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30.09.1988 - 

Nur bei exakter Bedarfsanalyse bringen die geänderten Zulassungsbedingungen

Mehr Spielraum für User mit TK-Anlagen

STUTTGART (CW) - Die bevorstehende Änderung der Zulassungsbedingungen für ISDN-TK-Anlagen und -Systeme (ZulB) wurde jetzt auf dem "Komm-Treff '88" seitens fünf namhafter Lieferanten von TK-Anlagen einhellig als anwenderfreundlich begrüßt. Weniger freundlich fielen indes die Kommentare der Großanwender selbst aus.

Auf der Stuttgarter Veranstaltung der Teleconsulting, Gäufelden, und des Ingenieur-Büros Steuer, Hannover, traf eine stattliche Gruppe potentieller TK-Anwender mit Vertretern der Häuser IBM, Nixdorf, Northern Telecom, Philips und Siemens zusammen.

Wo die Hersteller erstaunlich einhellig die Befreiung von Reglementierungen und Beschränkungen feierten - sie gipfelten in der Prognose, jede Anwendungsentwicklung könne demnächst optimal bedient werden - da kritisierten eben diese interessieren Anwender beispielsweise, daß die künftige Zulassung durch die Bundespost den Wert einer Funktionsgarantie (weitgehend) einbüße.

Mehr Wissen bei mehr Transparenz

Die damit andererseits einhergehenden Verbesserungen, welche die Hersteller so einhellig begrüßten, greifen indes nur unter zwei Voraussetzungen, so die Firmensprecher: Erstens, daß die ausschreibenden Anwenderunternehmen "wissen, was sie wollen" und zweitens, daß auf seiten der Hersteller eine gegenüber heute wesentlich bessere Transparenz des Liefer- und Leistungsspektrums hergestellt wird.

Die Gruppe der Anwender konnte solchen Tönen jedoch nicht uneingeschränkt folgen. "Mit weit über tausend vertretenen Anlagen" wissen die Anwender wohl besser, was sie wollen, als die Hersteller ihnen zugestehen. Man benötige also künftig zur Abfrage der Zulassungsnummer eine detailliert aufgeschlüsselte Checkliste, um Art und Umfang der zugelassenen Merkmale zu hinterfragen, zum Beispiel:

- Ein- oder Mehrdienstanlage?

- TK-Anlage für welche Dienste?

- Sind alle Basismerkmale in die Zulassung einbezogen?

- Welche optionalen Merkmale sind in der TK-Anlage im jeweiligen Dienst einsetzbar?

- Welche Schnittstellen werden angeboten (dienstabhängig)

- zur Amtsseite, also zum Netzknoten der Post

- zur Teilnehmerseite (a/b, S0, Up0, Uk0, etc.)?

- Welche Protokolle werden auf der Teilnehmerseite schnittstellenabhängig einsetzbar sein?

Einfacher scheint die Auswahl einer Nebenstellenanlage respektive einer ISDN-TK-Anlage für den Anwender also nicht geworden zu sein; er benötigt, und darin waren sich alle Teilnehmer des Stuttgarter Komm-Treffs letztlich einig, eine Aufstockung seines Fachwissens, um den neu gewonnenen Freiraum nutzen zu können und vorläufig noch die Unterstützung seines Lieferanten sowie gegebenenfalls weitere Beratung.

Die Herstellervertreter waren sich einig, daß im Anlagenverbund beispielsweise über Festverbindungen der Gruppe 2 der Post dringend Protokollfestlegungen benötigt werden. Die optimale Basis sei die international favorisierte Q 931, die das Haus Siemens jedoch auf die Funktionalität des CorNet-Protokolls erweitert sehen möchte. Hier gab es dann "Herstellerschelte": Es war nämlich nicht erkennbar, daß der Anwender im Bereich der TK-Anlagen kurzfristig durch Hersteller einheitlich abgestimmte Protokolle erwarten kann. Zwar wurde beschworen, daß man intensiv daran arbeite; als Gesamteindruck blieb jedoch haften, daß noch einige Zeit vergehen wird, bis das Protokoll zur Verfügung steht. Ein Normierungsanstoß durch die Post schien nicht unerwünscht, vorausgesetzt, dies erfolge auf international akzeptierbarer Linie. Offen ist in diesem Zusammenhang aber vor allem, wie die DBP die Protokollelemente für die Messung der Verbindungszeit definieren wird, und dies möglichst international abgestimmt.

Differenziert wurde auch das Angebot der S0 auf der Teilnehmerseite TK-Anlage diskutiert. Gemeinsames Einverständnis war sofort, daß die S0 nicht die einzige und auch nicht zwangsweise oktroyierte Schnittstelle sein dürfte.

Dem Anwender muß jedoch die Möglichkeit eingeräumt werden, "hauptanschlußfähige" Nicht-Sprache-Endgeräte mit S0-Schnittstelle im Inhouse-Bereich einzusetzen. Hier ist dann jedoch sofort wieder die 1TR6 die Basis und damit konsequenterweise auch Bestandteil eines Protokolls der Teilnehmerseite. Das Optimalprotokoll der S0-Schnittstelle sollte somit wie folgt aufgebaut sein:

- Grundmenge 1TR6, beispielsweise für direkt nahwahlfähige Fax-Geräte;

- Erweitertes, standardisiertes Protokoll zur Ausnutzung der Leistungsmerkmale einer TK-Anlage, zum Beispiel DKZ-X, möglichst langfristig stabil und international vertretbar;

- In der dritten Ausbaustufe Freiraum für herstellerspezifische Leistungsmerkmale.

Von Bedeutung ist, daß Hersteller und Anwender auch den klassischen V- und X-Schnittstellen eine lange Lebensdauer einräumen. Somit werden in diesem Bereich künftig wohl preisgünstige Adapter mit entsprechender Bitratenanpassung zu erwarten sein.

Abschließend das Bonbon und Trostpflaster für verschreckte Anwender: Der standardisierte digitale Telefonapparat mit einheitlichen Schnittstellen und einheitlicher Benutzeroberfläche wird kommen; dies wurde von allen Herstellervertretern mehr oder weniger deutlich signalisiert. Trotzdem müssen die Hersteller darauf bedacht sein, durch mehr Kooperationsbereitschaft den Einsatz von TK-Anlagen beziehungsweise -Systemen zu erleichtern und so einer sonst möglichen "Nutzungsverweigerung" seitens der Anwender - auch im eigenen Interesse - entgegenzuwirken.