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18.03.1994

Meinung des Vorsitzenden Betrifft CW Nr. 8 vom 25. Februar 1994, Kolumne, Seite 9: "Am Gebloeke unterscheiden"

Zunaechst fand ich Ihre wutschnaubende Replik auf Gegenstimmen zum Client-Server-Trend einfach amuesant. Zwar beschraenken Sie sich auf den Vergleich Andersdenkender mit bloekenden Schafen, waehrend es doch da auch mal einen Ministerpraesidenten gab, der zu noch niederem Getier gegriffen haette. Dennoch ist einmal ganz erfrischend, wenn der Kommentator, der sonst schonungslos die Maechtigen der DV-Welt geisselt, selbst einmal einen wunden Punkt verraet.

Nun sind Sie nicht nur Kommentator, sondern vor allem Chefredakteur; Sie gestalten, was wir jede Woche lesen. Das veranlasst mich, auf Ihre Ausfaelle zu antworten; denn ich meine, dass Ihre Haltung den Interessen Ihrer Leser zuwiderlaeuft. Auch wenn Sie Client-Server fuer begruessenswert halten - gerade deshalb sollten Sie peinlich darauf achten, dass auch Gegenstimmen in der CW unbehindert zu Wort kommen. Eine wirtschaftliche Motivation koennen Sie bei nahezu jedem, der sich aeussert, voraussetzen; schliesslich ist unser Thema ein wirtschaftsorientiertes.

Es ist auch keineswegs so, dass nur Beitraege ueber Zukunftstechnologien eine Berechtigung haetten. Mann-beisst-Hund ist sicherlich interessanter als Hund-beisst-Mann - aber jede Woche nur Mann-beisst-Hund nutzt sich auch ab. Und schliesslich tun Sie auch den Anhaengern fortschrittlicher Ideen durch Verschonen mit Gegenargumenten keinen Gefallen; denn ausserhalb Ihrer Redaktionsstube werden diese Dinge kontrovers diskutiert, und auch als Befuerworter muss man mit den Argumenten der Gegenseite vertraut sein. Ihre Reaktion laesst mich hingegen befuerchten, dass Abweichler im harten Kampf um Zeitungsspalten bei Ihnen einen schweren Stand haben. Ich kann fuer niemanden, auch fuer Sie nicht, einen Nutzen erkennen, wenn die CW zu einer Prawda der Informationsverarbeitung wird, in der nur noch die Meinung des Vorsitzenden etwas gilt.

Thomas Matzner

Berater fuer Softwaretechnik, Duisburg

Anmerkung des Chefredakteurs:

Wenn es so waere, wie Leser Matzner vermutet, dann muesste sich an der Dominanz proprietaerer Systeme von IBM, SNI und SAP bei bundesdeutschen Unternehmen etwas grundlegend geaendert haben. Dafuer liesse sich der Kolumnist sogar als "Vorsitzender" titulieren, auch wenn die Bezeichnung natuerlich nicht stimmte: Anwender offener Systeme koennen nicht bevormundet werden.