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20.12.2005

Menschen, Szenen, Sensationen

Auch im Jahr 2005 gab es wieder einige Köpfe in der IT-Szene, die herausragten. Eine kleine Auswahl.

Sie verloren ihren Job oder machten Karriere. Wegen ihnen verloren andere ihre Arbeit oder bekamen neue Jobs. Wo sie waren, war es nicht langweilig. Da ging es rund. Nicht zum wenigsten in den Firmen, denen sie vorstanden.

Beginnen wollen wir mit einem Abgang: Die Brüder Oliver und Marc Samwer geben das Steuer beim ehemaligen New-Economy-Himmelsstürmer und Klingeltöneanbieter Jamba aus der Hand. Verisign hatte das Berliner Unternehmer im Juni 2004 für rund 273 Millionen Dollar übernommen. Bis Juni 2006 stehen Oliver und Marc Jamba noch als Berater zur Seite.

Die beiden Youngster hatten gemeinsam mit ihrem Bruder Alexander vor Jamba schon einmal mit viel Erfolg ein Unternehmen aus der Taufe gehoben: 1999 gründeten sie das Internet-Auktionshaus Alando.de. Einen echten Coup landeten sie dabei, als sie ihre Firma nach nur drei Monaten für 43 Millionen Dollar an Ebay verscherbelten.

SAP-Chef Henning Kagermann hatte das Jahr 2005 mit einem Knaller begonnen: Er wolle kein Wachstum für sein Unternehmen, keinen höheren Gewinn. Nein, 2005 sollte zum Jahr der Investitionen werden bei SAP. Das irritierte viele Experten und noch mehr Analysten - und doch sieht sich der habilitierte Physiker am Ende des Jahres im Recht. Die Geschäfte laufen super für SAP. Die Anteile wachsen insbesondere auch im harten US-Markt. Die Aktionäre dürfen sich über höhere Dividendenausschüttungen freuen. SAP stellt gegen den Trend Mitarbeiter ein. Das Jahr 2006 - diese Prognose wagen wir einmal - wird für SAP nicht schlechter werden als die abgelaufenen zwölf Monate.

Dann gab es da jemanden, der in große Fußspuren zu treten hatte: Klaus Kleinfeld. Als er Anfang des Jahres den Vorstandsvorsitz bei der Siemens AG von Heinrich von Pierer übernahm, stand der Konzern glänzend da. Aber es gab bereits Problembereiche, von deren Sanierung von Pierer wohlweislich die Finger gelassen hatte.

Rambo oder Mambo: Eine ganze Weile durfte man über die Geschäftsstrategie des Mittvierzigers rätseln, seit er auf die Kapitänsbrücke des Tankers Siemens AG getreten war. Schon bald als Zögerer und Zauderer tituliert, hat er dann doch noch Tempo aufgenommen. Zuerst verkaufte er die ungeliebte Handy-Sparte an BenQ, dann zerlegte er seinen ganz persönlichen Albtraum, die Siemens Business Services (SBS). Er will Bernd Bischoff, dem Chef von Fujitsu-Siemens Computers (FSC), das SBS-Wartungsgeschäft aufnötigen.

The higher they climb the harder they fall, trällerte David Cassidy. Diese Weisheit dürfte die Lebensumstände der Carleton Fiorina nach ihrer Hinauskomplimentierung bei Hewlett-Packard (HP) eher ungenau treffen. Beim Sturz aus der obersten Führungsetage des zweitgrößten IT-Unternehmens der Welt im Februar 2005 öffnete sich ein Fallschirm so groß wie die Allianz-Arena in München. 21 Millionen Dollar an Abfindungen und ausstehenden Boni erhielt Fiorina, die zu Zeiten ihrer größten beruflichen Erfolge fast wie ein Glamour-Girl der Unternehmensszene gefeiert worden war. Mit Pensionen, Aktien und Optionen wurden weitere 21 Millionen Dollar an Trennungsentschädigung fällig. Wem so viel Gutes widerfährt, der dürfte gelassen reagieren auf die Gardinenpredigt eines Investors: "Es scheint so zu sein, dass man eine umso höhere Abfindung bekommt, je schlechter man seinen Job gemacht hat." Well roared, lion, würde Shakespeare wohl sagen.

Auch die Google-Gründer Larry Page und Serge Brin sind auf Rosen gebetet. Sie haben offensichtlich den Midas-Touch und verwandeln alles, was sie an Geschäftsideen entwickeln, zu Gold. Google Talk, Google Earth, Google Base oder Google Music sind nur einige der Ideen, die der zum Thinktank veredelte Suchmaschinenanbieter in den vergangenen Monaten lancierte. Gerade erst haben die beiden Gründer einen neuen Coup gelandet und sich einen Fünf-Prozent-Anteil an AOL gesichert.

All diese Erfolge bedeuten nicht, dass Page und Brin unumstritten wären. US-Datenschützer Chris Hoofnagle fasste die Kritik bündig in die Worte, Google sei "eines der größten Datenschutzrisiken im Internet".

Die Google-Geburtshelfer waren neben Apple-Gründer Steve Jobs in diesem Jahr Kandidaten für die Auszeichnung "Person of the Year" - bis vor einigen Jahren noch als "Man of the Year" ausgelobt, mittlerweile aber politisch korrekt umfirmiert. Vergeben wird die Würdigung vom US-amerikanischen "Time Magazine". Bekommen haben die Auszeichnung letztlich Bill Gates und seine Ehefrau Melinda sowie der U2-Frontmann und Friedensaktivist Bono. Alle drei hätten herausragende Leistungen im Kampf gegen Hunger und Krankheiten insbesondere in Afrika geleistet. Diese Wahl ist nachvollziehbar. Und sie ist - um das Mindeste zu sagen - richtig. Die Bill & Melinda Gates Foundation spendet Jahr für Jahr exorbitante Summen für humanitäre Zwecke. Das Kapital der Stiftung beträgt knapp 29 Milliarden Dollar (= 24 Milliarden Euro). In diesem Jahr hatte sich das Ehepaar Gates insbesondere auf die Bekämpfung der Malaria in Afrika konzentriert und 258 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Solche Summen übersteigen selbst die Möglichkeiten internationaler Hilfsorganisationen bei weitem. Der Preis würdigt zu Recht ein herausragendes Verantwortungsbewusstsein.

Ebenfalls an die Armen und Unterprivilegierten dieser Welt richtet sich eine Initiative, die Nicholas Negroponte und UN-Generalsekretär Kofi Annan auf dem World Summit on the Information Society (WSIS), dem Weltgipfel der UN zur Informationsgesellschaft, in Tunis präsentierten. Dort stellten sie den Prototypen eines 100-Dollar-Laptops vor, der insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer gedacht ist. Nach den Ideen von Negroponte, Chairman des Massachusetts Institute of Technology (MIT), soll der Rechner mit einem AMD-Prozessor und unter Linux laufen.

Bei der sehr subjektiven Schau der Menschen des Jahres 2005, die uns in der IT-Branche auffielen, ist ein Fachfremder unbedingt auch zu nennen. Otto Schily, Ex-Bundesinnenminister für die SPD, hat in seiner ministerialen Ära die "Sicherheitspakete 1 und 2" verabschiedet. In rund 100 Gesetzen wurde die flächendeckende Überwachung der Bundesbürger legalisiert. Schily schnüffelte seinen Bürgern auch im Internet nach. Und Schily schuf den biometrischen Ausweis.

Für diese Verdienste wurde ihm noch eine Ehrung zuteil: Er erhielt für sein Lebenswerk den "Big-Brother-Award 2005".

Ein prestigeträchtiger Preis sollte endlich auch einmal an Lawrence Ellison, den Jäger und Sammler von Unternehmen und Chef von Oracle, vergeben werden. Vielleicht ja der des Cro-Magnon-Managers des Jahres. Dieser Homo sapiens sapiens war bekannt für seine ausgefeilte Jagdtechniken mit neuen Waffen. Solch ein schöner Preis scheint Ellison quasi auf den Leib geschneidert zu sein. Denn seine Qualitäten als Nimrod der IT-Szene dürften unbestritten sein, wovon sich in den vergangenen zwölf Monaten ja schon einige Firmen wie Peoplesoft, Retek, Oblix, TimesTen, Profit Logic, i-Flex, Context Media und Siebel überzeugen durften.

Zum Schluss gilt es, einen Menschen der IT-Szene zu erwähnen, der bereits Ausgezeichneter ist: Michael Neff. Er wurde gerade erst zum CIO des Jahres gewählt. Auch hier trifft es den Richtigen. Innovativ nach innen, herzerfrischend offen nach außen ist der oberste IT-Verantwortliche der Heidelberger Druckmaschinen AG nicht nur ein herausragender Experte, sondern auch ein inspirierender Gesprächspartner. Mehr kann man sich auch für das kommende Jahr kaum wünschen.