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30.09.1983 - 

"Büroautomation" läßt sich gut vermarkten:

Meist genügen schon Rechenfunktionen im Text

MÜNCHEN (hö) - Der Einstieg in die Büroautomation läßt sich derzeit gut verkaufen. Zum einen, weil kein Anwender eigentlich genau weiß, was darunter zu verstehen ist und zum anderen, weil es praktisch kein Gerät mehr auf dem EDV-, Text- und Mikromarkt gibt, das nicht irgendwo mit dem Label "Office Automation" versehen werden kann. Hinzu kommt, daß viele Verkäufer, hat der Interessent nach dem Köder geschnappt, wohlweislich das verschweigen, was der Anwender eigentlich wissen müßte. Oft wird der Aufwand für Schulung und Einweisung "stark untertrieben".

Daß viele Käufer und Verkäufer die Hardware noch immer für das wesentlichste Auswahlkriterium für die Beschaffung von Systemen zur Bürokommunikation halten, ist nach Meinung von Waldemar B. Melzer, Geschäftsführer der CPT Text-Computer GmbH in Köln, grundfalsch: "Wir wollen für die Bürokommunikation das nutzen, was der Anwender schon hat." "Durch die richtige Nutzung neuer technologischer Möglichkeiten sollen funktionale Dienste wie Schreiben, Rechnen, Verwalten dezentral am Arbeitsplatz unterstützt werden." Melzer will die positive Geschäftsentwicklung des ersten Halbjahres 1983, die ein Umsatzplus von 30 Prozent auf 19,4 Millionen Mark brachte, fortsetzen. Um 1984 das Wachstum mit einer Rate von 20 bis 25 Prozent fortzusetzen, powert die

Textsystem-Vertriebsgesellschaft in Schulung und Software.

Allein im ersten Halbjahr 1983 wurden die CPT-Mitarbeiter "an 250 Manntagen geschult und an 50 Manntagen auf Kongresse und externe Seminare geschickt. Die Integration von umfangreicher echter Text- und Datenverarbeitung, entsprechend der konventionellen Aufteilung dieser Bereiche, sei bei modern organisierten Unternehmen mit Mischarbeitsplätzen "recht selten erforderlich". Meist genügen Rechenfunktionen im Text, die möglichst einfach gestaltet werden sollen. Nur müssen das die Verkäufer den Anwendern künftig klar und deutlich erklären.

Deutsche Sprache - schwere Sprache

"Eine von uns in den letzten Tagen abgeschlossene Marktstudie zeigt, daß kaum ein Hersteller ein umfassendes Konzept für die Bürokommunikation geschweige denn eine vollständige Gerätepalette auf dem deutschen Markt anbieten kann", kritisiert Volker Putz, Gesellschaft für Projektmanagement (GfP) in Hamburg. Im Rahmen der beratenden Tätigkeit seines Arbeitgebers beschränken sich die Erfahrungen mit Hardwareherstellern "Auf ein knappes Dutzend", da allein das Auswahlkriterium "deutschsprachiger Menüs und Dokumentationen" den Kreis in Frage kommender Anbieter deutlich reduziert. Inzwischen haben aber bereits viele Anwender erkannt, daß vor der Anschaffung von Geräten, also vor dem problemorientierten Einsatz der Informationstechnik die Entwicklung einer Anwendungsstrategie notwendig sei und auch der künftige Benutzer zu Wort kommen müsse. Putz: "Diese Erkenntnisse sollten sich langsam auch die Hersteller zunutze machen, wenn sie in Zukunft noch verkaufen wollen."

Fast jeder der namhaften Anbieter habe zwar verbal oder auf dem Papier entsprechende Versprechungen parat: "Das reicht von der Unterstützung der Kunden bei der Analyse, Planung, Koordinierung und Realisierung von DV-Projekten (Siemens) bis zu umfassenden Anwendungsstudien und Analysen sowie dem Design und der Implementierung von Anwendungen (IBM), um nur einmal zwei Beispiele zu nennen". Diese Analysen und Studien würden auch durchaus durchgeführt.

"Allerdings müßte der Interessent schon sehr blauäugig sein, wenn er glaubte, die Studie würde den Einsatz eines nicht von diesem Hersteller angebotenen Produktes empfehlen oder gar dem Interessenten raten, in einem Teilgebiet ganz auf ein System zu verzichten, weil gerade hier immer noch schneller und wirtschaftlicher mit Bleistift und Papier gearbeitet werden kann".

Überhaupt sei die Wirtschaftlichkeit eine Hürde, die mancher Kunde glaubt genommen zu haben, wenn das "Köpfezählen" aufgegangen sei: "Dabei müßte das im Interesse des zuständigen Vertriebsbeaauftragten liegen, den Kunden aufzuklären und zu unterstützen." Zum Vorwurf macht Putz den Herstellern auch, daß sie ihre VBs nicht zuerst zu den tatsächlichen Benutzern schicken, sondern zu dessen Vorgesetzten, den "Entscheidungsträgern", die den tatsächlichen Bedarf nur aus sicherer Distanz kennen.

"Unsere Praxis zeigt jedoch, daß gerade die Bürokommunikation eine Beachtung der Gesamtzusammenhänge erfordert, das vordergründige ,Wirtschaftlichkeit' und damit verbundene Anschaffungen am Kern der Problematik vorbeigehen. Die doch recht verzweigten Kommunikationsbeziehungen im Büro (Textverarbeitung, Verarbeitung von Daten am Arbeitsplatz, Info-Übertragungen etc.) werden noch immer getrennt betrachtet.

Putz will nicht so verstanden werden, daß Herstellerberatung unter diesen Umständen ganz flach fallen könne: "Wir alle sind darauf angewiesen, denn niemand kennt das Produkt so gut, wie der Hersteller selbst." Nur solle zur reinen "Applikationsberatung" objektive Unterweisung gehören.

Den Datenverarbeitungsanbietern, die mittlerweile Software zur Textverarbeitung anbieten und da mit den Anbietern dedizierter Textsysteme zunehmend Konkurrenz machen, empfiehlt Dr. Rainer Peterreit, Unternehmensberater in Mannheim, doch "etwas mehr Phantasie bei der Bedienerfreundlichkeit ihrer TV-Software" walten zu lassen.

Denn die Benutzer dieser künftigen Mischarbeitsplätze haben nun mal keine DV-Kenntnisse und sollen auch künftig keine haben. Hier sieht der Berater die große Lücke, die es zu schließen gilt: "Die Zahl der tragbaren Arbeitsplätze explodiert, die Arbeitsplätze sind im allgemeinen wesentlich inhomogener. Es darf einfach nicht unterschätzt werden, daß erhebliche Akzeptanzprobleme und auch echter Widerstand auftreten können, wenn die richtige Betreuung fehlt." Auch er vertritt die Meinung, daß Hersteller dazu neigen, sich auf den Verkauf und die technische Installation ihrer Systeme zu beschränken. Allerdings könne eine qualifizierte und verantwortungsbewußte Unterstützung auch in organisatorischen Fragen vom Hersteller nicht kostenlos erbracht werden: "Die Kalkulation für Hard- und Software läßt hierfür mittlerweile im harten Konkurrenzkampf immer weniger Spielraum." Dennoch sollten viele Anbieter ihre Werbeaussendungen nicht so formulieren, als seien mit der Installation des offerierten Produktes alle Probleme des Anwenders beseitigt: "Denn in Wirklichkeit beginnen sie erst mit der Installation."