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04.04.1986

Mensch Werkbank!

Oben, als vermeintlicher Eye-Catcher, ein großbuchstabiges "MENSCH". Ganz unten, ganz klein gedruckt, der Satz "Eine gute Idee nach der anderen". Die Zeitungsannonce läßt schon in der "MENSCH"-Frage ("WORAUF WARTEST DU NOCH?") offen, was den Beschauer erwartet: ein Exklusiv-Interview mit Köhnlechner, die Beckenbauer-Schuster-Story oder ein Einsteiger-Ratschlag von Sozialminister Norbert Blüm.

Wir wollen - wie weiland der Kabarettist Wolfgang Neuss, als er sich über die "Halstuch"-Mode im Fernsehen mokierte - nur soviel verraten: Der Mörder ist immer der Werbetexter. Für die Anzeige - auch das noch - zeichnet eine gewisse Firma "Commodore" verantwortlich, wie aus dem Text schwer zu erkennen ist. Schwarz auf weiß steht da überdies eine rätselhafte Amiga-Werkbank für Ideen-Menschen" im unteren Anzeigendrittel herum.

Publicity-Profis - und wir reden hier nicht von der Computer-Industrie - mag das Konzept ganz schön keß vorkommen. Es orientiert sich an Vorbildern, die ein Insiderscherz - und wir reden hier von der Werbebranche - einmal so beschrieb: Die Fakten dürfen ruhig falsch sein - aber die Namen müssen stimmen. Eine Kostprobe: OSI kommt, die SNA-Inkompatibilitäten bleiben.

Die Tendenz, den "Computer" in klangvolle Worthülsen zu stecken (hier: "Ideen-Werkbank"), seine Existenz quasi zu leugnen (die Commodore-Anzeige ist dafür ein zwar willkürliches, aber durchaus repräsentatives Beispiel), scheint nun gerade das Gegenteil vernünftigen Werbeverhaltens: Unsicherheit, die von Schwäche herrührt, führt bekanntlich direkt zur Erklärung dieser Schwäche.

Der Umkehrschluß ist zulässig: Die Hersteller glauben nicht an den Erfolg des Jedermann-Computers, weil sie wissen, daß das Produkt noch nicht marktgerecht ist. Was nach Ansicht eines trendbewußten Werbeteams Ideen-Menschen" ködern soll, an einer Werkbank namens "Amiga" zu arbeiten, erfüllt mitnichten diesen Zweck: Noch-nicht-Anwender, Computer-Analphabeten also, können mit dem Text nichts anfangen - Leute mit Computer-Führerschein werden höchstens gelangweilt, im schlimmsten Fall abgeschreckt.

Bleibt die Frage: Mensch, worauf wartest du noch? Die Antwort kann nur lauten: auf phantasievolle, produktgemäße Computer-Werbung.