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20.03.1987

Messe - Erfahrungen eines Fachbesuchers:Endbenutzer auf der CeBIT fehl am Platz

*Ludwig Bertsch ist Mitarbeiter der wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz.

Die diesjährige CeBlT in Hannover, die weltweit größte Messe ihrer Art, hat sich trotz kritischer Stimmen vor Messebeginn als großer Erfolg erwiesen. Dies hört man zumindest von seiten der Aussteller und der Messegesellschaft Hannover. Trotzdem scheint die Frage legitim, inwieweit der gewöhnliche Messebesucher von einer solchen Mammutschau tatsächlich profitieren kann. Ein Erfahrungsbericht von Ludwig Bertsch*.

Eingedenk der Erfahrungen auf der Orgatechnik in Köln im vergangenen Jahr sollte der CeBIT - Besuch zu einem Triumph der Planung werden. Das Gefühl der Orientierungslosigkeit, das Herumlaufen aufs Geratewohl, einfach nur schaue: "Was gibt es Neues?", hatte sich in Köln als die falsche Messebesuchsstrategie herausgestellt.

Beladen mit Prospekten und doch ohne wirklich Neues erfahren zu haben, war ich damals völlig enttäuscht nach Hause gefahren. Da die einschlägigen Presseorgane voll des Lobes waren über die ausgezeichnete Organisation und Konzeption dieser Messe, wurde mir klar, noch nicht über die richtige Einstellung zu solchen Veranstaltungen zu verfügen, denn offensichtlich war nur mir aufgefallen, daß eine groß angekündigte Softwarebroschüre diesem Namen keineswegs gerecht wurde oder daß der eine oder andere Hardware -Anbieter seine Produkte etwas verloren in Gesellschaft von Anbietern aus der Karteikarten - und Büromöbelbranche anpries. Da nur der Umgang mit Computern und die Verhaltensweisen der in dieser Branche Beschäftigten durchaus nicht fremd sind, konnte ich mich mit der Atmosphäre und dem Computer - Chaos durchaus noch abfinden - in der Haut eines Handwerksmeisters auf der Suche nach einer individuellen Computerlösung wollte ich schon damals nicht stecken.

Nun also die CeBIT, zum zweitenmal als eigenständige Veranstaltung präsentiert, das Fenster zur Datenverarbeitungs - und Kommunikationszukunft. Die Kritik, die aufgrund der Teilung der Hannover - Messe zu hören war, verstummte bald, die Besucherzahlen straften die Kritiker Lügen. Ein wenig seltsam mutet es schon an, wenn alle Welt vom Zusammenwachsen der DV - Teilsysteme, von CIM - Konzepten redet und dann eine solche Aufspaltung vorgenommen wird, doch das Publikumsinteresse erzwingt dies regelrecht, und wer sollte es der geschäftstüchtigen Messegesellschaft übelnehmen, daß es gelang, die teuren Messehallen nun statt einmal gar zweimal hintereinander zu füllen. Die Hoteliers, Gastronomen und Reiseveranstalter sicher nicht.

Hang zum Varieté und schnellen Autos

Der CeBIT - Eindruck ist überwältigend: 13 Hallen, Zehntausende von Menschen, High - Tech überall, wer wollte ihn nicht sehen, den 32 - Bit - PC, für den es zwar noch kaum Software, dafür jedoch die eindrucksvollsten Einsatzgebiete gibt. Laserdrucker, Desktop - Publishing, alles schneller, billiger, benutzerfreundlicher - und selbst für erfahrene Anwender kaum noch überschaubar. Wer nichts Neues zu bieten hatte, brauchte sich nicht zu verstecken. Neuankündigungen wurden ersetzt durch Break - Dance, Zauberkünstler und schöne Frauen, die Computerschau mit Hang zum Varieté, Musik und schnellen Autos - so also soll der Weg in die Informationsgesellschaft bereitet werden. Doch unbeeindruckt von den, teilweise wirklich sehr originellen Darbietungen wurde der Besuchsplan abgespult; schließlich war der Messebesuch geplant, unnötiges Herumlaufen nicht beabsichtigt. Ergebnis der Besuche:

-- 2 x konnte das interessierende System nicht vorgeführt werden, leider Systemabsturz;

-- 2 x war aufgrund des Gedrängels leider kein Terminal verfügbar;

-- I x war der für das Softwarepaket zuständige Fachmann zu Tisch und

-- I x wurde nach dem obligatorischen Austausch von Visitenkarten ein Besuchstermin im Büro vereinbart.

Kam einmal ein längeres Gespräch zustande, stellte sich der Gesprächspartner als reiner Marketing - Mann mit nur geringen Detailkenntnissen heraus, oder aber als Systemfachmann, der aufgrund seiner detaillierten Ausführungen auch nach 15 Minuten nicht über die Beschreibung und Demonstration der Login - Prozeduren hinauskam.

Unnötiges Herumlaufen nicht beabsichtigt

Bleibt als Fazit: Für den potentiellen Anwender ist eine solche Messe sicherlich nicht der geeignete Ort, um sich sinnvoll beraten zu lassen. Auch das Mittelstandsforum, das gerade der wichtigsten Zielgruppe, den mittelständischen Unternehmen, Hilfestellung und Orientierung bieten wollte, konnte daran nicht sehr viel ändern - der interessierte Anwender wurde bei konkreten Problemstellungen oft zu einem Termin nach der Messe gebeten. Ob sich dann aber der Weg nach Hannover lohnt, kann man dann durchaus in Frage stellen.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß etwa für einen Computerhändler, der einen koreanischen Zulieferer sucht, für ein Softwarehaus, welches Vertriebspartner gewinnen will, oder für einen Unternehmensberater, der eine bestimmte Softwarelösung anschauen möchte, der Messebesuch sicherlich einen anderen Stellenwert genießt.

Auch für Technofreaks und Computerkids, die die Stände von Atari und Commodore ebenso belagern wie die Kids auf der Frankfurter Automobilausstellung die Stände von Rolls - Royce oder Ferrari, ist die CeBIT sicherlich einen Besuch wert.

Für den Computer - Einsteiger und Endbenutzer jedoch stellt sich nach Messebesuch der Markt als noch undurchschaubarer dar: Ständig neue technische Superlative und eine Innovationsgeschwindigkeit, die Neuinvestitionen aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll erscheinen lassen, verunsichern und treiben die Anwender in eine Bindung zu den großen Anbietern, die das Geschäft unter sich ausmachen.

Es läßt sich sagen, daß gerade der Personenkreis, der aus der Sicht der DV -Anbieter das größte zukünftige Käuferpotential bildet, auf der CeBIT fehl am Platz ist. Es kann aber natürlich auch sein, daß dieser subjektive Erfahrungsbericht die Realität verkennt und ich immer noch nicht über die richtige "Messebesuchsstrategie" verfüge.