Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.08.1985 - 

Die Liberalisierungsdebatte bezieht auch die VAN-Thematik mit ein:

Mehrwertdienste: Definition, Bedeutung, Probleme

MÜNCHEN (cmd) - Anders als in den USA, Großbritannien und Japan fanden der Begriff " Value Added Network ", oder kurz VAN, und das damit verbundene Dienstleistungsangebot in der Bundesrepublik bisher nur Eingang in Expertenzirkel. Im Zuge der Debatte um die Liberalisierung der Bundespost und mit dem Aufkommen des ISDN findet nun das Thema allmählich auch bei uns zunehmende Beachtung.

Der Begriff " Value Added Network " entstand Anfang der 70er Jahre in den Vereinigten Staaten, und zwar wurden damit zunächst kleine Datenkommunikationsnetze mit Paketvermittlung umschrieben, die besondere datenspezifische Leistungsmerkmale wie zum Beispiel Geschwindigkeits-, Protokoll-, Code- oder Formatumsetzungen boten und in den leistungsvermittelten Netzen der großen Fernmeldegesellschaften nicht möglich waren. Inzwischen steht die Abkürzung VAN - von Value Added Network - nicht mehr nur für das Netz, sondern auch für den Dienst (Service) und für den Diensterbringer (Carrier).

Meist ist jedoch heutzutage mit VAN der Dienstleistungsaspekt gemeint: die "Veredelung", Verfeinerung oder Weiterentwicklung eines bereits von einer Fernmeldegesellschaft oder -verwaltung angebotenen Dienstes durch zusätzliche Merkmale. Die bekanntesten Beispiele sind hier etwa Bildschirmtext und das Bankennetz ..Swift".

Ein solcher ..Mehrwertdienst" - so die deutsche Bezeichnung - geht über das Bereitstellen von reiner Übertragungskapazität hinaus und setzt Nachrichtenspeicherung und -verarbeitung im Netz voraus. Mit Blickrichtung auf die vielfältigen Möglichkeiten, die das ISDN ab 1988 in puncto VAN bieten wird, spricht die Bundespost daher auch von "Komfort-Fernmeldedienstleistungen" .

Das "Jahrbuch der Deutschen Bundespost 1985" skizziert das heute denkbare VAN-Potential (Abbildung 1) in den öffentlichen Netzen, wobei wiederum unterschieden wird zwischen netznahen und netzfernen Dienstleistungen (Abbildung 2). Netzdienstleistungen sind darin definiert als zentrale Leistungsmerkmale, die technisch in den Netzknoten der öffentlichen Wählnetze, das heißt in den Vermittlungsstellen, bereitgestellt und von den Kunden in Anspruch genommen werden können. Die modernen digitalen Vermittlungsstellen der Zukunft werden hier den Fernmeldeverwaltungen ein weites Feld für das Angebot neuen Fernmeldekomforts eröffnen, zumal wenn die Kunden später im ISDN über entsprechende Endgeräte verfügen.

In Abgrenzung dazu sind Endgerätedienstleistungen aus der Sicht der Post "dezentrale Leistungsmerkmale, die in den Endeinrichtungen beim Kunden, das heißt hinter dem Netzabschluß, bereitgestellt werden. Das beste Beispiel sind die zahlreichen Leistungsmerkmale der Komforttelefone und die zirka 600 zugelassenen Typen von privaten Zusatzeinrichtungen vom Anrufbeantworter bis zu Sicherheitseinrichtungen (Notruf und Einbruchmeldegeräte). Hierzu zählen auch die gesamten über Datenbanken angebotenen Informationsdienste"

Die aufkommende ordnungspolitische Debatte um die Liberalisierung der Bundespost wirft freilich ein neues Problem auf: Die Frage der Zulassung privater VAN-Anbieter und die damit verbundenen wirtschaftlichen Konsequenzen für den derzeitigen Netzträger. Bis zur flächendeckenden Einführung des ISDN gibt es praktisch drei Möglichkeiten, Mehrwertdienste als Komfortdienstleistungen anzubieten (Abbildung 3):

- über die öffentlichen Wählnetze beziehungsweise über deren Mitbenutzung,

- auf Leitungen, die vom Netzträger angemietet werden, oder

- auf eigenen Leitungen eines privaten VAN-Carriers.

Hier sind entsprechende benutzungs- und tarifrechtliche Bestimmungen erforderlich, die zum einen den Interessenten privater VAN-Anbieter gerecht werden, zum anderen aber auch die aus der gemeinwertschaftlichen Verpflichtung der Post resultierenden Interessen berücksichtigen. Anschauungsunterricht über die möglichen negativen Folgen einer Liberalisierung, aber auch mögliche Organisationsmodelle geben hier sicherlich die in den USA, Japan und vor allem in Großbritannien gemachten Erfahrungen.