Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.10.1981 - 

Banken werden bis 1990 stark rationalisieren:

Mehr Zahlungsverkehr mit weniger Personal

MÜNCHEN (CW) - Europas Banken müssen rationalisieren, um zu überleben. Automaten sollen bis 1990 die Arbeit von 200 000 Bankangestellten übernehmen. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts wird es weniger Zweigstellen und weniger Personal in den europäischen Banken geben, dafür aber mehr Roboter-Kassen und mehr Zahlungsverkehr.

Diese zum Teil düsteren Zukunftsvisionen sind in der Studie "Die Automation im europäischen Bankwesen 1979 bis 1990" zu lesen, herausgegeben von der Pactel GmbH, Frankfurt. Bankkunden werden sich langsam daran gewöhnen müssen, ihr Geld nicht mehr vom "vertrauten Gesicht" hinter dem Schalter ausgezahlt zu bekommen. Mittels Codewort und Scheckkarte müssen sie es selbst aus einem Automaten ziehen.

Die Ursachen für die Automation sieht Pactel vor allem in dem verschärften Wettbewerb und steigenden Kosten. Die Bankinstitute stehen vor der Aufgabe, die Beratung ihrer Kunden zu verstärken, ihre Service-Leistung zu verbessern - und dabei auch noch die Kosten zu senken. Mehr als fünf Milliarden Mark sollen die europäischen Banken jährlich in die weitere Automation investieren. Der Wert der bei Kreditinstituten installierten Datenverarbeitungssysteme dürfte bis Ende 1990 von heute 13 Milliarden Mark auf 29 Milliarden Mark ansteigen. Besonders großes Wachstum wird für Geldausgabe-Automaten erwartet. 50 000 dieser "Roboter" soll es bis zum Ende dieser Dekade geben. Auch Textverarbeitung und Mitarbeiter-Terminals zum direkten Datenverkehr mit der Bankzentrale dringen verstärkt auf den Markt vor.

Ob die Hersteller allerdings in der Lage sind, sich von diesem Kuchen eine dicke Scheibe abzuschneiden, bleibt abzuwarten. Daß die Bankvorgänge sich nicht nur in verschiedenen Ländern, sondern sogar innerhalb eines Landes oder Region voneinander unterscheiden, macht es für sie nicht leichter. Die miteinander konkurrierenden Banken haben meistens die unterschiedlichsten Ideen, wie neue Technologien eingesetzt werden könnten.

Außerdem hat sich, so Pactel, die Einstellung des Banken-Managements in letzter Zeit geändert. Es wäre ja bereit, auf der Woge neuer Technologien mitzuschwimmen, ist aber mit den "Schwimmflügeln" der Hersteller nicht ganz glücklich. Die Terminals seien zu laut, die Bildschirm-Wiedergabe nicht scharf genug und das Layout verursacht auch nicht gerade Begeisterungsstürme Die "Banker" vertrauen sich nicht mehr blindlings einem Hersteller an, sondern schauen sich auf dem Markt um. Nicht selten werden Geräte verschiedener Hersteller gekauft und zu neuen Systemen geformt. Nicht umsonst gibt es den Insiderspruch: "In den USA feuert man den Chef, wenn das Bank-Terminal nichts bringt, in Europa wird das Terminal rausgeschmissen. "

Viele Bankangestellte sehen diesen Rationalisierungsmaßnahmen mit Unruhe entgegen. In Europa gibt es über 14 000 Banken mit 150 000 Niederlassungen und zwei Millionen Beschäftigten. Dringt die Automation wirklich in dem von Pactel prognostizierten Maße vor, könnte dies für über zehn Prozent der Beschäftigten den Verlust des Arbeitsplatzes bedeuten. Für die Bundesrepublik Deutschland, die mit rund 5378 Banken und 37 768 Zweigstellen, das bestausgebaute Bankwesen in Europa besitzen soll, würde es heißen, daß rund 50 000 der zur Zeit etwa 500 000 Arbeitsplätze überflüssig werden.