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27.11.1992

Medienvielfalt auf dem PC beendet TV- und Videoeinfalt

27.11.1992

Fritz Jörn, Diplomingenieur und freier Journalist in Frankfurt/Main

Der PC hat schon manchen das Fürchten gelehrt. Zuerst beklagten sich die Großrechner-Anbieter, die wie alle Großen meinten, ohne sie gehe es nicht. Jetzt LANt es allerorten, und aus dem Jumbo ist ein simpler Server geworden. Workstations profitieren von bequemen Betriebssystemen. DTP ist längst eine Domäne leistungsfähiger PCs, nicht nur solcher von Apple. Der PC siegt, die Preise purzeln, warum also nicht mehr daraus machen als Tabellen, Schriften, Satz und Type? Jetzt sind die bewegten Bilder an der Reihe, von guten Tönen ganz zu schweigen.

Wir haben das zum ersten Mal eindrucksvoll auf der letzten CeBIT gesehen: Überall liefen Bilder, daß man meinen konnte, in der Funkausstellung zu sein. Und Musik gab's auch, sogar vom Apple über Midi, Steinway-Klänge aus dem Speicher. Wo früher Workstations einsam und stumm ihre Fraktale pinselten, da quoll jetzt die Welt der Bilder und Töne aus allen Röhren.

Am Intel-Stand erlebte ich die Begeisterung des Publikums. Der Mensch ist eben ein Guckwesen. Schüler erkundigten sich nach der Pixelzahl, Fachleute nach dem Production-Level-Videostandard PLV und dem Algorithmus der Motion Picture Expert Group (MPEG), der nicht nur Redundanz im Einzelbild, sondern auch Veränderungen von einem Bild zum nächsten berücksichtigt und so fast 200fach auf 115 Kbit/s komprimiert, und Familienväter fragten, ob sie ihren neuen Camcorder da auch anschließen könnten. Was früher die Leukoplastumklebten Glasrähmchen für Heimdias waren, wird morgen der PC sein, angeschlossen an den Wohnzimmerfernseher und das Telefon, ob's die Post nun erlaubt oder nicht.

Außerdem werden professionelle Anwender ohne viel Reklame - von der bloß konsumierenden Öffentlichkeit wenig bemerkt - Multimedia nutzen, so wie heute Popmusik in PCs komponiert und zum Teil gleich fertig gemacht wird, Bilder für Prospekte eingescannt und manipuliert oder Videos bildgenau geschnitten werden. Selbst abendfüllende Filme werden ganz im Inneren von Computern produziert, etwa "Taxandria" mit bewegten Menschen vor phantastischen Bildern nach Paul Delvaux. Der Vorteil fürs Bild: Einmal digitalisiert, gibt es keine Kopierverluste mehr, Bild auf Bild wird nicht immer verwaschener, sondern bleibt stets gleich gut. Die ewige Jugend für Bilder, wie wir das von Digitaldaten automatisch erwarten. Der Vorteil für die Branche: Digitalisierung benötigt Speicherplatz, Verdichtung Rechenleistung.

Manche Riesen aber werden durch Multimedia-Entwicklungen das Gruseln bekommen, so zum Beispiel die Telefonbau-Spezialisten. Bildtelefone, mühsam über zwei ISDN-Leitungen angestrippt und allen Ernstes für den Endverbraucherpreis von 43 890 Mark angeboten, werden im Deutschen Museum stehen, zusammen mit all den anderen Bildfernsprechern, die die Fernmelder seit der Einführung des ersten deutschen "Fernsprech-Sehdienstes" am 1. März 1936 zusammenbastelten. Weil dem normalen Telefon die Bandbreite für Bilder fehlt, wird der Sondermarkt Telefon demnächst computergeschluckt.

Zum Kommunizieren werden moderne Multi-PCs erst recht nicht ISDN-Telefonnebenstellen-Anlagen nehmen, sondern wie heute schon schnelle LANs und WANs. Ich habe noch keinen gefunden, der seinen Drucker über das sogenanntes diensteintegrierende digitale Netz ("alles über eine Leitung") unter Verbrauch eines "Erlang" an den PC anschließt.

Statt dessen legt man eine Koaxleitung, wie uns das die Kabelfernseh-Techniker vorgemacht haben, und sonst eben eine Glasfaser. Und über diese für Fernmelder eher ätherischen Netze laufen so viele Daten, daß multimediale Bilder auch noch Platz finden.

Wenn in Zukunft oben an meinem Bildschirm nicht ein Mainzelmännchen klebt, sondern eine Sony-Linse, und mich aus dem Fenster eine bewegte Kommunikationspartnerin anschaut, dann ist das Multimedia. Ich kann die Dame dann vergrößern oder durch Verkleinern optisch schärfer machen, abspeichern, in meinen multimedialen Videoclip einhängen. Man kann all das, was heutzutage einer mit Desktop Publishing Schönes macht, dann aber in bewegter Farbe und tönend gestalten: sichtbare Betriebsanleitungen, Kochrezepte, Kinderfilme, Knobelspiele, Adventures und ganz ernste Nachrichten im Firmennetz über Umsatzrückgänge von Fernsehern ohne Multisync-Anschluß. Denn PC-Multimedia sind da, nagen schon an den Bilderwelten der Televisoren und Videoinseln, der Fernmelder und Hi-Fi-Türme. Es wird noch bunter und tönender werden! Rock'n RAM!