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15.02.1991

Medienbrüche vermeiden und Zusatzfunktionen gewinnen

Faxen ist zum Volkssport geworden. Über 700 000 Teilnehmer haben hierzulande einen offiziellen Anschluß, in den USA sind es bereits 4,5 Millionen. Der Markt ist gewaltig. Über drei Milliarden US Dollar sollen nach Schätzungen 1990 allein in Europa umgesetzt worden sein. Wenngleich sich eine Sättigung am Horizont abzeichnet, liegen die aktuellen Steigerungsraten weit über denen anderer Telekom-Dienste. 66 Prozent waren es im letzten Jahr in Deutschland im Vergleich zu immer noch guten 33 Prozent bei Bildschirmtext.

Im Prinzip ist die "Faksimile"-Technik ein alter Hut. Wenn auch die offizielle Einführung des Dienstes in der Bundesrepublik erst 1979 erfolgte, ist die elektronische Bildübertragung schon seit Anfang des Jahrhunderts bekannt (siehe Seite 48 "Fax-Entwicklung"). Bei der Übertragung von Wetterkarten oder Steckbriefen ist der Einsatz dieser Bildübertragung seit langem gang und gäbe. Da stellt sich dem Betrachter zunächst die Frage, warum die Ausbreitung des Mediums so lange auf sich warten ließ und dieser nie gekannte Boom plötzlich einsetzte.

Frage eins ist leicht zu beantworten: Wer 1979 ein Fax versenden wollte, konnte sich getrost ein gutes Buch zur Hand nehmen, während er auf die Übertragung wartete. Zu den unendlichen Übertragungszeiten gesellten sich eine unbefriedigende Qualität und hohe Anschaffungskosten. Den entscheidenden Fortschritt brachten erst die Geräte der Gruppe 3, die Mitte der achtziger Jahre mit deutlich höherer Geschwindigkeit und rapide sinkenden Preisen die Käufer anzogen. Hinzu kommt die berühmte kritische Schwelle, nach deren Überschreitung ein Medium zum Selbstläufer wird: Wenn alle faxen, wird die Anschaffung zum Zwang, um der Isolation zu entgehen.

Trend zu höherwertigen technischen Lösungen

Bei allen erfreulichen Voraussetzungen beginnen sich die Aussichten für die vorwiegend japanischen Gerätehersteller langsam zu trüben. Neben einer absehbaren Sättigung des Marktes bei den Neuanschlüssen sind vor allem zwei Trends dafür maßgebend. Nach Erkenntnissen des Marktforschungs-Unternehmens IRD zeichnet sich am amerikanischen Markt eine Hinwendung zu höherwertigeren technischen Lösungen wie etwa Laser-Faxmaschinen oder Kombinationen aus PC-Druckern, Kopierern und Faxmaschinen ab. Die zweite Neuerung geht von den inzwischen zur Serienreife gekommenen PC-Faxkarten aus.

Der ursprüngliche Erfolgsfaktor für den Telefaxdienst - nämlich die Vorzüge der elektrischen Signalübertragung mit denen des Papiers als konventionellem Datenspeicher zu verknüpfen, hat mit der Durchdringung der Büros durch den PC eine neue Dimension erhalten. Texte werden heute zum überwiegenden Teil auf PCs erzeugt, bei der Grafik verläuft eine ähnliche Entwicklung. Der Ausdruck von Dokumenten erfolgt im wesentlichen zur Weiterleitung an interne und externe Partner. Innerhalb von Unternehmen wird durch die Installation von LANs bereits die Voraussetzung geschaffen, Nachrichten auf elektronischem Wege zu übermitteln. In der externen Kommunikation übernehmen vorrangig die Telekommunikations-Dienste diese Funktion. Der Wunsch nach einem unmittelbaren Versand eines Faxdokumentes direkt aus dem PC ist eine zwangsläufige Folge.

Seit ihrer Vorstellung vor zwei Jahren erfreuen sich PC-Faxlösungen einer rasanten Steigerung der Nachfrage. Neben dem Handling-Vorteil spielt die Mehrfachnutzung der vorhandenen Hardware eine immer bedeutsamere Rolle. Die Zuwachsraten klingen geradezu euphorisch. Für 1990 wird von einer Steigerung um 85 Prozent ausgegangen. 1992 sollen in Europa schon 200 000 PCs das Tor zur Faxwelt geöffnet haben. Dabei tat man sich von offizieller Seite zunächst schwer, der neuen Technik freien Lauf zu lassen. Die strengen Anforderungen an ein "Klasse-A"-Faxgerät - vorrangig die ständige Empfangsbereitschaft und der unmittelbare Ausdruck eingehender Dokumente - waren von den PC-Lösungen kaum beziehungsweise nur teuer zu erfüllen.

Das Wirrwarr hat sich nicht gelichtet

Erst mit der Einführung der Klassen A, B und C im Telefaxdienst haben auch die PC-Faxe die Segnung der DBP-Telekom erhalten. Im Gegensatz zur Klasse A, die eine Einhaltung der Telematik-Protokolle sowie die Ausstattung mit einer Vielzahl von Basismerkmalen vorschreibt, unterliegen Endgeräte, die eine Zulassung nach Klasse B anstreben, nur einer eingeschränkten Zahl von Forderungen. Garantierter 24-Stundenbetrieb und der sofortige Ausdruck der eingehenden Faxdokumente ist in dieser Klasse nicht vorgeschrieben. In der Klasse C schließlich finden sich Geräte, deren Anschluß an das Telefonnetz zwar erlaubt ist, deren problemlose Funktionsweise aber durch die Post nicht überprüft wurde. Besitzer solcher Geräte habe keinen Anspruch auf den Eintrag in das amtliche Faxverzeichnis.

Für den Kaufinteressenten hat sich dadurch das Wirrwarr allerdings nicht gerade gelichtet. Neben der Entscheidung zwischen dediziertem Faxgerät, nur PC-Faxkarte oder Kombination aus Karte und Billig-Fax steht er heute vor der Wahl zwischen einer Vielzahl angebotener Kartenlösungen, die sich durch eine ebenso große Vielfalt von Leistungsmerkmalen auszeichnen. Und es ist Vorsicht geraten, um nicht nach einer schnellen Investition mit einem Produkt dazustehen, das sich für die eigenen Zwecke überhaupt nicht eignet. Der Faxkarten-Interessent sollte sich die Features der möglichen Kandidaten sehr genau ansehen und mit den eigenen Erfordernissen vergleichen.

Auch wenn die Technik an sich noch sehr jung ist, kann man heute bereits von einer zweiten Generation von Kartenlösungen sprechen, die in Ausstattung und Handling die Angebote vieler Erstlinge bei weitem übertreffen. Nach wie vor hat allerdings die Feststellung Gültigkeit, daß PC-Fax etwas mehr Aufmerksamkeit erfordert, als die vom Schwierigkeitsgrad nicht mehr zu unterbietende dedizierte Faxmaschine. Grundsätzlich läßt sich sagen, daß in der professionellen Anwendung eine Kombination aus Billig-Fax und PC-Lösung noch immer ratsam erscheint. Der Kostenvorteil stellt sich bereits hier ein: Um die gleichen Leistungsmerkmale, die eine Kombination aus einer Faxkarte für vielleicht 1250 Mark und einem Billig-Fax für 1000 Mark bietet, mit einem Telefax-Gerät zu erreichen, muß man hier sicherlich schon 8000 Mark anlegen. Dafür vermeidet man bei der Kombinationslösung Medienbrüche und gewinnt Zusatzfunktionen, die ein Faxgerät nicht bieten kann. Der Teilnehmer bleibt trotzdem ständig erreichbar und kann, wenn es denn nötig ist, auch seine handschriftlichen Notizen durch das Netz schicken.

Im Mittelpunkt der Kaufentscheidung sollten immer die jeweiligen Erfordernisse stehen. Es gibt allerdings eine Reihe von Anforderungen, die man an ein Produkt auf jeden Fall stellen sollte. Auf technischer Seite zählt hier vorrangig die Zulassung durch die Bundespost. Und dabei sollte es eine Klasse-B-Zulassung schon sein, die eine Einhaltung der Mindestnormen garantiert. Das günstigste Angebot nutzt wenig, wenn Verbindungen nicht zustande kommen, beziehungsweise statt lesbarem Text nur ein undefinierbares Zeichenwirrwarr auf dem Drucker erscheint. Als Übertragungsgeschwindigkeit muß man 9600 Band heute fordern. Auch hier bietet die Klasse-B-Zulassung die Gewähr, daß die Partnerschaft mit anderen Geräten auch klappt. Zusätzlich sollte die dynamische Anpassung an die Übertragungsraten des Partnergerät es garantiert sein. Ein automatisches Fall-back, das heißt die Reduktion der Übertragungsgeschwindigkeit bei schlechter Leitungsqualität, kann durchaus ein zusätzlicher Pluspunkt sein.

Eine durchaus kontroverse Diskussion wird bei PC-Faxkarten hinsichtlich der Frage geführt, ob ein eigener Prozessor für eine gute Performance zwingend erforderlich ist. Vielfach wird behauptet, daß Hintergrundfähigkeit, gute Performance und geringer Speicherverbrauch nur mit eigener Intelligenz zu erreichen sind. Dem kann nur widersprochen werden.

Alle drei Forderungen sind durch entsprechend intelligente Software auch ohne eigenen Prozessor zu lösen. Der RAM-Bedarf von Faxsoftware ist bei prozessorlosen Karten sehr unterschiedlich und schwankt zwischen 55 KB bis über 150 KB. Mit 5,5 KB ist man allerdings im Vergleich zu etwa 30 KB bei einer wesentlich teureren Prozessorkarte gut bedient - und das bei sonst identischen Leistungsmerkmalen.

Die Hintergrundfähigkeit - ein in der Praxis dringend zu empfehlendes Feature, um nicht ständig durch eingehende Fax-Direktwerbungen bei der Arbeit unterbrochen zu werden - ist auch mit Karten ohne Intelligenz zu realisieren. Wenn überhaupt ein Argument zwingend für den Einsatz einer Prozessorkarte spricht, so ist es die Notwendigkeit, mehrere Kanäle gleichzeitig zu verarbeiten. Für die breite Nachfrage ist diese Fähigkeit allerdings nicht von

Bedeutung.

Ein zentrales Thema auch beim PC-Fax: Welche Schnittstellen, welche Standards werden unterstützt? Dabei ist die Frage ISA- oder MCA-Bus noch die am einfachsten zu beantwortende. Der exklusivste Anspruch ist dagegen wohl heute der Wunsch nach Postscript auch beim PC-Fax. Der Durchschnittsanwender sollte solche Träume besser vergessen, zumal das Angebot bisher nur aus einem - amerikanischen - Produkt besteht. Gute Programme bieten auch zu einem vernünftigen Preis mehrere und gute Fonts.

Die angebotenen Konvertierungsmöglichkeiten bilden das wohl heikelste Thema für PC-Faxprodukte. Und tatsächlich befinden sich Lösungen am Markt, die man nicht anders als schlecht bezeichnen kann. Die Forderung der Anwender für die Zukunft muß hier sein, daß für die Standardtextprogramme wie Word, Wordperfect etc. entsprechende Textkonverter zur Verfügung gestellt werden. Gegenwärtig muß sich der Anwender allerdings weitgehend mit ASCII-orientierten Lösungen begnügen. In bezug auf die Grafik dürfte die Unterstützung von PCX- und TIFF-Formaten durchaus ausreichen.

Textprogramme, Grafikprogramme und Faxsoftware sind nicht ursprünglich füreinander gemacht. Um eine befriedigende Lösung des Dokumentenversandes zu einem vertretbaren Preis zu erreichen, muß deshalb sorgfältig über die möglichen Wege ihres Zusammenwirkens nachgedacht werden. Die Übernahme der Druckdaten eines Anwendungsprogrammes als Basis für das Faxdokument ist eine gängige und zufriedenstellende Methode. Aber auch hierbei gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten, nämlich entweder den Umweg über eine Datei zu machen oder aber die Druckerdaten "on the fly" abzufangen. Die erste Methode wird zwar von den meisten angebotenen Lösungen verwandt, birgt allerdings einige Nachteile. Sie wird nicht durch alle Textverarbeitungsprogramme unterstützt, bedeutet einen Bedienungsumweg und führt zwangsläufig zu einem Friedhof überflüssiger Dateien. Die Druckerkonvertierung "on the fly" funktioniert dagegen mit allen Programmen und kann vor allem im Hintergrund ablaufen.

Auf Anwendungsebene gibt es zwei Bereiche, die der Interessent berücksichtigen sollte Handling und Komfort. Bezüglich der Bedieneroberfläche sind die Forderungen klar: Maus, Fenstertechnik und ein selbsterklärendes Desktop sind Schlagworte, auf die Software heute eine Antwort geben muß. Ob Windows oder DOS - wichtig ist letztendlich eine ergonomische Bedienerführung.

Komfortmerkmale beim PC-Faxen gibt es viele. Hier muß der Anwender wählen, was er braucht. Zeitversetztes Senden oder Rundbriefversand, Adreßbuch mit Suchfunktionen und Selektionsmöglichkeiten sowie einstellbare automatische Wahlwiederholung gehören schon fast zum Standard. Die Möglichkeit zur Hot-key-Umschaltung zwischen Fax- und Textprogramm mit Swapping-Technik zählt dagegen zu den in der Praxis zwar wünschenswerten, aber leider nicht häufig anzutreffenden Features. Letztlich gilt hier wie überall sonst: Das Preis-Leistungs-Verhältnis muß stimmen.