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30.04.1976 - 

3.DV-Programm der Bundesregierung

Mehr Anwendungsforderung weniger Industrien-Subventionen

"Mehr Anwendungs-Förderung, weniger Industrie-Subventionen" - unter diesem Motto steht der neue Trend Bonner DV-Unterstützung. Nicht, daß sich die Bundesregierung keinen Erfolg von der Förderung nationaler Hersteller verspricht, es hat jedoch im 3. DV-Programm eine Gewichtsverlagerung zugunsten der MDT-Hersteller gegeben (CW-Nr. 17 vom 23. 4. 76). Die Fördergelder für die Entwicklung von Großrechnern wurden dagegen gekürzt (siehe Tabelle 1), sie machen nur noch acht Prozent der gesamten Fördermittel in Höhe von 1,575 Milliarden Mark aus. Begründung: IBM's Technologie-Vorsprung in diesem Bereich ist uneinholbar.

Mit dem folgenden Auszug aus dem vorläufigen Text des 3. DV-Programms schließt die Computerwoche ihre Berichterstattung über die Förderungsziele und -verfahren ab.

Förderung der Datenverarbeitungs-Industrie

Wettbewerbssituation der deutschen Datenverarbeitungs-Industrie nach wichtigen Teilmärkten.

Die Entwicklung der im Rahmen des zweiten Datenverarbeitungs-Programms geförderten Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland hat insgesamt einen günstigen Verlauf genommen, wenn auch die Marktanteile nicht in dem Maße gewachsen sind, wie es zu Beginn des zweiten Datenverarbeitungs-Programms möglich erschien.

Der allgemeine konjunkturelle Abschwung hat die Investitionen auch im, Datenverarbeitungs-Bereich insgesamt zurückgehen lassen. In die gleiche Richtung haben die starken Verbesserungen des Preis-Leistungs-Verhältnisses von Datenverarbeitungs-Anlagen und der durch die technische Entwicklung verursachte Trend zu kleineren Anlagen gewirkt.

Die Entwicklung bei den kleineren Datenverarbeitungs-Anlagen ist sowohl im Bereich der kommerziellen Datenverarbeitung als auch bei den Prozeßrechnern günstiger verlaufen als bei den mittleren und großen Datenverarbeitungs-Anlagen.

Hierzu haben besonders eine wesentliche Verbesserung des Preis-Leistungs-Verhältnisses durch die Einführung moderner hochintegrierter, Bauelemente und die hervorragenden Eigenschaften der kleinen Rechner bei dezentralen Datenverarbeitungs-Organisationen beigetragen.

Mittlere und große Datenverarbeitungs-Systeme

Der Wettbewerb in diesem Bereich der Datenverarbeitung ist durch ein hohes Übergewicht von Unternehmen gekennzeichnet, die ihre

Entscheidungsbasis in den USA haben (Tabellen 2 und 3).

Diese Lage der Hersteller mittlere und großer Datenverarbeitungs-Systeme erhält ihre besondere Bedeutung noch dadurch, daß unter den US-amerikanischen Herstellern ein Unternehmen weltweit so dominiert, daß es der gesamten Datenverarbeitungs-Branche das technische Innovationstempo und die Marktgepflogenheiten

aufgeprägt.

Die Auswirkungen dieser Dominanz sind u. a. an den Gewinnen erkennbar, die dieses Unternehmen in Relation zu seinen Mitbewerbern erzielt. So erreicht die IBM im Geschäftsjahr 1974 einen Jahresüberschuß von etwa 14% des Umsatzes nach Steuern. Demgegenüber mußten sich die zweitgrößten Datenverarbeitungs-Hersteller in den USA (Honeywell und Univac) mit zirka 3-50% begnügen und zum Beispiel die in der Bundesrepublik Deutschland in diesem Sektor, tätige Siemens AG noch hohe Verluste in Kauf nehmen.

Der Marktführer IBM wickelt zur Zeit zirka 80% seines gesamten Umsatzes mit Stammkunden ab, die im Lauf der Zeit in eine starke Abhängigkeit von diesem Lieferanten geraten sind. Dies gilt übrigens als Folge einer starken Präferenzpolitik auch für International Computers Ltd. (ICL) im United Kingdom. Hier beträgt der Anteil der Altkunden, die zum großen Teil Kunden aus der öffentlichen Hand sind, nahezu 90,%.

Demgegenüber erhielt zum Beispiel -die im Datenverarbeitungs-Geschäft noch junge Siemens AG etwa 60% ihrer Aufträge von Altkunden.

Die Abhängigkeit vom Marktführer hat zur Folge, daß Kunden beim Übertritt zu einem anderen Hersteller von diesem erheblich höhere Leistungen fordern als vom Erstlieferanten. Der wünschenswerte Wettbewerb zwingt daher den Wettbewerber zu erheblichen zusätzlichen Leistungen.

Die Anstrengungen, Kunden zu gewinnen, die bislang mit Systemen des Marktführers arbeiten, verlangen nicht nur eine weitestgehende technische Anpassung der eigenen Produkte an die des Marktführers, sondern zwingen den Wettbewerber auch, dessen Innovationszyklen (Generationswechsel) zu folgen.

Bis zu dem Zeitpunkt, zu dem es dem Wettbewerber gelungen ist, seinen zeitlichen Nachlauf aufzuholen und seine Geschäftszyklen mit denen des Marktführers zum Gleichtakt zu bringen, muß er deshalb kürzere Standzeiten seiner vermieteten Produkte im Markt und damit beträchtliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen.

Gegenwärtig stehen die ungewöhnten hohen Entwicklungs- und Sach- investitionen einer noch zu geringen Kundenbasis und damit zu geringen Stückzahl von Produkten gegenüber. Dies drückt sich unter anderem in zu hohen Gestehungskosten im Verhältnis zum erzielten Umsatz aus und führt auch noch in den nächsten Jahren zu hohen Verlusten im Geschäftsergebnis.

Es entstehen auch dadurch hohe Fertigungskosten, daß die Qualität der Produkte, der hohe Grad ihrer Komplexität und der Zwang, Zeit aufzuholen, unabhängig von den Stückzahlen einen hohen Automationsstand in Entwicklung, Fertigung und Prüfung notwendig machen.

Ungeachtet der genannten Schwierigkeiten stiegen die Marktanteile der Siemens AG in Westeuropa seit Beginn der Förderung im Jahre 1967 stetig an, so daß insgesamt eine erfreuliche Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit dieser Firma zu erkennen ist.

Die relativ starke Expansion des Datenverarbeitungs-Geschäfts mit mittleren und großen Systemen Anfang der siebziger Jahre wird wahrscheinlich nicht anhalten. Die Branche erwartet, daß die Zuwachsraten des wertmäßigen Computerbestandes gegen Ende der siebziger Jahre geringer werden. Hier machen sich die ständigen Verbesserungen des Preis-Leistungs-Verhältnisses durch technologische Verbesserungen bemerkbar. Es muß daher auch mit einer Verschärfung des Preiswettbewerbes gerechnet werden.