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22.06.2001 - 

TK-Messe Supercomm 2001

Mehrwertdienste statt Bandbreite

ATLANTA (CW) - Eine Woche lang war Atlanta das Zentrum der amerikanischen TK-Industrie. Auf der Messe Supercomm 2001 zeigten rund 800 Aussteller neue Produkte und Trends aus den Bereichen Optical Networking, DSL sowie Wireless.

Die von der Telecommunication Industry Association und der United States Telecom Association organisierte Supercomm hat sich einen festen Platz als Leistungs-Show der US-TK-Industrie erobert. Für Analysten ist die Supercomm allerdings mehr als nur ein Marktplatz für Neuheiten, denn die Messe gilt auch als Stimmungsbarometer für die TK-Industrie.

Provider suchen Service-PlattformUnd die Stimmung war nach den Hiobsbotschaften der vergangenen Wochen und Monate in Atlanta gar nicht so schlecht. Anlass zur Hoffnung geben etwa Untersuchungen, wonach 31 der größeren US-Service-Provider in diesem Jahr rund 107 Milliarden Dollar für Netzequipment ausgeben wollen. Zwar ist das Investitionsvolumen damit nicht mehr so hoch wie im letzten Jahr (118 Milliarden Dollar), doch mit neun Prozent fällt der Rückgang geringer aus als befürchtet.

Allerdings, so die einhellige Meinung von Ausstellern und Analysten, sind die Zeiten vorbei, in denen es darum ging, Bandbreite und nochmals Bandbreite zu verkaufen. So seien in diesem Jahr Produkte gefragt, welche die Service-Provider in die Lage versetzen, mit ihren Netzen mehr Umsatz durch Mehrwertdienste zu erwirtschaften. Hoch im Kurs stehen dabei Features wie Voice und Video über Internet sowie verbesserte Sicherheits- und Billing-Tools.

Einfachere Installation mit DSL AnywhereDie schmerzliche Erfahrung, dass ein Wettbewerb über die angebotene Bandbreite in einem ruinösen Preiskampf endet, hat die amerikanische DSL-Branche bereits gemacht. Ging es in der Vergangenheit darum, möglichst hohe Bandbreiten zu vermarkten, so versuchen die DSL-Anbieter nun, möglichst viele Kunden zu ködern. Ziel ist es dabei laut Bill Rodey, President des DSL Forums, bis zum Jahr 2004 70 Prozent der US-Haushalte per DSL zu erschließen - zumindest in der Theorie. Um dies zu erreichen, präsentierte das DSL-Forum in Atlanta die Initiative "DSL Anywhere". In diesem Rahmen wollen die Unternehmen Tools entwickeln, die zum einen den Providern erlauben, schneller zu überprüfen, ob die Qualität der Telefonleitung für DSL ausreicht, und zum anderen größere Entfernungen via DSL überbrücken. Ferner adressiert DSL Anywhere das Problem des Übersprechens in Telefonleitungen, um in Zukunft eine höhere Anschlussdichte bei DSL zu ermöglichen.

Darüber hinaus arbeitet das DSL-Lager an einem neuen Standard für symmetrisches "Single Pair High Speed DSL". SHDSL ist für Geschäftskunden konzipiert und soll weniger störanfällig als bisherige Varianten sein sowie größere Entfernungen überbrücken. Dabei sind Transferraten zwischen 192 Kbit/s und 2,3 Mbit/s im Gespräch.

Ferner arbeitet das DSL-Forum daran, die Einrichtung des Anschlusses zu vereinfachen. Die manuelle Installation der Modems und DSLAMs für jeden Kunden belastet nämlich heute stark die Kostenseite der DSL-Anbieter. Um den finanziellen Aufwand für die ISPs zu senken, sind DSL-Modems im Gespräch, die sich nach Anschluss an das Netz automatisch konfigurieren. Entsprechende Geräte würden den Providern einen teuren Technikerbesuch beim Kunden ersparen, da dieser das Modem einfach selbst an die Telefondose stecken kann.

Während DSL als Zugangstechnologie zumindest im Bewusstsein der Kunden bereits verankert ist, kämpft eine andere Technologie noch um eine breitere Akzeptanz. Entsprechend rührte in Atlanta das Broadband Wireless Internet Forum (BWIF) die Werbetrommel für die Funkübertragung als Alternative zur Überbrückung der letzen Meile zum Kunden. Das Zauberwort dabei heißt VOFDM. Dank des Vector Orthogonal Frequency Division Multiplexing, für das ein erster Standard verabschiedet wurde, hofft das Funklager, künftig drahtlose Netze aufbauen zu können, bei denen die Antennen keinen Sichtkontakt benötigen. Allerdings ist auch Ender Ayanoglu, Chairman des BWIF, bewusst, dass das Zeitfenster für die Anbieter von Funknetzen im Access-Bereich enger wird: "Wenn sich die Markteinführung von VOFDM-Geräten verzögert, besteht die Gefahr, dass wir mit DSL und dem Breitband-TV-Kabel nicht mehr konkurrieren können."

Allen drei Zugangstechnologien droht zudem noch von einer anderen Seite Gefahr. Die Produzenten von Optical-Networking-Equipment verstärken ihre Bemühungen, Geräte für Metropolitan Area Networks (MANs) auf den Markt zu bringen. Als Zielgruppe sehen Hersteller wie beispielsweise Lucent dabei Service-Provider, die ihren Kunden einen Hochgeschwindigkeitszugang in den Ballungszentren offerieren wollen. Für die Unternehmen geht es um einen Milliardenmarkt, der nach Einschätzung von Analysten alleine in Nordamerika von 6,3 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 17,2 Milliarden Dollar im Jahr 2003 wachsen soll.

Produktvorstellungen auf der SupercommSupercomm-Besucher, die sich für Router und Switches interessierten, hatten in Atlanta einen gut gefüllten Messeplaner. Fast alle namhaften Hersteller hatten neue Geräte im Gepäck.

Netzwerk-Gigant Cisco zeigte in Atlanta den "7400 Application Specific Router" (ASR). Das Gerät ist laut Hersteller für drei Einsatzgebiete konzipiert: zur Bündelung von Breitbandanschlüssen, zur Administration von CPE-Services sowie für das Management von Appliance-Applikationen. Jeder Router unterstützt dabei bis zu 8000 Benutzer. Schaltet ein Service-Provider 40 der ASR-Geräte zusammen, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 320000 Anschlüssen.

Cosine stellte auf der Supercomm mit dem "IPSX 9500" das Flaggschiff seiner IP-Service-Switches vor. Voll ausgebaut verfügt der IPSX über eine Switching-Kapazität von 654 Gbit/s. Laut Cosine hat das Gerät damit ein Leistungspotenzial, das selbst den Anforderungen stark ausgelasteter Service-Provider genügt. Neben der puren Hardwareleistung setzt der Hersteller zudem auf ergänzende Softwarepakete zur Realisierung mehrerer Mehrwertdienste. Per Software werden etwa Ethernet-basierende Dienste wie Virtual LANs (VLANs) unterstützt. Ferner versetzt die Unterstützung von McAfees Antivirensoftware Provider in die Lage, virengeschützte Dienste wie E-Mail etc. zu vermarkten.

Auf ergänzende Software für Mehrwertdienste setzt auch Unisphere beim "ERX 1440". Mit Hilfe der Software ist ein intelligentes Bandbreiten-Management realisierbar oder ein VLAN-Tagging möglich. Dabei erlaubt das Gerät die Einrichtung von bis zu 32 000 VLANs. Der ERX 1440 ist der jüngste Spross der Edge-Routing/Switching-Familie des Herstellers und verfügt über eine 40-Gbit/s-Prozessorkarte.

Ganz auf Geschwindigkeit setzte auf der Supercomm Hyperchip. Das Startup-Unternehmen, das mehr als 100 Millionen Dollar an Riskokapital einsammelte, zeigte einen Internet-Router, der den Datenverkehr im Petabit-Tempo weitertransportiert. Ein Petabit-Router bearbeitet dabei eine Million Gigabit pro Sekunde.

Während also Hyperchip in den Petabit-Bereich vorstößt, begnügt sich die Konkurrenz noch mit Tera- und Gigabits. So stellte Lucent mit dem "MSC 25000" einen ATM-Switch vor, der von 320 Gbit/s bis 2,5 Terabit/s skaliert. Mit dem Switch wendet sich Lucent an Service-Provider, die ihre ATM- oder Frame-Relay-Dienste ausweiten wollen.

Das Segment der Metropolitan Area Networks (MANs) stand bei Riverstone Networks im Mittelpunkt. Die Company präsentierte mit dem "RS 16 000" einen Gigabit- Ethernet-Switch für Service-Provider, die Ethernet-MAN-Dienste als Alternative zu den klassischen T1- oder DS-3-Leitungen der Telcos vermarkten. An den Switch können bis zu 60-Gigabit-Ethernet-Verbindungen angeschlossen werden. Dabei ermöglicht ein hardwarebasierendes Multiprotocol Label Switching den Providern die Einrichtung von Diensten wie Layer-2-gestützten VPNs sowie transparenten LAN-Services im MAN.

Ganz im Zeichen des Optical Networking stand der Messeauftritt von Nortel Networks. Unter Verwendung eines Core-Routers von Juniper Networks demonstrierten die Kanadier auf ihrem Stand das rein optische Switching in Weitverkehrsnetzen. Der hierzu verwendete "Optera Connect PX Switch" von Nortel kann den Datenpfad ändern, ohne dass das Lichtsignal wie bisher üblich in ein elektronisches Signal konvertiert werden muss. Der optische Switch, der den Standards Automatic Switch Transport Network(ASTN) und Generalized Multiprotocol Label Switching (GMPLS) entspricht, unterstützt 10008 Duplex-Ports bei Transferraten von zehn bis 80 Gigabit/s. Im Rahmen der Demonstration betonte Nortel besonders die kurzen Schaltzeiten seiner optischen Lösung. Nach Angaben der Kanadier baut der Optera innerhalb von 60 Millisekunden bis zu 1000 Verbindungen gleichzeitig auf.