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05.07.1985 - 

Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg fordern:

Mehr Kapazität für die Wirtschaftsinformatik

NÜRNBERG (CW) - Mit einem offenen Brief reagierten kürzlich nun 177 Studenten auf die ihrer Meinung nach "frustrierende Situation im Bereich des Wirtschaftsinformatikstudiums" an der Universität Erlangen-Nürnberg. Insbesondere wegen des Teilnehmerlimits von 90 Studenten und der zu niedrigen Kapazität des DV-Lehrstuhls könne von einer "individuellen Betreuung nicht mehr gesprochen werden". Hier der Wortlaut:

Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg bietet eine der wenigen Möglichkeiten in der Bundesrepublik, das Fach Wirtschaftsinformatik vertieft zu studieren.

Dabei ist die Teilnehmerzahl im Hauptstudium durch eine vom Kultusministerium erlassene Satzung auf jährlich 90 Studenten begrenzt. Bestehen mehr als 60 Studenten im Wintersemester (30 Studenten im Sommersemester) die Eingangsklausur zum Programmierkurs in der Sprache Cobol, so wird als Hauptauswahlkriterium die Vordiplomnote im Fach Betriebswirtschaftslehre herangezogen und eine Rangfolge gebildet. Ab dem Wintersemester 85/86 wird voraussichtlich die gesamte Vordiplomnote verwendet. Bei gleichem Rang entscheidet das Los, wer an der Ausbildung teilnehmen darf.

Der Grund für die Beschränkung liegt in der zu niedrigen Kapazität des EDV-Lehrstuhls. Bei einer Reihe betreuungsintensiver Praktika treten Engpässe auf.

Das Personal des Lehrstuhls arbeitet seit längerer Zeit unter extremer Überlastung. Die Assistenten sind durch die Betreuung der Studenten stark belastet, sie verbringen häufig ihr Wochenende an der Uni. Dennoch kann von einer individuellen Betreuung schon seit langem nicht mehr gesprochen werden.

Auch für viele Studenten ist die Situation frustrierend. So kann beispielsweise der Fall eintreten, daß ein Student die Cobol-Eingangsklausur mit der Note 1 besteht und dennoch aufgrund seiner Vordiplomnote und des Losverfahrens nicht an dem Kurs teilnehmen darf.

Damit bleiben ihm die Praktika verwehrt und er kann nicht zur Diplomprüfung antreten.

Er wird möglicherweise mehrmals zu Semesterbeginn versuchen, die Eingangshürde zu "überspringen", und muß dann einen erheblichen Unsicherheitsfaktor bei der Planung seines Studiums sowie eine Zeitverzögerung in Kauf nehmen.

Der Lehrstuhlinhaber ist seit Jahren bemüht, die Kapazitäten zu erweitern, doch gelingt es offenbar nicht, die Kapazitäten innerhalb der Hochschule dorthin zu bringen, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Bei den Sozialwissenschaften etwa sind die Studentenzahlen rückläufig, die Berufsaussichten sind nicht gut.

Zwar ist zu erwarten, daß die Studentenzahlen in den nächsten Jahren allgemein zurückgehen werden, doch wir glauben, daß diese Entwicklung nicht im Bereich der Wirtschaftsinformatik eintreten wird. Gegenwärtig erhöht sich die Zahl der Bewerber ständig. Im Sommersemester 1985 waren es 94 Bewerber für 30 Plätze im Cobol-Kurs. Dabei wären noch weitere potentielle Teilnehmer aus den Reihen er Informatikstudenten aus Erlangen zu berücksichtigen, die jedoch von den ungünstigen Arbeitsbedingungen abgeschreckt werden oder zugunsten der Betriebsinformatiker in Nürnberg verzichten.

Angesichts der rasch zunehmenden Bedeutung der EDV für alle Bereiche der Wirtschaft, die unumstritten ist, und unter Berücksichtigung des zunehmenden Vordringens der EDV bis in die untersten Hierarchieebenen der Unternehmen kann wohl nicht mehr von einem "EDV-Boom" gesprochen werden.

Die Berufsaussichten für Wirtschaftsinformatiker sind gut. Wir sehen in der Verwehrung des Einstiegs für die Studenten in einen Bereich mit hohen Zukunftschancen eine Fehlleitung von Ressourcen. Die allgemein ungünstige Lage am Arbeitsmarkt macht das Problem noch dringlicher.

Wir fordern alle zuständigen Personen und Entscheidungsgremien auf, die Bedingungen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät in Nürnberg zu verbessern!

Wir können uns auch nicht mit der Argumentation abfinden, man könne ja nach Bamberg oder Bayreuth überwechseln. Man sollte sich stärker am Nachfragepotential der Studenten orientieren und auch bei der Ressourcenplanung der Universität Marktgegebenheiten berücksichtigen.

Wir schlagen vor, einen zweiten Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik an der WISO einzurichten.

Kurzfristig sollen die Kapazitäten des bestehenden Lehrstuhls erweitert werden, um die mit Sicherheit zu erwartenden hohen Bewerberzahlen der nächsten Jahre bewältigen zu können. (177 Unterschriften)