Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.08.1984 - 

Inhouse-Anwendungen in der baden-württembergischen Verwaltung:

Mehr Service zwischen Behörden und für Bürger

Seit Ende 1983 erarbeitet das Statistische Landesamt Baden-Württemberg zusammen mit anderen Dienststellen des Landes Bildschirmtext-Programme. Kern dieser Programme ist ein Btx-Inhouse-System, über das Teile der Datenbanken des Landesinformationssystems Baden-Württemberg (LIS) online abgerufen werden können. Zur diesjährigen "telematica 84" wurden die Btx-Programme erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.

Die wesentlichen Hard- und Softwarekomponenten des eingesetzten Btx-Systems sind in Bild 1 dargestellt: Der IBM-Rechner verwaltet unter dem Datenbanksystem Adabas und IMS/DB die Datenbanken und Anwendungen des Landesinformationssystems. Das System Hewlett-Packard HP 3000 mit der Btx-Software Betex/3000 übernimmt die folgenden Funktionen:

- Btx-Inhouse-System: Betex/3000 kann unabhängig von der Post analog zu dem öffentlichen Bildschirmtextsystem betrieben werden. Der Systembetreiber kann zum Beispiel Informationsanbieter, Teilnehmer und bis zu 32 000 geschlossene Benutzergruppen anlegen, Nutzungsstatistiken führen und auswerten, interne Gebühren verrechnen etc. Das System wird in der Cept-Version eingesetzt und verfügt zur Zeit über 16 Kanäle für den Anschluß von Btx-Endgeräten direkt oder über Modem. Durch Hinzunahme weiterer Betex-Terminal-Controller kann die Zahl der Inhouse-Anschlüsse auf mehrere hundert erweitert werden. Der direktzugang über Telefon-Wählleitung kann ab Ende 1984 durch den Zugang über die Datex-P-PAD-Knoten der Post ergänzt werden, das heißt, daß bei größeren Entfernungen die Kosten auf der Basis der Datex-P-Gebühren kalkuliert werden können.

- Externer Rechner: Betex/3000 verfügt über einen Zugang zum Postsystem. Pro Betex-Gateway-Controller können 32 logische Datex-P-Kanäle im Netz der Post bedient werden. Betex/3000 unterstützt dabei das Multiplexen von 32 gleichzeitigen Btx-Sessions pro Datex-P-Kanal, das heißt, daß theoretisch 1.024 Btx-Sessions gleichzeitig abgewickelt werden könnten. Die Leitungskapazität von 9600 Bit pro Sekunde stellt hier eine natürliche Grenze dar, so daß bei Teilnehmerzahlen von einigen hundert zusätzliche Gateway-Controller eingesetzt werden sollten. Wesentlich ist für die Anwendungsentwicklung, daß der Zugang zum System über Rechnerverbund oder die Inhouse-Anschlüsse vollkommen transparent ist, also alle Programme gleichzeitig über alle Zugangswege genutzt werden können.

- Btx-Vorrechner: Da die Datenbanken des LIS auf den IBM-Rechnern des Statistischen Landesamtes verwaltet werden, ist ein Online-Zugriff auf diese Datenbestände erforderlich. Das System HP 3000 ist deswegen mit einem INP Intelligent Network Processor und der Emulationssoftware IMF Interactive Mainframe Facility von HP für IBM-3270-Applikationen ausgerüstet, über die Applikationsschnittstelle von Betex/3000 kann so auf jede 3270-Anwendung im Host zugegriffen werden. Ebenso können Anwendungsprogramme auf der HP 3000 Daten des Host weiterverarbeiten. Dieser "Hybridbetrieb" der HP 3000 gewährt eine optimale Flexibilität und führt zu einer weitgehenden Entlastung des Host von Btx-Anwendungen. Hinzu kommt, daß mit der HP 3000 außerhalb der Betriebszeiten des Host der automatische Btx-Dienst aufrechterhalten werden kann. Dies ist insbesondere für das Projekt "Datenerfassung mit Btx" des Statistischen Landesamtes interessant, aber auch für Bürgerinformationsdienste, die einen 24-Stunden-Betrieb erfordern.

- Anbindung von Anwendungsprogrammen: Jedes beliebige Anwendungsprogramm kann über die Applikationsschnittstelle über Btx-Masken angeboten werden. Ein Programm wird dabei über eine beliebige Btx-Seite aufgerufen und übernimmt dann die volle Kontrolle des Ablaufs. Damit kann der Durchgriff auf bestehende Datenbankanwendungen einfach verwirklicht werden.

Im Rahmen der Btx-Dienstleistungen des Statistischen Landesamtes können derzeit im Inhouse-Betrieb bereits folgende Programme genutzt werden:

- LIS-Aktuell: Die Ergebnisse der Europawahl waren schon am Tage nach der Wahl für alle Wahlkreise des Bundesgebietes abrufbar. Die Daten wurden noch in der Wahlnacht vom Bundeswahlleiter (Statistisches Bundesamt) übernommen. Als Zusatzinformationen stehen auch die Ergebnisse aller Landtags- und Bundestagswahlen in Baden-Württemberg zur Verfügung. Die Wahlergebnisse sind in einer Adabas-Datenbank auf einem Rechner des Statistischen Landesamtes gespeichert. Bei dieser Anwendung wurde auch die programmgesteuerte Umsetzung von Tabellen in Balkendiagramme implementiert: Der Benutzer kann sich ein Wahlergebnis auf Wunsch auch in einer Cept-Grafik darstellen lassen.

- LIS-Regional: Für alle Gemeinden, Kreise und Regionen des Landes stehen über Btx Informationen über Strukturdaten aus Bevölkerung, Kultur und Wirtschaft zur Verfügung, die in einer IMS-Datenbank des Landesinformationssystems gespeichert sind.

- LIS-Länderspiegel: Unmittelbar im Btx-Rechner HP 3000 des Statistischen Landesamtes sind demographische und ökonomische Eckdaten über Bund und Länder gespeichert.

- LIS-Parlament: (in Zusammenarbeit mit der Landtagsverwaltung): Aus einer weiteren IMS-Datenbank des LIS sind Nachweise über Initiativen von Parlamentariern und Debatten des Landtages sowie über den Stand der parlamentarischen Behandlung von Gesetzen, Anfragen etc. abrufbar.

Im Rahmen der Funktion als Btx-Zentralstelle wird das Programm des Statistischen Landesamtes durch Angebote anderer Landesbehörden ergänzt, die als reine Btx-Informationsprogramme ohne programmatischen Durchgriff konzipiert sind und auf dem Betex/3000-Inhouse-System verwirklicht wurden:

- Landtag von Baden-Württemberg: Informationen über Präsidium, Fachausschüsse, Fraktionen und Verwaltung.

- Datenzentrale Baden-Württemberg: Informationen über Organisation, Projekte und Programme.

- Ministerium für Kultus und Sport sowie Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Zusammenarbeit mit der Landesstelle für Erziehung und

Unterricht: Informationen über Schule und Studium in Baden-Württemberg.

- Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr: Informationen über Organisation, Wirtschafts- und Verkehrspolitik.

Erprobung von Suchhilfen

Das derzeitige Inhouse-Programm des Statistischen Landesamtes dient auch der Erprobung von Suchhilfen. So wurden im Falle von LIS-Aktuell, LIS-Regional und LIS-Parlament programmgesteuerte Datenzusammenstellungen realisiert. Ohne spezielle Benutzersprachen können über Btx-typisches hierarchisches Suchen die Datenbanken des angeschlossenen Host abgefragt und die Rechercheergebnisse in den Btx-Rechner übertragen werden, wo sie dann für die Weiterverarbeitung und die Anzeige zur Verfügung stehen. So können zum Beispiel über Wahlkreisnamen Ergebnisse beliebiger Wahlkreise oder über den Namen von Gemeinden des Landes Baden-Württemberg die zugehörigen Datenprofile abgerufen werden. Diese Lösung erschließt bereits heute den Zugang zu rund 40 000 Dokumenten und rund 10 000 Tabellen, das heißt einem Datenbankumfang, der schon allein aus Kostengründen niemals im öffentlichen System der Post gespeichert werden könnte.

Neben dem hierarchischen Suchen wurde auch die freie Informationssuche über Schlagworte realisiert.

Die auf der Basis der genannten Anwendungen gewonnenen Ergebnisse zeigen, daß die Öffnung der Datenbanken des Landesinformationssystems über ein einheitliches, genormtes und interaktives Kommunikationssystem wie Btx wesentlich erweiterte Dienstleistungen von Landesbehörden sowohl untereinander als auch für den Bürger erlaubt. Dabei ist daran gedacht, die Datenbanken des LIS den Landesbehörden im Großraum Stuttgart über das interne Telefonnetz anzubieten (Inhouse-System). Der Bürgerservice könnte über den Betrieb des Systems als externer Rechner im Rechnerverbund mit dem Btx-System der Post angeboten werden. Anfang August wurde der erste Betex-Gateway-Controller installiert. Da die Rechnerverbundsoftware bereits die Postabnahme erhalten hat, kann mit dem Probebetrieb der bereits fertiggestellten Anwendungen auch über Rechnerverbund in Kürze begonnen werden.

Neues Projekt:

Datenerfassung mit Btx

Ein weiteres interessantes Projekt "Datenerfassung mit Btx" wird vom Statistischen Landesamt im Auftrag des Finanzministers Baden-Württemberg bearbeitet. Dabei soll untersucht werden, welche technischen Möglichkeiten der dezentralen Erfassung von statistischen Daten über Btx-Terminals bestehen (siehe Bild 2). Untersucht werden vier Varianten:

- Datenerfassung über Btx-Antwortseiten

Hierbei werden die Daten direkt in Antwortseiten des Mitteilungsdienstes des Postsystems eingegeben. Die ausgefüllten Masken werden im elektronischen Briefkasten der DBP gespeichert, der regelmäßig zu leeren ist. Dies kann sowohl über einen Mikrocomputer erfolgen, der die Daten dann im entsprechenden EDV-Format an den Host oder den Vorrechner übergibt, als auch durch Überspielen angesammelter Antwortseiten auf Magnetband durch die Deutsche Bundespost.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, den Btx-Vorrechner als Teilnehmerstation (statt eines Mikrocomputers) zu betreiben.

Die Benutzung von Antwortseiten hat allerdings den Nachteil, daß keinerlei logische Prüfungen erfolgen können und die Übergabe der Daten an den Host mehr oder weniger aufwendig ist, so daß diese Variante nicht weiterverfolgt wird.

- Programmgesteuerte Erfassung auf dem Vorrechner (Inhouse-Lösung)

Wie im vorstehenden Fall werden Erfassungsmasken zur Verfügung gestellt, allerdings erfolgt die Erfassung nicht über elektronische Post, sondern über Erfassungsprogramme im Btx-Vorrechner, die eine Plausibilitätsprüfung und eine unmittelbare Korrektur der Eingabe im Dialog erlauben. Bei dieser Variante wird das Btx-Inhouse-System direkt über Telefon angewählt. Der Umweg über den Rechnerverbund mit dem Postsystem entfällt. Außerhalb des Ortsnetzes von Stuttgart werden allerdings Ferngesprächsgebühren berechnet, so daß die Ergänzung dieser Variante durch den bereits oben erwähnten Zugang zu Betex/3000 über einen PAD-Knoten des Datex-P-Systems der DBP erwogen wird.

Diese Inhouse-Variante hat viele interessante Aspekte und wird deswegen weiterverfolgt.

- Programmgesteuerte Erfassung auf dem IBM-Host mit Hilfe des Vorrechners (Inhouse-Lösung)

Diese Variante entspricht der vorhergehenden. Die Erfassungsprogramme laufen allerdings auf dem IBM-Host ab. Der Btx-Rechner dient in diesem Fall lediglich als Kommunikationsschnittstelle zum Btx-Terminal. Nachteilig ist hier, daß der Host mit Erfassungsarbeiten belastet wird und eine Erfassung außerhalb der Betriebszeiten des Host nicht möglich ist. Von Vorteil wären die erweiterten Plausibilitätsprüfungen mit dem Gesamteingabematerial.

- Datenerfassung über externen Rechner im Rechnerverbund mit der Bundespost

Die Datenerfassungsprogramme laufen wie bei den beiden vorerwähnten Varianten auf dem Vorrechner beziehungsweise dem Host ab. Allerdings wird das Bildschirmtextsystem der Post für die Informationsweiterleitung zwischen Btx-Terminal und dem Vorrechner HP 3000 eingesetzt. Ein Vorteil dieser Variante liegt sicherlich in der einheitlichen Gebührenstruktur von jedem Erfassungsplatz aus (Telefongebühren plus Datex-P-Gebühren). Allerdings ist eine zusätzliche Komponente mit der Datex-P-Vermittlungsstelle und dem Datex-P-Netz zu berücksichtigen. Auch diese für deutsche Verhältnisse klassische Btx-Erfassungsmethode wird weiterverfolgt.

Die bisherigen Untersuchungen zeigen, daß wahrscheinlich eine Kombination aus einer der Inhouse-Varianten und der externen Rechnerlösung das beste Kosten/Nutzen-Verhältnis hat. Die weiteren Tests werden hier genauere Daten liefern. Sicher scheint jedoch schon heute zu sein, daß die häufig unzutreffende Fixierung auf den von der DBP propagierten Rechnerverbund nicht in allen Fällen die optimale Lösung darstellt. Inhouse-Systeme können in vielen Fällen, insbesondere im Telefon-Ortsbereich Vorteile haben.

*Dipl.-Math, Hans-Viktor Kraemer ist Oberregierungsrat im Statistischen Landesamt Baden-Württemberg.