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12.09.1986 - 

Programmier-Tools sollten im System enthalten sein:

Mehrdimensionalität schafft neue Möglichkeiten

Der Endbenutzer kann und will meist nicht programmieren. Deshalb muß diese Aufgabe soweit wie möglich bereits im System gelöst werden. Typisch für die Sprachen der vierten Generation sind ihre Mehrdimensionalität und der nichtprozedurale Ansatz.

Ende der 7Oer Jahre stellte die IBM fest, daß die DV-Abteilung von 100 Prozent Anwendungen etwa zwei Drittel wegen Überlastung nicht realisieren konnte. Dahinter verbargen sich nochmals 112 Prozent unsichtbarer Anwendungswünsche, die in Anbetracht dieser Situation erst gar nicht formuliert wurden. Nur zwei Gründe von vielen für die Überlastung: Die wachsende Daten- und Informationsflut weckte in immer mehr Mitarbeitern von Fachabteilungen den Wunsch, ihre Informationsbedürfnisse mit Hilfe der DV zu lösen. Zum zweiten wurden die Anwendungen immer komplexer und komplizierter und setzten fundierte Kenntnisse der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge voraus: damit waren die DV-Experten übetfordert.

MlT-Studie differenziert zwischen zwei Systemtypen

"Help the user help himself" lautete der Slogan einer Werbekampagne von Big Blue Anfang der 80er Jahre. Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) folgerte, daß dem Endanwender Sprachen mit einem hohen Niveau, Zugriffsmöglichkeiten auf Datenbanken und außerdem ein fundiertes Training an die Hand gegeben werden müßten. Das MIT unterschied in einer Untersuchung zwischen zwei Kategorien: einerseits die für Transaktionen (traditionelle DV) konzipierten, andererseits die auf Abfrage und Analyse (Sprachen der vierten Generation) ausgerichteten Systeme. Um den Endanwender zufriedenzustellen, mußten sie mit flexiblen Datenbanksystemen, Modellbildung, "Was, ist wenn?" - Fragen und Ad-hoc-Analysen aufwarten.

Die Softwaresysteme erfüllten tatsächlich die Postulate der Fachabteilungen wie Vertrieb, Controlling oder Marketing. Umgekehrt stellte aber auch die Software Forderungen an die Mitarbeiter dieser Abteilungen, die bis dato keine DV-Kenntnisse im herkömmlichen Sinne hatten. Diverse Hilfsmittel für den Endanwender konnten bereits in die Software eingebaut werden, aber vieles mußte er von sich aus beitragen, um unabhängig und in eigener Regie an seinem Arbeitsplatz Informationsverarbeitung zu betreiben.

4 GLs sollen den Endbenutzer entlasten

Nachdem die Hardwarepreise in den letzten Jahren rapide sanken, die Personalkosten hingegen kontinuierlich kletterten, wurde soviel Arbeit wie möglich dem Rechner überlassen. Softwaresysteme der vierten Generation sind auf Großrechner hin konzipiert und daher auf mächtige und komplexe Anwendungen ausgelegt. Viele Schritte, die früher der DV-Fachmann noch programmierte, werden heute vom System selbständig durchgeführt und dem Endanwender damit abgenommen.

Zwei wesentliche Merkmale der (sogenannten "Sprachen der vierten Generation") 4 GLs sind ihre Mehrdimensionalität und das Nicht-Prozedurale. 4 GLs werden auch Decision-Support-Systeme genannt oder Management-Planungssprachen. Für eine Unternehmensplanung müssen eine Reihe von Abhängigkeiten berücksichtigt werden, die sich kaum in der bisher üblichen Betrachtungsweise der zweidimensionalen Spreadsheets darstellen lassen.

Arbeit mit Modellen bringt Verständnis

Man spricht von Entscheidungsprozessen, weil mehrere Schritte dorthin führen und Entscheidungen auf allen Ebenen eines Unternehmens vorbereitet und getroffen werden. Das Problem wird definiert, Daten gesammelt, Modelle erstellt. Die Arbeit mit diesen Modellen erleichtert die Mehrdimensionaliät, weil sich einzelne Scheiben aus einem Modell in der jeweils gewünschten Form auf den Bildschirm holen lassen. Dort kann man sie beliebig verändern, selektieren und gruppieren. Mit mehrdimensionalen Planungssprachen können wirklichkeitsgetreue Unternehmensbilder mit allen hierarchischen Strukturen abgebildet werden.

Der Endanwender kann und will nicht programmieren. Deshalb muß auch diese Aufgabe soweit wie möglich bereits im System gelöst werden. Sprachen der vierten Generation sind nicht-prozedural, weil sie sich selbst programmieren. Befehle und Begriffe können in bis auf wenigen Ausnahmen in beliebiger Reihenfolge eingegeben werden. Der Computer beziehungsweise die Software sucht sich ihren Weg selbst.

Mangelnde Motivation wirkt als Hemmschuh

Der Konflikt bei der Erfüllung der 4 GLs war programmiert. Zum einen gab es die Auseinandersetzung zwischen DV-Abteilung und Endanwender: Darüber hinaus konnten sich viele User nicht damit abfinden, auf einmal einen PC auf dem Tisch zu haben und selber in die Tasten zu greifen. Außerdem fehlte es an Motivation, um die schließlich doch erforderliche Schulung über sich ergehen zu lassen.

Ein Benutzer-Service wurde ins Leben gerufen, in vielen Unternehmen auch Information-Center genannt. Man kreierte die Position des Information-Managers, der zusammen mit seinen Mitarbeitern den erwähnten Konflikt lösen und Endanwender und DV zu einem friedlichen Miteinander bringen sollte.

Hier findet sich jetzt eine ganz neue Art des DV-Experten. Er versteht zwar eine Menge von seinem Fach, muß aber auch betriebswirtschaftlich beschlagen sein, um die Applikationen seiner Endanwender zu durchschauen. Darüber hinaus sollte er Neigung zum Animateur und Seelsorger in sich tragen, damit er gleichzeitig motivieren, aber auch Frust und Mißerfolge seiner Benutzerschar vertreibt. Eine Art Allround-Talent mit pädagogischen Qualitäten ist also gefragt.

Planungssprachen sind nicht populär genug

Auch wenn der Begriff Management-Planungssprache einen Manager mit PC oder Terminal implizieren will, verfügen und nutzen in Deutschland gerade zwei Prozent dieser Gruppe einen PC. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft noch eine kräftige Lücke, deren Ursache vor allem in der Natur des Anwenders selbst liegt.

Viele Sachbearbeiter und Abteilungsleiter betrachten die DV für sich nicht als echte Arbeitserleichterung, weil sie nach jahrzehntelangem Umgang mit herkömmlichen Methoden Akzeptanz- und Umstellungsprobleme haben. Erst mit der Generation der jetzt 30- bis 35jährigen, die schon während ihres Studiums mit der DV in Berührung kamen und jetzt in gehobenere Positionen der Unternehmen drängen, wird sich dieses Bild ändern.

Der Erfolg der Sprachen der vierten Generation ist also nicht nur eine Frage ihres Anwendungsspektrums, sondern ganz wesentlich verknüpft mit den Fähigkeiten des Softwareherstellers. Ziel ist es, gemeinsam mit dem Information-Center des Kunden Endanwender zum Umgang mit den Sprachen zu motivieren, zu schulen und vom Nutzen zu überzeugen. Daß in den Werbeaussagen der Softwarelieferanten Benutzerfreundlichkeit und leichte Erlernbarkeit ganz oben anstehen, belegt zusätzlich, daß der Endanwender im Mittelpunkt steht und dann erst das Produkt.