werde und damit auf einem anderen Level stünde.

Den so definierten MDT-Markt dominiert Siemens-Nixdorf klar mit den zahlreich Comet-Installationen, die alle einen Marktanteil von 33 Prozent beanspruchen. Eine starke Position hat auch die Digital-Kienzle Computersysteme GmbH & Co. KG in Villingen-Schwenningen mit ihren mehr als 9200 "Carat"-Softwarepaketen inne. Immerhin 16 Prozent des Marktes kann die in Konstanz ansässige Itos Computer GmbH, ehemals CTM, mit 5620 installierten "Planos"-Paketen einnehmen.

MDT-Markt ist kein Wochatumsmarkt

An vierter Stelle liegt Philips/ISB, Siegen-Weidenau, mit Hoch immer 3070 installierten Paketen der Software "Phidas", die heute nicht mehr vermerktet wird. Einen Marktanteil von rund zwei Prozent verbucht die Frankfurter MAI Deutschland GmbH für sich, mit etwa 700 abgesetzten Softwarepaketen.

Dem deutschen Mittelstand kaufmännische Standardsoftware anzubieten, ist eine laut Kreutz & Partner empfehlenswerte Strategie: Der MDT-Markt sei kein Wachstumsmarkt mehr, sondern - im Gegenteil - ein "totaler Ablösemarkt". Chancen dürfen sich hier die Anbieter von Unix-Systemen ausrechnen, doch auch die AS/400 stößt gegenwärtig noch auf Interesse in diesem Anwenderkreis.

Alle im MDT-Bereich vertretenen Hardware-Anbieter stellen ihre kaufmännische Standardsoftware gegenwärtig und wohl auch in naher Zukunft ausschließlich auf eigenen Rechnern zur Verfügung. Die Standardsoftware dient nach Einschätzung der Berater noch immer als Vehikel, um die eigene Hardware zu vermerkten. Auch die Unix-Portierung dieser Produkte betrifft gegenwärtig nur die eigenen Derivate der Hersteller.

Das Urteil von Kreutz & Partner über die Qualität der verfügbaren Software für den MDT-Markt ist vernichtend: "Alle angebotenen Produkte dieser Anbietergruppe sind in einem inkonsequenten, beziehungsweise veralteten softwaretechnologischen Zustand, der stark nachbesserungsbedürftig ist." Da eine Software-Neuentwicklung für die entsprechende proprietäre Hardware nicht zu erwarten sei, müsse mit der kurz- oder langfristigen Ausmusterung oder Auslagerung der Produkte und Entwicklungsbereiche gerechnet werden.

Nach Meinung der Analysten nehmen die MDT-Hardwarehersteller mit einem Angebot an kaufmännischer Software langfristig keine führende Rolle mehr im Standardsoftware-Markt ein. Dies gelte solange, wie sich diese Unternehmen als Hardwarehersteller und nicht als stückzahlorientierte Standardsoftware-Anbieter verstünden. Die widersprüchliche Interessenlage verhindert eine erfolgversprechende Marketing-Strategie und gereicht hardware-unabhängigen Anbietern von Standardsoftware zum Nutzen.

Kommerzielle Software unter Unix bieten derzeit solche Unternehmen am erfolgreichsten an, die den Trend frühzeitig erkannt und ihre proprietäre Standardsoftware auf verschiedene Unix-Umgebungen portiert haben. Marktführer ist hier Philips/ISB mit über 4000 installierten Paketen der Software "Varial plus" und einem Marktanteil von 20 Prozent. Aus dem Wang-Umfeld kommt das Angebot der Ver(..)ner Adata Software GmbH, die mit ihren 3390 installierten "Pair"-Paketen immerhin 17 Prozent der Marktanteile hält. Mit Anteilen von neun, sieben und fünf Prozent folgen die NCR, TA/Olivetti und Orga-Soft GmbH, Mainz.

Im Mittelstandsmarkt entwickeln sich nach Angaben der Analysten Unix-Rechner zu den wichtigsten Plattformen, nicht zuletzt deswegen, weil die meisten Anwender proprietärer MDT-Systeme über kurz oder lang auf Unix umsteigen werden. Neben dem PC-Softwarebereich ist laut Kreutz & Partner der Unix-Softwaremarkt das am schnellsten wachsende Segment des gesamten Marktes.

"Insgesamt ist erkennbar, daß das Unix-Betriebssystem mittel- und langfristig die entscheidende Rolle im gesamten EDV-Markt einnehmen wird", sagen die Marktbeobachter vorher. Nicht nur auf Workstations und High-end-PCs, sondern auch dort, wo der Mainframe als zentraler Datenserver genutzt werde, stehe Unix eine positive Marktentwicklung bevor. Wer kaufmännische Standardsoftware erfolgreich vermerkten will, wird nach Einschätzung der Marktkenner in jedem Fall auf die Unix-Plattform setzen.

Große Anbieter haben diesen Trend erkannt: Unternehmen wie SAP, Siemens-Nixdorf und Digital-Kienzle haben längst eine kaufmännische Standardsoftware für Unix-Systeme in der Pipeline und werden wohl schon in den nächsten Jahren die ersten Produkte auf den Markt bringen.

Klarer ist die Ausgangslage am PC- und PC-Netzwerk-Markt, wo es mit der KHK Software AG, Frankfurt, einen dominierenden Anbieter gibt. Seinen Marktanteil von mehr als 40 Prozent und Installationszahlen von über 60 000 Paketen verdankt das Unternehmen seine Dominanz in den Bereichen Finanzbuchhaltung, Personalverwaltung und Auftragsbearbeitung. Den Bereich Auftragsbearbeitung haben Kreutz & Partner bei den PCs zusätzlich zu dein -vier Kernbereichen berücksichtigt.

Sämtliche von IBM in Lizenz vertriebenen Standardsoftware-Programme - insgesamt 19 500 - ergeben einen Marktanteil von 13 Prozent und liegen damit auf Rang zwei. Zu den Top five zählen außerdem die Taylorix AG in Stuttgart, die in Mönchengladbach ansässige Holland Automation International GmbH und das Softwarebüro Hans-Günther Szymaniak in Bremen. Aufgrund ihrer differenzierten Marketing- und Neuentwicklungsstrategie und ihres Fachhändlerpotentials wird die KHK AG im PC-Bereich auch in Zukunft eine dominierende Stellung Behalten. Allerdings werden Anbieter aus dem Unix- und dem traditionellen MDT-Markt für verschärfte Wettbewerbsbedingungen sorgen.