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10.07.1998 - 

Telekom hat im weltweiten ADSL-Rennen die Nase vorn

Megabit-Pipeline T-DSL ergänzt die ISDN-Telefonie

Die im Zuge der TK-Marktliberalisierung zum Fortschrittsverhinderer abgestempelte Telekom blickt dieser Tage wieder hoch erhobenen Hauptes in die Zukunft. Seitdem am 16. Juni für ein breit angelegtes ADSL-Pilotprojekt in Nordrhein-Westfalen (NRW) der Startschuß fiel, hat der Bonner Carrier nach eigener Darstellung in Sachen breitbandiger Übertragungstechnologie "in der internationalen TK-Branche die Nase ganz vorn". Stolz betont Telekom-Vorstandsmitglied Gerd Tenzer, daß sein Haus weiter sei als das vielgepriesene DSL-Wunderland USA, wo man das Pilotstadium noch nicht hinter sich gelassen habe.

Ein Vorsprung, den der Carrier wohl hauptsächlich dem ISDN-Massenmarkt in Deutschland verdankt. Aufgrund der hochwertigen ISDN-Infrastruktur bereitet die ADSL-Einführung, so die Telekom, hierzulande weniger Schwierigkeiten als in den USA. Deshalb ist das in den USA heiß diskutierte Universal ADSL - auch als ADSL light bekannt - für die Telekom kein Thema. Dank der, im Zuge der ISDN-Einführung getätigten, Investitionen in eine hochwertige Netzinfrastruktur kann die Telekom gleich richtig Vollgas geben: Statt wie bei Universal ADSL die Daten nur mit 1,5 Mbit/s zu transportieren, offeriert die Telekom hierzulande den Anwendern ADSL-Dienste mit der vollen Geschwindigkeit von bis zu 8 Mbit/s. Ein Angebot, das auch die Besitzer analoger Anschlüsse nutzen können, da sie ebenfalls von der guten Qualität der Ortsnetze profitieren.

Interessant ist die ADSL-Technik für den Carrier zudem aus finanzieller Sicht. Da dieses Verfahren Datenströme im Mbit/s-Bereich über herkömmliche Kupferadern transportiert, kann die Telekom mit relativ geringen Kosten, Tenzer rechnet mit Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, in das Geschäft mit breitbandigen Datendiensten einsteigen und sowohl ISDN- als auch Analog-Kunden entsprechende Services anbieten.

Vor diesem Hintergrund wehrt sich der Telekom-Manager auch gegen die Kritik, daß die Bonner mit ISDN immer noch eine Technik von gestern vermarkten würden. Laut Tenzer ist ISDN vielmehr die Grundlage für künftige TK-Anwendungen und bietet eine Basis, auf der ADSL stabiler funktioniert als in anderen Netzen. Entsprechend konsequent definiert der Carrier ADSL, das er unter der technischen Dachmarke "T-DSL" vermarktet, als Ergänzung zu ISDN.

Um die Unterschiede zu verdeutlichen, verweisen die Bonner gerne auf die Integration der verschiedenen TK-Dienste im ISDN sowie die intelligenten Leistungsmerkmale wie Rufumleitung, Makeln, Dreierkonferenz etc., während ADSL für die breitbandige Datenübertragung konzipiert sei.

Oder wie es Telekom-Vorstand Tenzer formuliert: "Ein Anschluß, zwei Kanäle, drei Rufnummern - das ist ISDN. Die Megabit-Pipeline für den schnellen Datentransfer - das ist ADSL."

Allerdings relativiert sich das Bild von der Megabit-Pipeline bei einem genaueren Blick auf das Pilotprojekt in NRW, das bis zum 31. Dezember 1998 läuft. Dort offeriert die Telekom je nach T-DSL-Produkt (siehe Grafik) Upstream-Geschwindigkeiten von 128 Kbit/s bis zu 768 Kbit/s. In der Gegenrichtung von der Vermittlungsstelle zum Anwender fließen die Daten mit Transferraten zwischen 1,5 und 8 Mbit/s.

Nachdem die Bonner bereits in einem ersten Pilotversuch in Nürnberg die technische Realisierung getestet hatten, stehen nun in NRW Fragen nach der Tarifierung (siehe Kasten T-DSL-Preise) oder den Inhalten im Vordergrund. So haben die Telekom-Strategen als künftige ADSL-Applikationen für professionelle Benutzer beispielsweise Anwendungen wie "Corporate TV", das der Carrier bereits auf der CeBIT zusammen mit der Datev, dem Dienstleister für Steuerberater vorführte, im Visier. Aber auch andere Anwendungen wie Online-Recherche in Bilddatenbanken für Werbeagenturen, Telelearning, Telemedizin, Videoconferencing oder Joint Editing sind im Gespräch. Praktisch erprobt die Telekom in Zusammenarbeit mit der Firma Macronet während des Großversuchs in NRW unter anderem den Abruf von Lernvideos für Auszubildende. In Sachen Online-Recherche engagiert sich dagegen Dimedis mit einer Bilddatenbank, die hochwertige Schnappschüsse beinhaltet.

Im Privatkundenbereich denkt der Carrier neben dem Internet-Anschluß an Transaktionsdienste, Teleshopping, Homebanking oder Unterhaltungsdienste wie Games on Demand, Digital Video oder Information on Demand. Daß dies keine graue Theorie mehr ist, zeigen derzeit in NRW Infodata mit Videos zu Urlaubszielen oder der Elektronikriese Sony, der via ADSL Musik- und Videoclips präsentiert.

Überzeugt vom Erfolg des Pilotprojektes in NRW, hat die Telekom bereits die Weichen für den weiteren Ausbau der ADSL-Technologie gestellt. Noch heuer will sie in acht deutschen Städten - Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Köln, Bonn, Frankfurt, Stuttgart und München - ADSL-Anschlüsse anbieten. Die Planungen für 1999 sehen dann die Versorgung von rund 40 Ortsnetzen mit der DSL-Technik vor.

T-DSL-Preise

In dem großangelegten ADSL-Versuch in Nordrhein-Westfalen (NRW) testet die Telekom derzeit nicht nur die potentiellen Anwendungen für diesen Service, sondern auch seine Tarifierung. Zwar stehen die endgültigen Preise noch nicht fest, doch die Tarife in NRW geben erste Anhaltspunkte. So offeriert die Telekom professionellen Anwendern drei Angebote. Dabei liegen die Tarife je nach Ausprägung, also mit fester oder variabler IP-Adresse, zwischen 650 und 1100 Mark. Diese Tarife sind als Flat Rate konzipiert, ohne daß verkehrs- oder volumenabhängige Zusatzkosten anfallen. Damit steht den professionellen Anwendern eine im Vergleich zur Standleitung kostengünstigere Zugangsmöglichkeit zur Verfügung. Über eine Standleitung mit 64 Kbit/s und fester IP-Adresse kostet den Geschäftskunden der Internet-Zugang monatlich nämlich ungefähr 2400 Mark.

Keine Flat Rate gibt es dagegen für die Consumer. Sie zahlen in NRW derzeit eine monatliche Grundgebühr von knapp 50 Mark, wobei in diesem Betrag die Gerätemiete für das ADSL-Modem enthalten ist. Zusätzlich fallen je nach Nutzung noch zeitabhängige Gebühren an. Wählt sich der Privatkunde auf die Telekom-Content-Plattform mit Anbietern wie Infodata, Sony und anderen ein, so zahlt er fünf Pfennig pro Minute. Entscheidet er sich für den Zugang ins World Wide Web via T-Online, beträgt der Obulus zehn Pfennig je Minute.