Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Zeitungsinterview mit Pieter Haas

Media-Saturn-Chef verrät seine Zukunftsstrategie

Dr. Matthias Hell ist Experte in Sachen E-Commerce und Retail sowie ein Buchautor. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in renommierten Handelsmagazinen und E-Commerce-Blogs. Zuletzt erschien seine Buchveröffentlichung "Local Heroes 2.0 – Neues von den digitalen Vorreitern im Einzelhandel".
Als stellvertretender Vorsitzender leitet Pieter Haas seit dem Rücktritt von CEO Horst Norberg die Geschäftsführung von Media-Saturn. In einem Zeitungsinterview erklärte der Manager nun, wie er den Elektronikriesen für die Herausforderungen im Handel fit machen will.

Die Position von Pieter Haas an der Unternehmensspitze von Media-Saturn ist prekär: Zwar hat der Mehrheitsgesellschafter Metro durchgesetzt, dass der Niederländer seit dem Abgang von CEO Horst Norberg als stellvertretender Vorsitzender die Geschäftsführung leitet, doch wird Haas genau aus diesem Grund von Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals vehement abgelehnt, der auf seiner Homepage selbst nach einem neuen CEO für Media-Saturn sucht. In einem Interview mit dem Donaukurier macht Pieter Haas nun aber deutlich, dass er sich durch den Widerstand von Kellerhals nicht aus dem Konzept bringen lässt: Auch wenn er nicht die Position des neuen CEO von Media-Saturn einnehmen könne, werde er dennoch weiter für den Retailer verantwortlich sein – dann eben wieder in seine alten Rolle als Metro-Vorstand, der für Media-Saturn zuständig ist.

Will, dass sich die Elektronikkette von den Schnäppchenjäger-Instinkten verabschiedet: Der 51-jährige Pieter Haas kam über die niederländische Landesgesellschaft an die Spitze von Media-Saturn
Will, dass sich die Elektronikkette von den Schnäppchenjäger-Instinkten verabschiedet: Der 51-jährige Pieter Haas kam über die niederländische Landesgesellschaft an die Spitze von Media-Saturn
Foto: Media-Saturn

Vor diesem Hintergrund ist es umso aufschlussreicher, wie sich Haas die Zukunft des Elektronikriesen vorstellt: Auch wenn sich Media-Saturn mit seinen "Preisinvestitionen" massiv darum bemüht, mit der Online-Konkurrenz wettbewerbsfähig zu bleiben, scheint für den amtierenden Unternehmenschef klar zu sein, dass der Retailer nicht mehr ausschließlich mit einer Billigstrategie bei den Kunden überzeugen kann. Media-Saturn habe zwar wieder ein sehr attraktives Preisniveau, doch das reiche nicht, erklärte Haas gegenüber dem Donaukurier. Um bei den Kunden zu punkten, müsse das Unternehmen mehr Service bieten, wie zum Beispiel Geräte nach Hause zu liefern und zu installieren. "Das sind Dienstleistungen, die wir seit Jahren anbieten, die aber bislang nur wenige registriert haben", so Haas.

Der Manager tritt dafür ein, dass sich die Elektronikkette von den Schnäppchenjäger-Instinkten verabschiedet, die lange als Markenzeichen von Media Markt und Saturn galten: "Früher war es richtig, alles auf Paletten zu stellen und auf billig zu machen – doch das hat sich geändert." Künftig werde man für die große Anzahl an Click & Collect-Kunden Abhol-Lounges einrichten, in denen diese einen Kaffee trinken könnten, während sie auf Ihre Ware warteten. In dieser Zeit könnten sich die Kunden von Mitarbeitern beraten lassen, welches Zubehör sie noch brauchten. Zudem sollen in den Märkten die Mitarbeiter mit Tablets ausgestattet werden, damit sie den Kunden sofort helfen könnten, etwa wenn ein Produkt nicht auf Lager sei.

Testlauf für neue Markt-Formate

Entfernt sich Media-Saturn tatsächlich vom Konzept des stationär ausgerichteten Elektronik-Discounters, so würde das mittelfristig auch die Ladenformate des Retailers verändern. Mit Experimenten in einzelnen Landesgesellschaften will sich Haas bereits auf diese Entwicklung vorbereiten. Gegenüber dem Donaukurier führt der gebürtige Niederländer dabei auf der einen Seite Formate wie das minimalistische Elektronik-Outlet "Media-Depot" in Ungarn an, auf der anderen Seite aber auch die auf 500 bis 800 Quadratmetern geschrumpften "Saturn-Connect"-Läden in den Niederlanden mit einem Schwerpunkt auf trendigen mobilen Geräten. Media-Saturn müsse sich anpassen und zu einem "Multi-Format-Unternehmen" werden, so Haas in den Interview.

Dazu zählt für Haas auch Flexibilität bei der stationären Zwei-Marken-Strategie von Media Markt und Saturn. Während das Unternehmen früher klar das Ziel gehabt habe, mit allen Marken in alle Länder zu gehen, sei diese Strategie nun überholt. "Wenn in einem Land der Media-Markt auf Platz eins liegt und Saturn auf Platz acht, dann muss man hinterfragen, ob das noch Sinn macht", so Haas. In so einem Fall müsse man die Marke zurückziehen, das sei ein notwendiger Prozess.

Auch Haas bekräftigt dezentrale Aufstellung

Entgegen den Vorwürfen von Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals bekräftigt Pieter Haas in dem Interview die Relevanz der dezentralen Unternehmensaufstellung des Retailers: Die Beteiligung der Marktgeschäftsführer sei eine "Ur-Stärke von Media-Saturn". Deshalb habe man die Marktleiter auch mit zehn Prozent an der Online-Gesellschaft und damit am Erfolg des Internethandels beteiligt. Zudem würden Einkäufe, die online getätigt, aber stationär abgeholt würden, dem jeweiligen Markt gutgeschrieben. Haas sieht in dieser Organisationsweise eine Grundvoraussetzung, um bei den Marktgeschäftsführern ein möglichst großes Interesse daran zu wecken, die Kunden auch über das Internet in die Märkte zu holen.

In dem Gespräch mit dem Donaukurier äußert sich Haas zudem am Rande zu den aktuellen Entlassungen in der Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt. Bei den Stellenstreichungen gehe es nicht um schnelle Kosteneinsparungen, sondern um eine notwendige Anpassung der internen Strukturen an eine veränderte Marktsituation. "Das ist nicht der Anfang vom Ende, sondern der Anfang vom Neuanfang", so Haas. (mh)