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25.04.1975

Mehr Leistung beim gleichen Budget !

Mit Jürgen Schwab, Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH, sprach Dr. Gerhard Maurer

Hans-Jürgen Schwab (37)

ist seit 1973 Geschäftsführer der Diebold Deutschland GmbH Frankfurt. Nur vier Jahre brauchte der gelernte Ingenieur und vormalige Univac-und BULL/GE-Mann seit Eintritt in die Firma 1969, um diesen Chefposten (etwa 50 Mitarbeiter, davon 30 professionelle Berater) zu erklimmen. Zuvor hatte er bei Diebold dem Beratungsgeschäft vorgestanden, das rund zwei Drittel des 4 Millionen Mark Jahres-Umsatzes erbringt. Somit waren die Weichen gestellt, als Vorgänger Günther Laus in höhere Gefilde des internationalen Diebold-Imperiums berufen wurde.

Die Diebold-Gruppe des "Mister Automation" John Diebold umfaßt ein weltweit verzweigtes Netz von sehr unterschiedlichen Firmen. Herz ist immer noch die Beratungsfirma The Diebold Group, Inc. mit Tochterfirmen in den wichtigsten Industrienationen. Einer zentralen Holding-Gesellschaft sind jedoch so unterschiedliche Firmen wie eine Container-Leasing-Firma, ein Investment-Fond, ein Management-Training-Institut und andere nachgeordnet.

Wo es Diebold-Firmen gibt, gibt es auch Diebold-Statistiken. So für einzelne Länder, für Europa, für USA und für den Weltmarkt. Diese halbjährliche Aufstellung über die Zahl der installierten Computer und deren Provenienz ist eine der wichtigsten Quellen zur Entwicklung der Datenverarbeitung und der Hersteller-Marktanteile. Sie ist zugleich ein genialer Public-Relations-Trick, der für einen sagenhaften Bekanntheitsgrad der Firma sorgt.

Trotzdem stört Hans-Jürgen Schwab ein wenig das "Statistik-Image", denn die Marktforschung ist nur mit etwa 20 Prozent am Gesamtumsatz beteiligt

- Beim Namen Diebold denkt man zuerst an die Diebold-Statistik. Ist die Diebold Deutschland GmbH in erster Linie ein Marktforschungsinstitut?

Wir nennen uns Beratungsunternehmen für Informationstechnologie. Die Marktforschung umfaßt nur einen Teil unserer Aktivitäten. Basisphilosophie sämtlicher Beratungsaktivitäten ist die Unabhängigkeit von Produktintressen, ganz gleich, ob es sich um Hardwar oder Software handelt. Unser Angebot richtet sich an drei Klientengruppen: die DV-Benutzer, die Computerindustrie, für die wir Marktuntersuchungen und langfristige Produktplanugen durchführen und Regierungsstellen und öffentlichen Verwaltung. Die Diebold Statistik ist ein Nebenprodukt unserer Marktanalysen. Sie hat im Laute der Jahre mangels Statistiken offiziösen Charakter erhalten und sehr wesentlich dazu beigetragen, unseren Namen in eener breieteren Öffentlichkeit bekanntzumachen.

- Den größten Teil Ihrer Arbeit listen Sie für Anwender. Aber auch hier betreiben Sie Marktforschung. Sie analysieren zum Beispiel regelmäßig die Budgets der Anwender. Was sind Ihre neuesten Studienergebnisse?

Um den Computeranwender qualifiziert und seinen Belangen entsprechend beraten zu können, ist eine umfassende Übersicht über seine Kostensituation notwendig. Zu diesem Zweck haben wir 1972 eine ADV-

Budget-Analyse durchgeführt. Diese Studie wurde 1974 fortgeschrieben und vor kurzem veröffentlicht.

- Bei jeder Studie interessiert zunächst die Frage nach der Umfrage-Gesamtheit. Wen haben Sie interviewt ?

Bei dieser Studie haben sich rund 100 Firmen der 500 größten und bedeutendsten Unternehmen beziehungsweise ADV-Anwender der Bundesrepublik beteilgt.

- Ist ein so kleines Sample groß genug?

Ja, - wobei wir das Ziel verfolg haben, daß sich je Branche mindestens fünf Firmen beteiligen müssen.

- Kommen wir zu den Ergebnissen: Hat sich das Verhalten der Anwender im Jahre 1974 gegenüber dem vor zwei Jahren verändert?

Es sind eine Reihe von Veränderungen zu bemerken. Grundsätzlich kann man feststellen, daß der ADV-Anwender des Jahres 1974 wesentlich und arbeitet.

- Dergleichen hat man oft gehört. Kann man so etwas auch mit Zahlen belegen?

Zum ersten ist festzustellen, daß der Einsatz von Mixed Hardwere stark zugenommen hat, zweitens legt der Anwender großes Gewicht auf eine bassere Auslastung seiner installierten Rechner- und Speicherkapazitäten Er hält sein Hardware-Budget konstant und steigert die Leistung seines Systems.

- Zunächst zu diesen beiden Punkten: Wie weit ist denn der Einsatz von Mixed Hardware heute verbreitet ?

Wir haben soeben eine, Analyse der Installationen großer IBM-Rechnersysteme abgeschlossen und dabei festgestellt, daß etwa 25 Prozent aller Installationen Mixed Hardware enthalten.

- Sie arbeiten hier mit dem engeren Begriff der Mixed Hardware, der nur zentrale Peripherie, aber nicht Terminals einschließt.

Richtig. Wenn Sie diesen Begriff auf Terminals ausdehnen, so beläuft sich diese Ziffer auf 50 Prozent. 1972 war die Vergleichszahl 21 Prozent.

- Das "Alles aus einer Hand kaufen" hat sich also überholt. Läßt sich auch die bessere Auslastung vorhandener Rechner- und Speicherkapazitäten mit Zahlen dokumentieren ?

Bevor heute Aufstockungen größeren Umfangs genehmigt werden, sind klare Nachweise zu erbringen, daß zum Beispiel die Einführung einer zweiten oder dritten Schicht wirklich kostspieliger ist.

- Was hat sich im Vergleich der Budgets 1972 und 1974 bei den restlichen Kosten geändert?

Man hat in geringerem Umfang externe Dienstleistungen beansprucht. Die freien Softwarehäuser und Beratungsunternehmen haben im Jahre 1974 einen Umsatzrückgang von 20 Millionen DM zu verzeichnen gehabt. 1973 betrug der Branchenumsatz 190 Millionen DM, im abgelaufenen Jahr 170 Millionen DM.

- Wie aber sieht das beim einzelnen Anwender in dessen Budget aus?

1972 hat der Anwender noch 16,1 Prozent des gesamten Entwicklungsaufwandes für externe Programmentwicklung ausgegeben, im Jahre 1974 nur noch 8,1 Prozent - bezogen auf sein Budget für Entwicklung neuer Programme und Systeme.

- Wir wollen nicht vergessen, daß es sich bei disen Zahlen um Großunternehmen handelt. Vermutlich ist dort der Einsatz von Anwendungssoftware nicht besonders bedeutend ?

Richtig, mehrfach verwendbare Anwendungssoftware nicht besonders bedeutend ?

Richtig, mehrfach verwendbare Anwendungssoftware, die von freien Softwareunternehmen vertrieben wird, ist bei dieser Benutzergruppe kaum zu finden. Sie beträgt auf Grund unserer Analyse im Branchenmittel 0,3 Prozent.

- Wie steht es um die alte Faustregel, daß ein Unternehmen etwa ein Prozent seines Umsatzes für die EDV ausgeben sollte?

Diese Zahl ist schon immer umstritten gewesen und wir haben mit allen uns möglichen Mitteln versucht, dafür zu sorgen, daß man die Datenverarbeitung eines Unternehmens nicht an dieser Kenngröße orientiert. Das ist einer der Gründe, weshalb wir diese Studie 1972 aufgelegt und 1974 fortgeschrieben haben.

- Wie steht es denn mit dem Verhältnis von Sachkosten und Personalkosten? Wir unterscheiden hierbei Sachleistungsbranchen und Dienstledstungsbranchen. Bei den Sachleistungsbranchen beläuft sich das Verhältnis von Sachkosten zu Personalkosten im Jahre 1974 auf 1 :0,87. Im Jahre 1972 war dieses Verhältnis noch 1:1. Bei den Dienstleistungsbranchen heißt es 1 :0,78 im Jahre 1974.

- Daraus ergibt sich eindeutig, daß der Anteil der Personalkosten in den Sachleistungsbranchen zurückgegangen ist. Während man vor zwei Jahren für jede Mark Sachleistungssachkosten eine Mark Personalkosten hatte, ging dieser Anteil 1974 auf 0,87 :1 Mark zurück. Das überrascht.

Unter die Sachkosten fällt nicht nur die Hardware sondern ebenso Raummiete, Datenerfassungs-Systeme, Hilfsmaterial wie Papier und Magnetbänder. Der von Ihnen unterstellte Trend, sinkende Hardwarekosten bei steigenden Personalkosten, ist mit folgender Ziffer zu belegen: In den Sachleistungsbranchen verhielten sich die Personalkosten zu den Hardware-Kosten 1972 noch 1: 0,68, im Jahre 1974 verhalten sie sich 1 :0,65. In den Dienstleistungsbranchen ist der Trend noch ausgeprägter, dort hatten wir im Jahre 1972 ein Verhältnis 1:0,96, im Jahre 1974 1: 0,86.

- Aus ihren Budgetuntersuchungen bei den Anwendern haben Sie auch hochgerechnet, wieviel in der Bundesrepublik insgesamt für die EDV ausgegeben wird. Haben wir im Gegensatz zum Nullwachstum in der Gesamtwirtschaft in der EDV immer noch reales Wachstum zu verzeichnen? Die gesamten ADV-Kosten bei den Benutzern beliefen sich im Jahre 1973 in der Bundesrepublik auf 11 Millionen Mark. Sie sind im Jahre 1974 auf 13,5 Millionen Mark gestiegen.