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27.03.1992 - 

75 Prozent der Gläubiger stimmen harten Einbußen zu

Memorex steht nach Sanierung nicht mehr unter Chapter eleven

HANNOVER (CW) - Der Pleitegeier kreist derzeit nicht mehr über dem Hause Memorex Telex. Zwar ist die Last langfristiger Schulden noch erheblich, aber nach abgeschlossener Sanierung hat ein US-Gericht das Vorkonkursverfahren nach Chapter eleven aufgehoben.

Vom einstigen Schuldenberg in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar plus 200 Millionen für Ansprüche der Besitzer von Vorzugsaktien bleiben zwar noch 775 Millionen, aber diese Verbindlichkeiten sind langfristiger Natur, bei reduzierter Zinsbelastung. Nachdem der nach US-Recht vorgeschriebene Anteil von 75 Prozent der Gläubiger einem weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche zugestimmt hatten, konnte Memorex Telex aus Chapter eleven entlassen werden.

Das auf Sanierungskonzepte spezialisierte New Yorker Unternehmen Smith, Barney & Upham hatte folgende Maßnahmen durchgesetzt: Vor wenigen Wochen waren im Rahmen der Kapitalgewinnung 100 Millionen Aktien zum Nennwert von einem Dollar an der amerikanischen Securities-Börse NASDAQ dem Handel offeriert worden. Ihr heutiger Kurs liegt bei 1,5 Dollar. Die Gläubigerbanken reduzierten die Zinsforderungen bei gleichbleibender Schuldenhöhe.

Besonders verloren aber haben die alten Eigentümer. Vorzugsaktien wurden in normale Anteilsscheine gewandelt, garantierte Dividenden entfallen damit. Durch einen ebensolchen Tausch von Juniorbonds fallen jetzt Dividenden statt Zinsen an. Seniorbonds wurden möglichst gegen Aktien getauscht oder zu gedrückten Zinssätzen erhalten.

Dadurch ließ sich die Zinslast deutlich reduzieren, die das Unternehmen an den Rand des Ruins geführt hatte. Nach dem Management Buy out vor fast genau fünf Jahren war die Memorex noch mit 50 Millionen Dollar Zinsen pro Jahr belastet. Durch die Kosten der Übernahme von Telex erhöhte sich die Jahreszinslast um weitere 200 Millionen Dollar. Danach hätte das Unternehmen einen Gewinn von elf Prozent des Umsatzes machen müssen, allein um die Zinsen zahlen zu können. Mit dem Konjunktureinbruch in den USA war das Ende absehbar.

Das Sanierungskonzept sieht auch vor, den Konzern in kleinere Einheiten zu gliedern. "Dadurch wollen wir schlagkräftiger und schneller am Markt werden", sagte Johann Seifart, Vorstandsvorsitzender der deutschen Memorex Telex AG. Zum 1. April dieses Jahres wird der Bereich Netze ausgegliedert und Gegenstand der 100prozentigen Tochter Memorex Telex Systemhaus GmbH. Das Zubehörgeschäft ist schon ausgegliedert worden. Unter dem Dach der AG verbleiben noch die vier Geschäftsschwerpunkte Superserver, Midrange-Peripherie um die AS/400 und RS/6000 sowie große Speichersysteme für die IBM-Welt.

In den USA, wo wesentliche Verluste eingefahren wurden, sind die Einschnitte größer. Neugegründet wurde ein Geschäftsbereich Telesales mit Francis Wilde an der Spitze, der einen direkteren und schnelleren Kontakt zum Kunden ermöglichen soll.

Die beiden Marketinggruppen Network und Storage Products erhielten ebenfalls neue Direktoren. Mit der International Data Engineering Inc. (IDE) wurde ein Abkommen abgeschlossen, wonach Memorex Telex Garantie- und Wartungsleistungen für die IDE-Library-Subsysteme für optische Platten übernehmen darf.

Durch die Verluste der alten Eigentümer ist, so gesteht es Seifart ein, "die alte Buy-out-Struktur verwässert" worden. Denn auch die Top-Manager haben als Miteigentümer finanzielle Einbußen erlitten. Aber es hat an der Konzernspitze keine großen personellen Veränderungen gegeben. Giorgio Ronchi bleibt Präsident und CEO der Memorex Telex International. Seifart selbst wurde in den sechsköpfigen Management Board berufen.

Darin kommt eine gewachsene Bedeutung der Europäer im Konzern zum Ausdruck. Am 31. März 1992 sollen der Gesamtkonzern und seine Tochtergesellschaften ihre Bilanzen auf den Tisch legen. Die Memorex Telex AG wird eine negative Umsatzentwicklung aufweisen. Würde aber das ausgegliederte Zubehörgeschäft addiert, ergäbe sich im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzplus von rund zehn Prozent. Das ergibt einen Anteil von etwa 13 Prozent am Weltumsatz des Konzerns. Der Gewinn vor Steuerung wird um 15 Prozent steigen.

Pläne, an die Börse zu gehen, hat die Aktiengesellschaft wieder hintangestellt. Das könnte aber nochmals ein Thema werden, denn laut Seifart "denken wir an eine Kapitalerhöhung in fünf bis zehn Jahren". Zuvor will der Konzern jedoch versuchen, sich dort stärker zu engagieren, wo er jetzt die größten Umsatz- und Gewinnsteigerungen verzeichnet: in Lateinamerika und Südost-Asien.