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17.11.1995

Merrill Lynch raet Investoren zu Intel Kursreaktion auf Cirrus-Warnung zeigt Unsicherheit der Anleger

MUENCHEN (sc) - Investoren in High-Tech-Aktien sind vergleichbar mit sensiblen Pflaenzchen, die beim leisesten Wind ihre Blaetter fallen lassen. So geschehen, als Cirrus Logic fuer das aktuelle Quartal vor unter den Erwartungen liegenden Resultaten warnte. Die Ankuendigung loeste eine Verkaufswelle aus, die auch andere Halbleiterhersteller zu spueren bekamen.

Zum dritten Mal innerhalb von vier Monaten brachten nervoese Anleger die High-Tech-Aktien auf Abwaertskurs. Als Cirrus Logic am Anfang letzter Woche von Auftragsstornos im laufenden Quartal berichtete, bekamen Aktionaere kalte Fuesse und verkauften ihre Anteile. Der Boersenwert des Cirrus-Titels rutschte daraufhin um ueber zwoelf Dollar auf 28 Dollar.

Welcher Kunde seine Orders zurueckgeschraubt hatte, wollte der Halbleiterhersteller nicht bekanntgeben. Analysten vermuten, dass es sich um die Intel Corp. handelt, die damit wiederum auf einen geringeren Bedarf an Motherboards bei der Packard Bell Electronics Inc. reagiert haben soll. Die von Intel an Packard Bell gelieferten Hauptplatinen sollen den Branchenkennern zufolge Bauteile von Cirrus enthalten.

Offenbar befuerchteten die Investoren eine entgegen den Prognosen der Marktforscher sinkende Nachfrage nach Equipment wie PCs oder Handys - und damit auch einen niedrigeren Bedarf an Chips. Deshalb mussten auch andere Werte Federn lassen, darunter der Intel-Kurs. Die Notiz fiel nach der Cirrus-Ankuendigung um etwas mehr als vier Dollar auf einen Schlusswert von ueber 66 Dollar. Beide Titel erholten sich am Donnerstag im Handel wieder, da manche Anleger die niedrigen Kurswerte offenbar als eine Chance zum Einstieg nutzten.

Der Markt habe ueberreagiert und die Cirrus-spezifische Angelegenheit auf den gesamten High-Tech-Bereich uebertragen, zitiert das "Wall Street Journal" die Analystin Mona Eraiba von Gruntal & Co.

So sei der Nasdaq-Computerindex im Zuge des Kursabschwungs um 3,4 Prozent gefallen. Von dem Abdriften der Technologiewerte profitierten wiederum die Blue Chips, die von den verunsicherten Investoren alternativ geordert wurden.

Die Sensibilitaet des Boersenmarkts in bezug auf die High-Tech- Anlagen resultiert offenkundig aus einer Unsicherheit, wie sich einzelne Marktbereiche entwickeln. So hatte das Marktforschungsinstitut Dataquest zwar eine in den naechsten Jahren von den Herstellern nicht zu befriedigende Nachfrage nach Chips vorhergesagt, prognostizierte andererseits jedoch, dass sich mit Multimedia-PCs die bisher in den USA erzielten Wachstumsraten voraussichtlich nicht mehr halten lassen wuerden. Motorola machte in den USA zudem einen geringeren Bedarf an Mobiltelefonen aus.

Investoren in der Halbleiterindustrie koennten versucht sein, sich aus Werten von Chipproduzenten, die ihre Produkte im Consumer- Bereich absetzen, zurueckzuziehen, da sich dort eine schlechtere Konjunkturentwicklung negativ auswirke, vermutet auch Merrill Lynch & Co., New York. Das Wertpapierhaus empfiehlt den Anlegern auch, ihr Engagement in Halbleiteraktien zu begrenzen, berichtet der Nachrichtendienst "vwd". In bezug auf Intel setzt Merrill Lynch allerdings die Zeichen auf Kauf. Die Broker legen Investoren nahe, den Anteil von Intel-Werten im Portefeuille zu erhoehen, da dieses Unternehmen die Faehigkeit habe, auch in einem langsameren Konjunkturumfeld zu wachsen.