Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.10.1990 - 

Roboter übernimmt das Kassettenladen

Mehr Mitarbeitermotivation durch die RZ-Automatisierung

Auch wenn der Kunde die eigene Muttergesellschaft ist, heißt das noch lange nicht, daß dem Management im Tagesgeschäft der eisige Wind des Wettbewerbs erspart bleibt. Diese Erfahrung machte Rolf Johanson, Präsident der Atlas Copco Data AB, einer hundertprozentigen Tochter der weltweit operierenden schwedischen Atlas Copco Group.

"Wir müssen unserem Kunden immer eine kosteneffektive Lösung bieten können", meint er nachdrücklich. "Das heißt, daß wir ständig rationalisieren müssen." Denn, sollte er einmal nicht mehr zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten können, müßte er damit rechnen, daß sich sogar die eigene Muttergesellschaft nach einem anderen Anbieter umsehen würde.

Größerer Spielraum für die Niederlassungen

Bereits vor mehr als zehn Jahren hatte Atlas Copco ihre Datenverarbeitung in eine unabhängige Tochterfirma als Profitcenter ausgelagert. Denn die konzerninterne EDV sollte dezentralisiert werden, um den einzelnen Niederlassungen der Gruppe einen größeren Spielraum für die Entwicklung neuer Anwendungen zu schaffen. Die notwendige EDV-Ausstattung dazu stellte die Atlas Copco Data zur Verfügung, die ursprünglich lediglich als Dienstleistungsbetrieb für die schwedischen Filialen gedacht war. Längst haben sich inzwischen jedoch auch die ausländischen Niederlassungen als "Kunden" angemeldet. Unter Verwendung geleaster Datenleitungen ist mittlerweile ein globales Netzwerk zum Austausch von Daten innerhalb des Weltkonzerns entstanden. Das Leistungsspektrum von Atlas Copco Data deckt zwar in erster Linie die traditionellen EDV-Dienstleistungen ab, inzwischen ist die

Firma aber auch für die Kommunikationsdienste im Konzern verantwortlich und verfügt dazu zusätzlich zur eigenen Telefonzentrale und Telex sowie Telefax über ein eigenes Postsystem und die interne Kommunikationsleitung"Memo".

Bereits zu Beginn der achtziger Jahre hatte sich die neue

EDV-Gesellschaft stürmisch entwickelt. Rückschläge blieben dabei freilich - zumindest anfangs - nicht aus. Ab und an kam es sogar zu kurzen Unterbrechungen des betrieblichen Ablaufs. An vorderster Stelle standen aber Probleme,wie eine Steigerung der Produktivität der Mitarbeiter, die Übernahme qualitativ höherwertiger Aufgaben und gleichzeitig der Abbau von Überstunden erreicht werden könnte.

In der Zwischenzeit haben die konsequent ergriffenen Rationalisierungsmaßnahmen beeindruckende Erfolge gezeitigt. Was bis vor drei Jahren noch 70 RZ-Mitarbeiter voll auslastete, das erledigen heute 29 Mitarbeiter - und das, obwohl das Arbeitsaufkommen im gleichen Zeitraum auf das Fünfzehnfache gestiegen ist.

Im Mai vergangenen Jahres hat Atlas Copco Data ein Comparex Robotersystem ACL 6388 in Betrieb genommen. Bis dahin erforderte das manuelle Laden der Datenkassetten eine umfangreiche Planung und sorgfältige Überwachung durch die Mitarbeiter, und zwar rund um die Uhr.

Der ACL-Roboter erledigt dies automatisch. Die Kassettenlager können 4500 Kassetten aufnehmen und werden operatorlos bedient. Die Belegschaft kann abends pünktlich nach Hause gehen, ohne daß die

Zuverlässigkeit des Systems darunter leidet. Im Gegenteil: Die Verfügbarkeit der Gesamtinstallation einschließlich der Kommunikationsnetzwerke hat sich seit Einführung des Systems auf 98,8 Prozent erhöht!

Trotz dieser hohen Verfügbarkeit ist derzeit eine Gruppe von acht Mitarbeitern für den automatischen Betrieb des Rechenzentrums verantwortlich. Sollte ein Fehler auftauchen, ruft ein PC den jeweils diensthabenden Mitarbeiter automatisch an. Die meisten Alarmmeldungen können zwar von zu Hause und gleichfalls über ein Terminal bearbeitet werden, mitunter muß der Operator allerdings dennoch ins RZ, um den Fehler zu beseitigen.

Gegenwärtig liegt die durchschnittliche Anzahl dieser Aktionen bei zwei Alarmmeldungen und einem Besuch pro Woche. Die Routinen werden jedoch laufend verbessert und bis zum Jahresende soll die Anzahl der Alarme drastisch weiter reduziert sein.

Die Installation bei Atlas Copco Data war eines der ersten Comparex ACL-Systeme, die überhaupt in Betrieb genommen wurden. Aber, so versichert Johanson, ernsthafte Betriebsstörungen gab es selbst in der Anfangsphase nicht. Obwohl mehrere Hersteller ähnliche Roboter anbieten, hat er sich für Comparex entschieden.

Ausschlaggebend dafür waren sowohl die flexible Konfigurierbarkeit, verbunden mit weiteren physischen Vorteilen, als auch das gute Preis-Leistungs-Verhältnis. "Es ist im allgemeinen schwierig, bei EDV-Projekten die Rentabilität abzuschätzen", urteilt Johanson aus langjähriger Erfahrung. Bei dem Comparex Robotersystem sei dies jedoch bedeutend leichter: "Wir erwarten eine Amortisierung innerhalb von zwei Jahren, die sich allein schon aus Einsparungen im Personaletat ergibt."

Ziel der Installation war es allerdings nicht, Mitarbeiter zu entlassen. Im Vordergrund der Überlegungen stand vielmehr, die Mitarbeiter umzuschulen oder weiterzubilden und damit besser einsetzen zu können. So wurden zum Beispiel zwei der fünf

freigewordenen Operatoren neue und anspruchsvollere Aufgaben im Bereich Ingenieurwesen und im Kundendienst zugewiesen.

"Es ist sicher paradox", meint denn auch Atlas Copco Präsident Johanson, "daß ein Projekt, dessen Ziel sich für die Mitarbeiter zunächst als Wegrationalisierung ihrer Arbeitsplätze darstellte, sich als ein Projekt erwies, das eben diese Mitarbeiter ungeheuer motiviert und engagiert hat."

Bei den Vorbereitungen zur Einführung des Roboters bewies Johanson allerdings viel Gespür für die Besorgnisse der Belegschaft. Unsicherheit im Betrieb ließ er gar nicht erst aufkommen. "In vielen Firmen ist es üblich, bei Projekten, die wahrscheinlich zu Personaleinsparungen führen, die Mitarbeiter so spät wie möglich zu

informieren. "Johansen ging den umgekehrten Weg: "Wir haben alle 20 Personen, die direkt betroffen waren, in allen Phasen einbezogen und ihnen gestattet, von Anfang an aktiv teilzunehmen. Das war bisher unser erfolgreichstes Personalprojekt."

Das EDV-Team von Atlas Copco Data kann stolz auf seine bisherigen Leistungen sein. Denn die Datenverarbeitung innerhalb der gesamten Atlas Copco-Gruppe hat sich nicht nur vom Umfang her vergrößert, sondern auch in ihrer Bedeutung für die Gesamtaktivitäten und den Erfolg des Unternehmens. Die Konzernleitung hebt vor allem die Bedeutung der effektiven Lagerhaltung und der Logistik zur

Verbesserung des Produktionsflusses und zur Beschleunigung der Auslieferungsroutine hervor. So haben sich daraufhin etwa die Zinskosten um etwa 100 Millionen schwedische Kronen verringert, die Kapitalrendite stieg parallel dazu auf fast 20 Prozent.

Über die wirtschaftlichen Vorteile hinaus hat das

ACL-Automatisierungsprojekt aber auch zusätzliche Vorteile. "Der profitabelste Teil des Projekts war sicherlich die Tatsache, daß wir gezwungen waren, die EDV-Systeme 'unserer Kunden' gründlich zu analysieren, um angemessene Alarmstufen zu definieren.

Dies hat in hohem Maß zur Leistungsfähigkeit ihrer Systeme beigetragen", meint Johanson. Er könne nachweisen, daß die Kosten beim Kunden gesunken, die Qualität aber gestiegen sei. "Außerdem haben wir viel Vertrauen gewonnen."

Der bisherige Erfolg des Automatisierungsprojekts hat Appetit auf mehr geweckt. Deshalb werden zur Zeit auf Künstlicher Intelligenz basierende Systeme zur Optimierung der Handhabung der Datenkassetten untersucht. Eine derartige Automatisierung

ergäbe eine bessere Ausnutzung des installierten 70-GByte-Plattenspeichers und würde damit neue Investitionen erst zu einem späteren Zeitraum erforderlich machen. Ziel dabei ist auch, dem Kunden bei der Verbesserung der Qualität und Leistungsfähigkeit seiner ihm zur Verfügung stehenden Systeme

zu helfen.

"Wir werden die Motivation unserer Mitarbeiter noch weiter steigern, indem wir alle Arbeitsplätze wegrationalisieren", scherzt Rolf Johanson, dessen Mitarbeiter es freilich besser wissen. Ernst ist ihm freilich seine Absicht, die Position der Atlas Copco Data als eines der effizientesten Rechenzentren der Welt zu erhalten.

*Benjit Bjönikäll arbeitet als Redakteur beim Computer Magazin in Schweden.

Obenstehender Anwenderbericht wurde dem comparex journal, Nr. 9, mit freundlicher Genehmigung des Unternehmens entnommen. Er beruht nicht auf Recherchen der CW-Redaktion

Problemlösung für das Rechenzentrum

Anwendungsunternehmen:

Atlas Copco Data, Schweden

Ansprechpartner:

Rolf Johanson, Präsident

Ansprechpartner im Lieferunternehmen:

Dr. Günter Wolf

Hardwareausstattung:

3084-Reihe von IBM, Kassettenlaufwerke Comparex

Softwareausstattung:

MVS 2.2.0