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10.04.1987

Messe-Besuch: Wer nicht wegbleibt, muß exakt planen

Weltweit ist das Angebot an Messen im Bereich Datenverarbeitung so groß, daß ein ganzes Jahr nicht ausreichen würde, alle möglichen Termine wahrzunehmen. Viele DV-Fachleute wollen aber auch schon gar nicht mehr an den in der Bundesrepublik stattfindenden Messen teilnehmen, weil "es doch keine neuen Informationen gibt". Das meint zum Beispiel Gerhard Karck, Leiter des Rechenzentrums der Ortskrankenkassen Schleswig-Holstein. So mancher Fachbesucher fragt sich bei dem ganzen Rummel, worum es eigentlich geht beziehungsweise was wichtiger ist: das Produkt oder seine Präsentation. Viele haben bereits die Konsequenz gezogen und meiden den Messetrubel, wie eine nicht repräsentative Umfrage bei etwa 40 CW-Lesern ergab. Unbeeindruckt von den "Entertainment"-Aktivitäten der Hersteller entwerfen DV-Leiter eigene Strategien, um sich dennoch zeit- und nervensparend zu informieren.

Gerhard Karck

Leiter des Rechenzentrums der Ortskrankenkassen Schleswig-Holstein, Kiel

Bis Ende letzten Jahres war ich noch der Meinung, daß Messen sinnvoll sind. Seit der CeBIT denke ich, man braucht diese Veranstaltungen in der Form heute nicht mehr. In der Vergangenheit hatte man noch wirklich echte Vergleichsmöglichkeiten, doch die sind im Lauf der Jahre immer mehr in den Hintergrund getreten.

Besonders aufgefallen ist mir das seit der Teilung der Hannover-Messe. Auf der Industrie-Messe wird die Anwendung gezeigt, aber die Elektronik ist nicht zu sehen. Das Argument, ein großes Angebot auf kleinem Raum zu haben, zieht meiner Meinung nach nicht mehr. Zum einen ist das Angebot zeitlich gar nicht mehr zu bewältigen, dafür müßte man zehn Tage auf der Messe sein. Zweitens frage ich mich, was der Besucher davon hat, doch immer die gleichen PCs zu sehen, denn: Was die Geräte leisten, stellt sich doch erst im Rahmen einer Anwendung heraus. Ich bin der Meinung, daß die Messekonzepte überdacht werden müssen. Die Besucher haben das Konzept der Hannover-Messe 40 Jahre einfach so hingenommen - da sind mir jetzt Zweifel gekommen. Ich als Rechenzentrums-Leiter sehe keinen Sinn darin, meine Mitarbeiter dort hinzuschicken.

Von Veranstaltungen der Hersteller halte ich auch nicht soviel. Zu einem schönen Wochenende in die Lüneburger Heide oder an den Starnberger See schickt man die Leute aus dem Vorstand, die lediglich über das Geld entscheiden, aber nicht unbedingt Ahnung von Datenverarbeitung haben. Solche Veranstaltungen ersetzen lediglich die Hochglanzbroschüren. Wenn ich mir Fachleute der Hersteller in mein eigenes Haus lade, dann habe ich mehr davon. Meine Mitarbeiter können alle zuhören, gleich mitdiskutieren und Fragen stellen.

Allerdings passiert es häufig, daß wir auf den Messeständen Personal finden, das zwar sehr beredt ist, aber letztlich doch nichts sagen kann. Die Leute haben ihren Text auswendig gelernt, und sobald man selber in die Tiefe gehen will, müssen sie einen Fachmann herbeirufen. Der Informationswert der Messen ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, wie auch die Orgatechnik zeigte. Zur Systems werde ich in diesem Jahr jedoch gehen, die ist etwas überschaubarer; außerdem findet dort dann auch eine Fachtagung statt.

Karl-Ernst Deusch

Hauptabteilungsleiter Informationstechnologie H. F. & Ph. F. Reemtsma GmbH & Co, Hamburg

Messen sind unbedingt wichtige Veranstaltungen. Dort ist für mich der Ort, an dem Produkte gezeigt und vorgeführt werden, die entweder völlig neu sind oder weiterentwickelt wurden. Außerdem bekommt man dort Anregungen für eigene Lösungen. Messen gestatten einen schnellen vergleichenden Überblick.

Wir gehen zur CeBIT und zur Systems. Die Vorbereitung geschieht derart, daß wir uns über die Herstellerfirmen informieren, die zu einem bestimmten Thema etwas anzubieten haben. Dabei berücksichtigen wir auch Informationen über Hersteller, die bisher noch keinen Kontakt zu unserem Haus hatten.

Die Auswertung des Messebesuches erfolgt durch Sichtung der Notizen und Unterlagen. Sind interessante Ansätze für mich zu erkennen, nehme ich Kontakt zu den betreffenden Herstellern auf. Alternativen zu Messen kann ich mir nur in Form von Kongressen zu speziellen Themen vorstellen, wie zum Beispiel "Portables 86". Auf diesem Kongreß hatten auch die Hersteller die Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren.

Veranstaltungen von Herstellern und Systemhäusern sind zwar in der Regel sehr zeitraubend, dafür aber auch umfassend. Eine ideale Form sind für mich letztlich Kongresse mit folgendem Ablauf:

- Präsentation der Produkte durch die Hersteller;

- Produktbeurteilung durch unabhängige Systemhäuser.

Horst Schwarz

Leiter des Benutzerservice

Deutsche BP

Aktiengesellschaft, Hamburg

Ich denke, daß Messen sinnvolle Veranstaltungen sind besonders dann, wenn sie eine spezielle fachliche Ausrichtung haben. Das heißt, ich habe von der Industriemesse, auf der Traktoren und schwere Lokomotiven gezeigt werden, gar nichts. Aber es ist sicher schwierig, ein für alle passendes Konzept zu beschreiben. Die ideale Messe kann es gar nicht geben, denn jeder Besucher erwartet für sich etwas anderes, und die Aufnahmekapazität ist wahrscheinlich auch sehr unterschiedlich. Für mich ist die wichtigste Messe die Hannover-Messe, genauer gesagt, die jetzige CeBIT. Ich bin eigentlich sehr froh über die Teilung, weil jetzt die Ausstellungsfläche bei den einzelnen Herstellern größer geworden ist. Positiv ist auch, daß dadurch die Verkehrssituation günstiger geworden ist. Insgesamt hat die Teilung der Hannover-Messe eine Entlastung für alle Beteiligten gebracht.

Ob wir von unserem Unter nehmen aus Messen besuchen, ist abhängig vom aktuellen Bedarf. Im Augenblick sind wir zum Beispiel stark mit der Bürokommunikation beschäftigt. Da bietet eine Messe gute Chancen, einen Marktüberblick zu bekommen. Zum einen ist die Messe die beste Gelegenheit, im direkten Vergleich der Anbieter die Produkte anzusehen. Dort kann man schon eine Vor-Auswahl für das Unternehmen treffen. Zum anderen ist für mich der Kontakt zu den Herstellern wichtig, die häufig aus Frankfurt oder Stuttgart kommen. Ich nehme gern die Gelegenheit wahr, mit dem Vertriebs- oder Produktmanager direkt zu sprechen. Dann kann man zum Beispiel fragen, in welche Richtung die Strategie für bestimmte Produkte gehen soll.

Nirgendwo sonst als auf der Messe gibt es die Möglichkeit, so komprimiert den Bereich Entwicklungsstrategie abzuarbeiten. Ein weiterer Grund, auf eine Messe zu gehen, sind dann auch noch die Neuigkeiten. Man kann sich relativ schnell einen Überblick über neue Entwicklungstendenzen bilden. Es lohnt aber nicht, auf der Messe einfach so ohne genaue Vorstellungen von einem Stand zum andern zu wandern. Wichtig für den Erfolg eines Besuches ist, gezielt vier bis fünf Termine am Tag zu vereinbaren. Mehr ist auch gar nicht zu schaffen. Ich bereite mich so vor, daß ich mit den Herstellern auch die Themen vorher abspreche, damit mir dann während der Messe geeignete Gesprächspartner zur Verfügung stehen. Alternativen zu Messen gibt es für mich nicht. Kongresse haben zwar den Vorteil, daß man mit Kollegen sprechen kann, die gleiche oder ähnliche Probleme haben, aber es ist dort eben nicht möglich, notwendige Herstellerkontakte zu knüpfen oder aufrechtzuerhalten.

Heiko Pflugmacher

DV-Leiter Awa Couvert GmbH KG, Alfeld/Leine

Wenn ich zu Messen gehe, dann plane ich, was ich mir anschauen werde. Vom Hersteller bekomme ich Vorab-Informationen, verabrede einen Termin und lasse mir die Produkte auf der Messe zeigen. Mich interessiert die Messe nur, um mir in der Praxis etwas anschauen zu können. Normalerweise besuche ich zwei Messen im Jahr - die CeBIT und die Systems/ Systec. Ich bin aber der Meinung, daß sich in den wenigen Monaten, die die beiden Messen auseinander liegen, nicht soviel Neues tut. Eine Messe pro Jahr reicht eigentlich, um sich zu informieren.

Im Moment sehe ich mir vorwiegend PPS-Systeme an. Ich gehe nicht davon aus, daß es Lösungen gibt, die übertragbar sind für unser Unternehmen, aber ich kann mir Anregungen holen, um das dann selber zu entwickeln. Produktneuheiten interessieren mich nur, wenn sie in der Praxis einsetzbar sind. Die Ankündigung von CIM ist meiner Meinung nach ein wenig zu hochtrabend. Viele Hersteller glauben für den Bereich irgendwelche Neuerungen vorstellen zu müssen, die dann letztlich gar keine sind.

Wenn man kein festes Ziel hat, dann lohnt ein Messebesuch nicht; die Informationsfülle ist einfach nicht zu überblicken. Da muß man schon vorher auswählen. Nur um sich mal umzuschauen, ist die Zeit eigentlich zu schade. Außerdem, wenn man die CeBIT vergleicht mit der früheren Hannorer-Messe, dann fehlt der Zusammenhang für den Kunden. Für Fachidioten ist die Messe in Ordnung, aber die Trennung verhindert Kontakte von Unternehmensleitern zum DV-Bereich.