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17.09.1993

Meganet will als erster privater Anbieter Flagge zeigen Sprache in Corporate Networks ruft Rechenkuenstler auf den Plan

MUENCHEN (gh) - Seit der zu Beginn des Jahres in Kraft getretenen Neuregelung der Sprachuebertragung in unternehmensweiten Netzen hat der Begriff "Corporate Network" (CN) Hochkonjunktur - zumindest bei den betroffenen Anwendern. Diejenigen, die es auf der Anbieterseite betrifft, gingen indes zunaechst weitgehend auf Tauchstation. Waehrend die Telekom nun erstmals vorsichtig von Einnahmeverlusten spricht, will die Meganet GmbH als erster privater Carrier noch vor Ende 1993 einen entsprechenden Service anbieten.

"Sprachnetze - sei es als selbstaendige Netze oder virtuelle private Netze auf Telefonbasis - gab es, mit Ausnahme zusammengeschalteter Nebenstellenanlagen, bis dato nicht." Mit dieser Feststellung umschrieb Wilhelm Krusch, Fachbereichsleiter Sprach- netzdienste Systemkunden bei der Generaldirektion Telekom, vor den Teilnehmern einer Konferenz des Institute for International Research (IIR) die seit Januar 1993 veraenderte Ausgangslage im bundesdeutschen TK-Markt. Was der Telekom-Beamte da so betont sachlich zum besten gab, macht seinem Broetchengeber indes schwer zu schaffen - naemlich das neue, EG-konforme Genehmigungskonzept des Bundesministeriums fuer Post und Telekommunikation in puncto Sprachuebertragung innerhalb sogenannter Corporate Networks.

Telekom spricht erstmals von Einnahmeverlusten

"Die Neuregelung nimmt uns was weg", gibt Fachbereichsleiter Krusch denn auch vorsichtig zu und ist dabei im Vergleich zu seinem Vorstandsvorsitzenden Helmut Ricke noch sehr zurueckhaltend, der auf der wenige Wochen zurueckliegenden Bilanzpressekonferenz im Zusammenhang mit dem neuen Genehmigungskonzept erstmals dezidiert von Einnahmen- und Kundenverlusten sprach. Fest steht, wie es scheint, zumindest eines: Angesichts der nun eroeffneten Moeglichkeit, innerhalb von bis dato fast ausschliesslich fuer die Datenuebertragung konzipierten Unternehmensnetzen die Sprachkommunikation einzubeziehen, hat die Anwender auf den Plan gerufen - auch wenn man sich im Ministerium bezueglich einer, wie Insider munkeln, regelrechten Antragsflut bedeckt haelt.

Ob in diesem Zusammenhang allerdings die Kalkulationen so mancher Grossanwender aufgehen werden, ist - zumindest in Expertenkreisen - umstritten. So nehmen zwar die Gebuehreneinnahmen mit rund 75 Prozent Anteil am Gesamtumsatz der Telekom eine absolut dominierende Stellung ein, wobei nach uebereinstimmenden Schaetzungen rund zwoelf Milliarden Mark aus dem Bereich des geschaeftlichen Telefonverkehrs erwirtschaftet werden. Demgegenueber weisen Fachleute jedoch immer wieder darauf hin, dass aufgrund fehlender Aufschluesselungs- beziehungsweise Abrechnungssysteme das spezifische Telefonverhalten in den einzelnen Unternehmen ueberhaupt nicht ermittelt werden kann.

Waehrend manche Marktfor- scher von einem bevorstehenden Milliardenmarkt sprechen, deuten andere Vermutungen eher darauf hin, dass im Durchschnitt weniger als 50 Prozent des Gespraechsaufkommens ueberhaupt unter den rechtlichen Rahmen des CN- Genehmigungskonzeptes fallen.

Was dies fuer den einzelnen Grossanwender bedeutet, liegt demnach klar auf der Hand: Es muss im Einzelfall geprueft werden, ob sich ein eigenes TK-Netz, das diesen Namen auch verdient, rechnet - sprich: Leitungskosten und Gespraechsgebuehren reduziert werden koennen. Genau dies ist momentan aber auch der Knackpunkt fuer die private Konkurrenz der Telekom, die wie Klaus Vormberge, Marketing-Chef der Inas GmbH, fuer einen Einstieg in das Sprachvermittlungs-Geschaeft "noch nicht die entsprechend notwendigen Rahmenbedingungen" sieht; gemeint sind die nach wie vor hohen Tarife der Telekom fuer ihre Monopolleitungen sowie die immer noch ausstehende Reform der Telefontarife.

Grosse Investitionen fuer konkurrierende Carrier

Als Diensteanbieter im Bereich Sprachkommunikation zu agieren bedeute, so Vormberge vor dem IIR-Forum, "nicht nur die grossflaechige Koppelung von Nebenstellenanlagen". Vielmehr muessten die mit der Telekom konkurrierenden Carrier dann aufgrund der nach wie vor ueberhoehten Ortstarife (von denen die privaten Anbieter in Form von Zuleitungsstrecken zu ihren Knotenrechnern abhaengig sind) ihr Netz um ein Vielfaches an Knoten erweitern, um einigermassen wirtschaftlich entsprechende Services anbieten zu koennen. Konsequenz: Riesige Investitionssummen waeren noetig fuer die Abbildung eines kostenguenstigeren TK-Szenarios bei den Kunden.

Dieses wird ueberdies durch die sich abzeichnende naechste Reform der Telefontarife (Senkung der hohen Gebuehren fuer Ferngespraeche) zum Teil wieder ueber den Haufen geworfen - ganz zu schweigen von der technisch notwendigen Umruestung der Netzinfrastruktur auf kuenftige Uebertragungsverfahren wie Frame Relay und ATM.

Unbeeindruckt von Ueberlegungen dieser Art zeigt sich indes die Koelner Meganet GmbH, wo man nach Angaben von Geschaeftsfuehrer Erwin Schaefer voraussichtlich noch in diesem Jahr "Sprachkommunikation auch fuer Dritte anbieten wird". Der private Netzbetreiber baut derzeit sein Netz fuer den 2-Mbit/s-Betrieb aus und will kuenftig mit dem Dienst "Megavoice" der Telekom auch in puncto Sprachvermittlung Konkurrenz machen. Bereits jetzt arbeite man, wie in Koeln offiziell mitgeteilt wurde, an der Verknuepfung der TK- Anlagen einzelner Niederlassungen der Colonia-Versicherung zu einem einheitlichen firmeninternen Netz.

Sehr zur Freude von Exminister Christian Schwarz-Schilling, der es sich bei der Ankuendigung des neuen Dienstes nicht nehmen liess, die Vorreiterrolle des Koelner Netzbetreibers zu wuerdigen. Wie die meisten Insider geht auch Schwarz-Schilling davon aus, dass neben dem Telefonmonopol (1998) hoechstens zwei oder drei Jahre spaeter auch das Leitungsmonopol fallen wird - mit der Folge, dass "das Networking eine voellig andere Dimension bekommen wird". Auf dem Weg dorthin seien aber noch, so der streitbare TK-Politiker, "eine Reihe ordnungspolitischer Gesichtspunkte zu klaeren."

Gemeint ist das nach Ansicht grosser Teile der Industrie - vor allem auch im EG-Kontext - noch nicht weit genug gehende Genehmigungskonzept des Ministeriums. So fordert mittlerweile eine Reihe von Branchen, insbesondere die Versicherungswirtschaft, in einer bis zur Beseitigung des Telefonmonopols geltenden Uebergangsregelung die Ausdehnung des Begriffes "geschlossene Benutzergruppe" auf Bereiche wie etwa Handel und Vertrieb, was nach jetzt geltendem Recht technisch zwar moeglich ist, juristisch aber auf toenernen Fuessen steht (Einzelfallgenehmigung).

Dass diese TK-politische Grauzone angesichts kuenftiger Techniken wie ATM, die eine Zementierung der Verschmelzung von Sprach- und Datenkommunikation erwarten lassen, nicht mehr lange bestehen wird, steht fuer den Liberalisierungs-Verfechter Schwarz-Schilling indes fest. Man koenne nicht laenger, so sein Blick in die nahe Zukunft, "ordnungspolitisch sagen, dies oder jenes ist nicht erlaubt, wenn gleichzeitig technologisch alles zusammenwaechst".