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03.02.1989

Mensch MAI

Wie die Unendliche Geschichte kommt einem langsam der Versuch des MAI-Hintermanns Bennet Le Bow vor, die Prime-Gruppe in die Finger zu bekommen. Ein Vierteljahr schon besteht die Tender-Offerte an die Prime-Aktionäre, x-mal modifiziert, x-mal verlängert, weil die Akzeptanz bei den Teilhabern nicht hoch genug war. Inzwischen hat Le Bow zwar eine satte Mehrheit von 71 Prozent auf seiner Seite, doch 29 Prozent getreue Eckarts lassen sich partout nicht in Panik versetzen und halten an ihren Prime-Scheinen fest, was nach den Gesetzen von Delaware bedeutet, daß nichts läuft.

Leider kann man daraus nicht schließen, daß die Gefahr für Prime gebannt wäre. Juristische Spitzfindigkeiten und immer neue Fristverlängerungen stellen die Geduld der verbleibenden Schar auf eine harte Probe. Unterdessen sind Anwender verunsichert; sie fürchten um den Fortbestand der Prime-Produktpalette, erwägen einen Wechsel zu anderen Herstellern, obwohl sie eigentlich mit ihren Systemen zufrieden sind. Ihnen ergeht es nicht anders als im vergangenen Jahr den MAI-Anwendern: Seit Mai 1988 hatte MAI selbst zum Verkauf gestanden, bis Le Bow das Steuer um 180 Grad herumriß.

Doch die Interessen der Kunden (und auch der Mitarbeiter) spielen für die Ränkeschmiede aus dem Wall-Street-Milieu allenfalls eine Nebenrolle. Alarmierend ist vor allem die Tatsache, daß ausgerechnet Drexel Burnham Lambert die Finanzierung des "Bid" managt, jenes überaus erfolgreiche Börsenhaus, das wegen illegaler Machenschaften hochrangiger Mitarbeiter seit langem eine schlechte Presse hat.

Die Notgemeinschaft aus Belegschaft und Vorstand, die sich in Natick gebildet hat, signalisiert jetzt allerdings den New Yorker Spekulanten, daß eine Fusion für den Konzern das Aus bedeuten würde: Das Nein steht so kategorisch fest, daß Loyalität zum neuen Boß ausgeschlossen wäre. Zu verlieren hat die Prime-Mannschaft nichts: Im Falle eines Erfolgs von Drexel/Le Bow würden wohl die besten Stücke meistbietend verkauft, der Rest eingestampft.