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28.11.2005

Mercury gerät in Zeitnot und riskiert ein Delisting

Das Unternehmen hofft auf die Gnade der Börse und verbreitet Optimismus.

Aufgrund hausgemachter Fehler steckt das Softwareunternehmen Mercury derzeit in argen Schwierigkeiten. Hochrangige Manager sollen sich mit der falschen Terminierung von Aktienoptionen bereichert haben, die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt, der Aktienkurs brach ein, und die zwei jüngsten Quartalsberichte verzögerten sich. Bis zum 30. November hat die Firma Zeit gehabt, sämtliche Zahlen bei der Börsenaufsicht einzureichen - wobei Mercury Mitte November davor warnte, dies nicht zu schaffen. Wenn die Nasdaq die Frist nicht erneut verlängert, droht ein Delisting von der Börse. Bis Redaktionsschluss war diesbezüglich noch keine Entscheidung gefallen.

Schlechtes Timing

Der Zeitpunkt der unangenehmen Enthüllungen durch ein internes Kontrollteam hätte ungünstiger nicht sein können, denn das Unternehmen steckt mitten im größten Produkt-Launch seiner Geschichte mit mehr als 20 neuen Versionen und Programmen: "Wir haben in den vergangenen drei Jahren über 500 Millionen Dollar in unsere Suite ,BTO Enterprise‘ investiert", berichtet Mercurys Marketing-Chef Christopher Lochhead. Anfang November, drei Wochen nach der Freigabe der Tool-Sammlung, mussten der CEO, der Finanzchef und die Chefjuristin wegen der Optionsgeschäfte ihren Hut nehmen. Zum CEO berufen wurde der seit einem Jahr amtierende Chief Operating Officer (COO) Anthony Zingale.

Laut Lochhead war es Glück im Unglück: Die Ablösung an der Spitze sei ohnehin geplant gewesen, allerdings erst für den Januar 2006. "Jeder Mitarbeiter wusste, dass Tony der neue CEO wird." Firmengründer Amnon Landan habe selbst einen Nachfolger gesucht, um die Firma in die Hände eines "Business-orientierten Managers" zu legen. Lochhead gibt sich im Gespräch mit der computerwoche zuversichtlich, dass das Unternehmen die Krise relativ unbeschadet überstehen wird: "Angesichts der finanziellen Stärke, der Produkte und der Tatsache des geplanten Management-Wechsels fällt uns die Krisenbewältigung leichter als anderen Unternehmen."

Äußerungen von Analysten, die Firma befinde sich wegen der Vorfälle und dem Kurseinbruch vor einer Übernahme, weist Lochhead von sich: "Mercury steht nicht zum Verkauf." Das Unternehmen habe "fantastische Chancen", sehr loyale Kunden und verfolge weiterhin die eingeschlagene Richtung: "Wir möchten einer der größten unabhängigen Softwareanbieter werden", so der Manager. In diesem Kontext sehe sich Mercury "eher als Käufer denn als Kaufobjekt".

Migrationsdruck hilft

Die Konsolidierung unter Mercurys ehemals vier globalen Softwarepartnern - SAP, Oracle, Peoplesoft und Siebel - auf die Hälfte sieht Lochhead als Chance: "Einer unserer Wachstumsmotoren sind Veränderungen in Enterprise-Applikationen." Die Übernahmen von Peoplesoft und Siebel durch Oracle könnten große Projekte in Gang bringen. "Wenn die Anwender ihre alten Versionen auf neue Programme migrieren", argumentiert Lochhead, "steigen unsere Chancen." (ajf)