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07.11.1975 - 

Systems-Symposium "DV-Organisation"

Mehr Service-Funktionen für den ORG/DV-Bereich

MÜNCHEN - Mit einem "Grüß Gott in München" eröffnete Hans Jürgen Schwab von der Diebold Deutschland GmbH das Symposium C der Systems 75, das dem Thema "DV-Organisation" gewidmet war. Dann stellte er die Kernfrage: Gibt es einen Trend entsprechend dem Kongreß-Motto "Computer auf dem Weg zum Endbenutzer"? Sind die Fachbereiche in der Lage - nachdem sie ihre passive Rolle zur Ablaufveränderung aufgeben und die Frustration ihres Hoheitsverlustes überwinden konnten - eine echte Mitbestimmung bei der Auswahl der Anwendungsgebiete und der Festsetzung der Prioritäten auszuüben?

Seit 1960 hätte sich alle 5 Jahre die vorherrschende Einstellung

- zur Computer-Technologie,

- zur Rolle des Bereichs ORG/DV,

- zum ORG/DV-Management und

- zur Rolle der Fachbereiche geändert (siehe Tabelle). Computer sind zwar immer noch die Schlüsseltechnologie zur Beherrschung von Organisationsaufgaben, doch die euphorische Betrachtungsweise allumfassender integrierter Management Informations Systeme ist einer nüchterne Einschätzung gewichen, die vor allem die Grenzen des Wachstums zentralisierter Systeme erkennt.

Dienstleistungsbetriebe als Infrastruktur

Der ORG/DV-Bereich, der früher ausschließlich die Meinungsbildung zur Systemauswahl beeinflußte den Endbenutzern Fachfunktionen genommen hatte, wäre nun dabei, zu einem Dienstleistungsbetrieb zubilden. Nach dem Tod des Lochkartenchefs alter Prägung, schlug 1965 Geburtsstunde der Management-Technologen und 1970 die ORG/DV-Führungskräfte für Methoden, Verfahren und Serviceleistungen. Ab 1980 könnten sie zu Managern Kontrollorganen für Organisation und Information werden, während dann die Verantwortung für die wirtschaftliche Nutzung der DV-Infrastruktur bei den Endbenutzern liegen müßten.

Dr.-Ing. Heinrich Meckner von der Krupp Industrie- und Stahlbau forderte für den Computereinstz eine Kostensenkung und eine Planung nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben. Bisher hatte sich das Preis/Leistungsverhältnis eines DV-System um so mehr verbessert, je größer es ausgelegt wurde. Dies hatte zu eine Zentralisierung von Hardware, Software und Personal geführt. Heute gib es jedoch Kleinrechner, intelligente Terminals und Datenerfassungssysteme, die das Preis/Leistungsverhältnis günstig beeinflussen, wenn sie arbeitsplatzorientiert im Verband mit Großrechnern eingesetzt werden.

Der "Top-down-Effekt"

Durch diesen "Top-down-Effekt" ergeben sich Aufgabenverschiebungen: Der DV-Bereich wird Servicefunktionen zur Verfügung stellen und die Fachbereiche systemtechnisch beraten. Die Endbenutzer werden begrenzte Aufgabenstellungen - besonders im technischen Bereich - selbst programmieren. Organisation und Datenverarbeitung werden gemeinsam mit den Fachbereichen übergreifende Anwendungs- und Informationssysteme erarbeiten.

"Die betriebswirtschaftliche Herausforderung der DV-Manager" (so der Titel von Meckners Referat) ergibt sich daraus, daß sie an der Spitze dieser Vorhaben stehen. Es sind Gesamtkonzeptionen für den DV-Bereich zu planen, die einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren abdecken. Kostenverrechnungen auf die Kostenstellen derjenigen Fachbereiche, für die Leistung erbracht werden, sind als Mittel vorzusehen, um DV-Anwendung ausschließlich nach dem wirtschaftlichen Nutzen zu steuern. Große Bedeutung kommt dabei den Job-Accounting-Verfahren zu sowie dem Einsatz von Wertanalysen und Systemen zur Investitionsplanung und-kontrolle.

Aktuelle Rationalisierung

Hierzu kommt ein laufend aktualisiertes Rationalisierungsprogramm, um die Wirtschaftlichkeit des EDV-Betriebs, der eingesetzten Anwendungs- und Programmiersysteme und der Arbeitsmethoden für die Organisation zu verbessern. Auch die Vorteile, die

- Mixed Hardware,

- Leasing,

- Kauf gebrauchter Maschinen,

- Anschluß an Service-Rechenzentren

- Facilities Management und

- intelligente Datenerfassungssysteme im jeweiligen Einzelfall bieten, müssen laufend überprüft werden. So dürfe z. B. der Bildschirm nicht zum Statussymbol werden, wenn derselbe Effekt mit einem Kartenlocher und einem Drucker erreicht werden kann.

Richard E. Dooley, Unternehmensberater und Dozent am Illinois Institute of Technology, skizzierte den neuen Standort der DV-Organisation. So beschrieb er neue DV-Funktionsbereiche, die neben die traditionellen treten werden. Es wird Kommunikationsexperten für die Daten und für das Wort geben sowie Fachleute für Büroautomatisierung und Textverarbeitung, um diese Technologien in die EDV-Systeme einzugliedern. Informationsmanager sind dafür verantwortlich, daß nur die für die Benutzer nützlichen Daten verarbeitet und angeboten werden.

Der Cost-Accounting-Fachmann ist für die interne Revision zuständig und die alte Funktion des Industrial Engineers wird neu zu beleben sein, um DV-Arbeitsabläufe zu messen.

"Graphic Arts"

Schließlich fordert Dooley den Spezialisten für "Graphic Arts", der die Informationsdarbietung plant und dabei alle Möglichkeiten vom Digitaldisplay über Farben, Videobänder bis zu Dias einzubeziehen weiß.

Auch gelte es, den Bedürfnissen nach Sicherheit und Schutz der Privatsphäre Rechnung zu tragen, deren Bedeutung und Auswirkung die meisten EDV-Profis noch gar nicht zur Kenntnis genommen hätten.

Friedrich A. Meyer, geschäftsführender Gesellschafter der ADV/ ORGA-Gruppe, sieht in diesem Symposium einen Checkpoint, um den Einfluß neuer Produkte, Verfahren und Serviceleistungen auf ihre grundsätzlichen Auswirkungen hin zu betrachten. Die Zeit wäre vorbei, in der die Informationstechnologie hauptsächlich durch die Macht der Technik, die Argumente der Vertriebsstrategen und das Durchsetzungsvermögen der Hardware-Hersteller geprägt wurde. Heute stünden die Anwenderbedürfnisse im Vordergrund, die sich längst von den quantitativen Problemlösungen der operationellen Ebene auf die qualitativen der strategischen Ebene ausgedehnt hätten. Morgen müßte man mit einem Bedürfnis nach flexiblen. auf kurzfristige Benutzung fixierte Problemlösungen rechnen, bei denen der Computer lediglich ein Mittel zum Zweck sei.

Die große Lücke

Dazu müsse man aber erst die Lücke schließen, die derzeit noch zwischen der Formulierung der Anwenderbedürfnisse und deren Umsetzung in die computergerechte Programmierung klaffe. Das setzte beim Benutzer die Beherrschung gewisser ORG- und DV-Techniken voraus, wie die Kenntnis jener Methoden und Verfahren, für die Meyer selbst vor Jahren den Begriff , Orgware" geprägt hatte.

Große Bedeutung käme dem Einsatz anwendungsorientierter Standard-Software zu, deren Leistungsfähigkeit direkt von den Fachbereichen beurteilt werden sollte, nachdem diese die Anwenderbedürfnisse definiert hätten.

Im DV-Bereich vollziehe sich ein Strukturwandel zur ingenieurmäßigen Softwareentwicklung. Durch die konsequente Anwendung sogenannter "Software-Tools" (Generatoren für normierte und strukturierte Programmierung, Entscheidungstabellenumsetzung und Dateibeschreibung) könnten heute bis zu 70% eines Programms automatisch erzeugt werden. Der Einsatz von Listengeneratoren, Auskunfts- und Dateiverwaltungssystemen und die Handhabung komplexer Datenbanksysteme verstärken diesen Trend.

Zwei Fallstudien

Das Symposium wurde durch zwei Fallstudien abgerundet. Zunächst erläuterte Günter Dors von der Deutschen ITT Handelsgesellschaft das erfolgreich abgeschlossene Projekt, 13 Handelsfirmen mit unterschiedlicher Hardwareausstattung (eigenes RZ, Computerservice, Datensammelsysteme) unter ein einheitliches organisatorisches Dach zu bringen. Seine Lösung beruht auf dezentralen Datensammel-Systemen, intelligenten Dialogsystemen im Vorfeld, Standard-Paketen für die Buchhaltungsbereiche sowie einer individuell erstellten Fakturierung und Statistik. Die Fiktion, alles aus einer Hand zu beziehen, gibt es nicht mehr. Für die Hard- und Software hätte ITT mit 12 Lieferanten Verträge abgeschlossen, und dadurch die Projektlaufzeit von ursprünglich 12,5 Mannjahren auf ein Drittel verkürzen können.