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26.05.1995

Messe fuer Home-Anwender soll die CeBIT entlasten Fachhandel und Soho-Markt im Visier

Noch vor wenigen Wochen hatte Hubert Lange, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Messe AG, im CW-Gespraech eingeraeumt, die Widerstaende in der Industrie gegen eine zweite CeBIT fuer den Home- Anwender-Markt seien betraechtlich. Ungeachtet dieser Erkenntnis haben sich die Hannoveraner nun doch zur Durchfuehrung einer alle zwei Jahre stattfindenden Consumer-Messe entschlossen.

Rund 700 bis 1000 Aussteller sollen ihr Angebot auf der ersten "CeBIT-Home - World of Home Electronics" vom 28. August bis zum 1. September 1996 zur Schau stellen. Der Termin mag manchem Sommer- urlauber ungelegen kommen. Er wurde jedoch so gewaehlt, weil den Beteiligten der zeitliche Abstand zum Weihnachtsgeschaeft ideal erschien.

Die Mehrheit der Aussteller (etwa 500 bis 600) wird sich aus dem Kreis der bisherigen CeBIT-Klientel rekrutieren. Auf einer Flaeche von rund 60000 bis 80000 Quadratmetern, so planen die CeBIT- Macher, duerften sich bereits zur Eroeffnungsveranstaltung mindestens 150000 Besucher tummeln. Sie sollen aus Privathaushalten, den sogenannten Small- und Home-Offices sowie zu einem Grossteil aus dem Fachhandel stammen. Da bereits fuehrende Unternehmen aus der Unterhaltungs-elektronik-Branche sowie aus Informations- und Kommunikations-industrie ihre Teilnahme zugesagt haben, scheinen die Erwartungen des Veranstalters nicht ueberzogen.

Fuer die CeBIT-Manager war die von den Ausstellern immer wieder geforderte Entlastung der Fruehjahrsveranstaltung einer der wichtigsten Gruende, die neue Messe zu etablieren. Mehr als 750000 Besucher, davon gut 200000 Privatanwender, hatten zuletzt fuer eine voellig ueberlastete Infrastruktur und - wie eine Befragung unter COMPUTERWOCHE-Lesern zeigte - fuer schlechte Stimmung bei manchem professionellen Computernutzer gesorgt.

Die Messeleitung musste reagieren, sollte sich die Situation nicht weiter zuspitzen, denn man hatte bereits auf Druck der Aussteller beschlossen, die Dauer der CeBIT von acht auf sieben Tage zu verkuerzen. Ob die Messe nach der Quasi-Aussperrung der Privatbesucher nun ein weiteres Mal beschnitten wird, ist noch ungewiss. Allerdings duerfte es dem Veranstalter schwerfallen, gegenueber den Ausstellern und Verbaenden wie bisher fuer das Festhalten an einer Wochenend-veranstaltung zu argumentieren.

Im Jahr 2000, so hatte ein Gutachten der Muenchner Unternehmens- beratung Roland Berger & Partner den Hannoveranern prophezeit, haette die CeBIT in ihrer bisherigen Form einen Besucherstand von einer Million Menschen (davon ueber 400000 Privatanwender) erreicht. Dieser Entwicklung schiebt die Messegesellschaft jetzt nicht nur mit ihrer neuen Veranstaltung, sondern auch mit drastisch erhoehten Eintritts-preisen auf der Fruehjahrs-CeBIT einen Riegel vor.

Der Besuch der Hauptveranstaltung soll kuenftig mit 50 Mark fuer eine Tageskarte zu Buche schlagen, das sind 15 Mark mehr, als zuletzt verlangt worden war. Die CeBIT-Home soll einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" zufolge 17 Mark pro Tag kosten, ein Preis, der fuer Privatbesucher akzeptabel ist.

Ob die Consumer-Messe ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Sicher scheint indes, dass sich trotz aller Bemuehungen der CeBIT-Macher nicht die neue Soho-Messe, sondern die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin als Leitmesse der Unterhaltungselektronik durchsetzen wird. In diesem Sinne zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" auch einen Vertreter des ZVEI.

Wilhelm Kahle, Vorsitzender des Fachverbandes Unterhaltungselektronik, begruesst dennoch den neuen CeBIT-Ableger und sieht vor allem fuer den Fachhandel gute Perspektiven. Um der ueber-maechtigen IFA nicht ins Gehege zu kommen, haben die CeBIT- Macher denn auch beschlossen, ihre Home-Messe nur alle zwei Jahre alternierend mit der Berliner Ausstellung stattfinden zu lassen.

Fuer Unternehmen, die ihre Zielgruppe sowohl im professionellen als auch im sogenannten Soho-Markt sehen, bietet die Einrichtung der CeBIT-Home nicht nur zusaetzliche Moeglichkeiten der Selbstdarstellung, sie verursacht auch Mehrkosten. Eine Firma Microsoft ist hierzulande laengst nicht mehr nur auf Grossmessen wie der CeBIT oder der inzwi-schen ebenfalls jaehrlich stattfindenden Systems in Muenchen praesent.

Gemeinsam mit Compaq wird die Gates-Company in diesem Jahr auch einen grossen Stand auf der IFA belegen. Sogar die Frankfurter Buchmesse ist fuer den Branchenkroesus aus Redmond inzwischen Pflicht, will man sich das Electronic-Publishing-Geschaeft nicht entgehen lassen.

Auf den Multimedia-begeisterten Privatanwender zielt auch die Muench-ner Messegesellschaft mit ihrer Verkaufsmesse "Bits & Fun", die im Herbst dieses Jahres (24. bis 26. November) erstmals im Muenchner Order Center (MOC), Freimann, stattfinden soll. Die Orgatec-Veran-stalter in Koeln haben sich ebenfalls etwas einfallen lassen: Sie werden ab 1996 neben einer Messe fuer Bueromoebel auch die "Ifcom" ausrichten, eine "Anwendermesse fuer Information und Communication". Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung prophezeien Marktbeobachter bereits das Aus fuer zahlreiche Kleinveranstaltungen.

Die Entscheidung der Messegesellschaft in Hannover basiert auf einem Gutachten von Roland Berger & Partner, wonach der Multimedia-Boom die Entstehung eines Massenmarktes verspricht, der sich gegenueber dem Segment sogenannter Business-Anwendungen ueberproportional entwickelt. Die Mischung von Text, Bild, Ton und Daten laesst neue Produkte entstehen, die nicht mehr nur von IT- Herstellern, sondern zunehmend auch von Unternehmen der Unterhaltungsbranche angeboten werden. Dieser Entwicklung soll die fuenftaegige CeBIT-Home Rechnung tragen - und zwar von Anfang an als fuehrendes europaeisches Messeereignis.