Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

08.12.1995

Mehr Anwendungsbezug und weniger Automatentheorie Informatikstudium bereitet noch zu wenig auf das Berufsleben vor

MUENCHEN (hk) - Die Informatiker an Hochschulen muessen theoretischen Ballast abwerfen. Auf einer Podiumsdiskussion an der Technischen Universitaet Muenchen forderten Industrievertreter einen staerkeren Anwenderbezug und die Vermittlung von ausserfachlichen Qualifikationen wie Teamgeist und Kritikfaehigkeit. In der neuen Studienordnung will die Universitaet diese Wuensche beruecksichtigen.

Ernst Denert hatte einen ganzen Katalog an Forderungen mitgebracht, obwohl er meinte: "Das Studium ist im Grundsatz gut." Der Honorarprofessor und Geschaeftsfuehrer des Muenchner Softwarehauses sd&m plaediert nicht erst seit dieser Veranstaltung fuer ein "Gleichgewicht von Fachwissen und Persoenlichkeit". Was die Fachqualifikation betrifft, erwartet Denert gute Programmierkenntnisse: "5000 Lines of Codes" am Stueck sollten es schon sein. Er sei ein Feund der theoretischen Informatik und halte die Faehigkeit, analytisch zu denken, fuer unabdingbar. Sie unterscheide den Informatiker von anderen Berufsgruppen. Wichtig sei ihm weiter, dass ein DV-Experte in seiner Muttersprache fit ist. "Wer sie nicht beherrscht, tut sich erst recht mit Sprachen wie Pascal oder C schwer."

Viel laenger ist die Liste der Anforderungen beim Thema Persoenlichkeit. Hier nennt der Muenchner Softwarechef die immer wieder auch von Personalverantwortlichen gern genannten Kriterien wie Kommunikationsfaehigkeit, Teamgeist, Kreativitaet, "keine Stechuhrmentalitaet" und Kritikfaehigkeit. Aber auch Haltungen wie technische Neugier, Nuetzlichkeitsdenken und Identifikation mit dem Unternehmen spielen fuer Denert eine grosse Rolle.

Auch Werner Altmann entpuppte sich als grosser Anhaenger ausserfachlicher Faehigkeiten. Seine Wunschliste an kuenftige DV- Profis ist mindestens so lang wie die von Denert. Der Geschaeftsfuehrer des Softwarehauses K&A bemaengelte zum Beispiel, dass viele Absolventen mit Trends der DV-Welt nicht vertraut sind. "Ich erwarte, dass kuenftige Mitarbeiter Begriffe wie Client-Server und Objektorientierung schon gehoert haben", formuliert er ironisch. Aus Erfahrung wisse er, dass es Einsteiger gebe, bei denen das nicht der Fall sei. Hoch bewertet Altmann, wenn ein junger Jobsuchender Projekterfahrung mitbringt und obendrein Praesentationstechniken beherrscht: "Es ist grauenvoll, wie manchmal im universitaeren Bereich Sachverhalte dargestellt werden."

Altmann ist aber im Gegensatz zum sd&m-Chef auch kein Freund der theoretischen Ausbildung. Aufgabe der Universitaeten sollte sein, die jungen Menschen auf den Beruf vorzubereiten: "Statt sich mit der Automatentheorie zu beschaeftigen, sollten die Studenten ein Anwendungsgebiet kennenlernen." Thomas Lausermeier von der Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG sagte, dass er sich als Student nie im klaren ueber die Bedeutung des ausserfachlichen Know- hows war. Er empfand seine Ausbildung eher als Einzelkaempfertum. "Wir brauchen aber in der Industrie Teamleute", hat er mittlerweile festgestellt. Die meisten Kurse seien nicht marktnah gewesen. Deshalb plaediert er dafuer, dass die Universitaeten auf mehr Praktiker zurueckgreifen. Seine besten Vorlesungen, erinnert sich der SNI-Mitarbeiter, waren die, in denen Industrievertreter den theoretischen Bezug zur aktuellen DV-Realitaet herstellen konnten.

Die Muenchner TU hat die Zeichen der Zeit erkannt und will unter dem Motto "Informatik-Studium 2000" die Ausbildung reformieren. Dabei sollen genau die von den Industrievertretern genannten Schwerpunkte, naemlich Anwenderbezug und ausserfachliche Qualifikationen, staerker in den Vordergrund treten.

Bis jetzt ist es naemlich so, dass das Grundstudium in Muenchen laut Professor Spiess zu 40 Prozent aus Informatik, zu 38 Prozent aus Mathematik und zu 22 Prozent aus einem Nebenfach bestehe. Und selbst bei letzterem bevorzugten immerhin 79 Prozent der Studenten, so die Erhebung des Professors, klassische Faecher wie Elektrotechnik, Mathematik und dann erst Wirtschaftswissenschaften.