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21.04.1995

Mehrheitliche Privatisierung erst im zweiten Schritt Paris nimmt NEC und Motorola als Bull-Anteilseigner an Bord

21.04.1995

Von CW-Korrespondent Lorenz Winter

Noch kurz vor der Osterpause und dem ersten Praesidentschafts- Wahlgang gab das Pariser Kabinett gruenes Licht fuer die Teilprivatisierung der Groupe Bull S.A. NEC, Motorola und France Telecom sollen dabei den "industriellen Sockel" der Bull-Eigner bilden. Erst in einer zweiten Phase duerfte der Staatsanteil an dem Computerhersteller auf weniger als die Haelfte zurueckgefuehrt werden.

Durch die jetzige Operation wuerde sich das Gesellschaftskapital von Bull, das zum Bilanzstichtag 31. Maerz 1995 rund 633 Millionen Franc (etwa 180 Millionen Mark) ausmachte, Expertenmeinungen zufolge auf knapp 900 Millionen Franc erhoehen. Dieser Mittelzufluss ist (vorerst) bescheidener, als sich Wirtschafts- und Industrieministerium urspruenglich erhofft hatten. Schliesslich lag die Nettoverschuldung des Computerfabrikanten Ende Maerz immer noch bei 2,9 Milliarden Franc. Bull kann also erst dann finanziell wirklich als gesundet gelten, wenn dieser Summe zwei oder drei Milliarden Franc Eigenmittel gegenueberstaenden. Ob eine solche Bilanzstruktur erreicht wird, haengt insbesondere davon ab, welchen Aktienpreis die aufsichtfuehrende Privatisierungskommission definitiv genehmigt.

Dennoch kann Vorstandsvorsitzender Jean-Marie Descarpentries mit dem sich jetzt abzeichnenden Privatisierungsschema zufrieden sein. Mit den drei genannten Gruppen verfuegt er ueber erstklassige Referenzaktionaere. NEC erhoeht im Zuge der ersten Etappe seinen Anteil bei Bull von 3,7 auf 17 Prozent. Motorola uebernimmt zehn Prozent, wenn auch wohl nur indirekt: Zur Nutzung von Power-PC- Entwicklungen gruenden Amerikaner und Franzosen ein Joint-venture, das dann seinerseits ins Bull-Kapital einsteigt. France Telecom wandelt endlich einen schon geleisteten "Aktionaersvorschuss" in haftendes Kapital um.

Da IBM bereits frueher erklaert hatte, man werde sich an der Kapitalerhoehung nicht beteiligen, koennte die bisherige Quote von Big Blue bei Bull durch die jetzt beabsichtigten Operationen so zusammenschmelzen, dass die Firma womoeglich ganz darauf verzichtet.

Ueberraschend meldete sich kurz vor Toresschluss IPC aus Singapur wieder zu Wort. Nachdem die Firma zunaechst eine Absage erteilt hatte, will sie sich in der zweiten Privatisierungsphase nun doch mit vielleicht fuenf Prozent an Bull beteiligen.

Neben IPC traeten in der zweiten Phase auch Fuehrungskraefte und Mitarbeiter von Bull ins Gesellschaftskapital ein. Erst dann kann tatsaechlich von "Privatisierung" die Rede sein. Denn zunaechst bleibt die oeffentliche Hand (einschliesslich France Telecom) noch Mehrheitseigner - und zwar zu mindestens 70 Prozent.