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2. "Europa Software" in Utrecht setzt auf Zuwachs:


08.04.1982 - 

Messe im Trend zum emanzipierten Anwender

Die Frage, ob man überhaupt Software ausstellen kann, ist - trotz des immateriellen Charakters des Computer-Innenlebens - inzwischen hinlänglich beantwortet. CeBit, Systems und Orgatechnik tun das seit Jahren - mit unterschiedlichen Akzenten und in unterschiedlicher Umgebung. Die niederländische Messe hat 1981 versucht, Software als alleiniges Ausstellungsthema zu behandeln - mit Erfolg. Die erste "Europe Software" konnte auf Anhieb 6 000 Besucher und 153 Anbieter für sich verbuchen. Zwar war die deutsche Messepräsenz eher lückenhaft, dafür aber der internationale Charakter - durch starke Benelux-, US- und britische Beteiligung - unübersehbar.

In diesem Jahr wird die 2. "Europe Software" vom 25. bis 27. Mai 82 in der Messe in Utrecht durchgeführt. Die Veranstalter setzen aufgrund der positiven Resonanzen deutlich auf Zuwachs. So wurde die Ausstellungsfläche von 3 000 (1981) auf 7 000 Quadratmeter erhöht. Bis zum Stichtag, dem 18. März 1982 hatten sich bereits 135 Aussteller aus acht Ländern fest angemeldet. Zehn Prozent der Aussteller kommen aus der Bundesrepublik oder sind als international tätige Softwareunternehmen auch im deutschen Markt tätig. Damit steigt die deutsche Präsenz gegenüber 1981, was auch manchen Besucher nach Utrecht locken wird, der die Softwaremesse 1981 nur aus anschließenden Presseberichten zur Kenntnis genommen hat.

1981 fiel gegenüber deutschen DV-Messen auf, daß die Messe wie auch die Aussteller auf Gags verzichteten. Es herrschte eine nüchterne, fast ruhige Atmosphäre. Happenings wurden nicht veranstaltet. Dagegen bildeten sich überall dort, wo etwas demonstriert wurde, Gruppen von Interessenten, so daß manche Standbesetzung Mühe hatte, die aufkommenden Fachfragen schnell genug zu beantworten. Unter den Interessenten war eine starke Gruppe die der unmittelbaren EDV-Endbenutzer. Eine Befragung von Messebesuchern ergab, daß mancher Fachbereichsleiter, mancher Entwicklurlgsingenieur und mancher Manager - hier insbesondere aus mittelständischen Unternehmen - zur Software-Messe gekommen war, um sich unmittelbar zu informieren und nach Problemlösungen direkt Ausschau zu halten. Wenn solche direkten Informationswege - am Chef der EDV-Abteilung vorbei - für den Endbenutzer möglich und sinnvoll erscheinen, dann sind strukturelle Veränderungen bei der Auswahl und Beschaffung von DV-Systemen zu erwarten. Offenbar ist es der Branche gelungen, ihre Botschaft, die Systeme seien extrem benutzerfreundlich geworden, tatsächlich an den Mann zu bringen.

Für die traditionellen DV-Manager hat eine solche Entwicklung Konsequenzen. War er bislang der Motor der Automatisierung, so kann es ihm jetzt blühen, daß sich der emanzipierte Anwender selbst bedient und an ihm vorbei Systeme implementiert - mit vielleicht sehr negativen Folgen hinsichtlich innerbetrieblicher Schnittstellen, Systemkompatibilität und Wirtschaftlichkeit. Die diesjährige Europe Software wird hinsichtlich der Besucherstrukturen erweisen, ob sich der Trend zum emanzipierten EDV-Endverbraucher verfestigt hat.

Auffällig ist bei Sichtung des vorläufigen Ausstellerverzeichnisses, daß die Vereinigten Staaten überdurchschnittlich stark vertreten sind. Dabei geht es nicht nur um die Darstellung von Softwareangeboten Viele Unternehmen verbinden mit der Ausstellung die Suche nach geeigneten Vertriebspartnern in Europa. Holland hat sich dank staatlicher Förderung der DV-Branche zu einem idealen Markt für Kooperationsmodelle entwickelt. Alles in allem: Der Besucher der Europe Software '82 wird voraussichtlich eine gute Marktübersicht - konzentriert auf Software, Software- und Computerdienstleistung - im europäischen Raum unter Einbeziehung starker Impulse aus USA erhalten. Utrechts Lage an der Rheinschiene läßt die Messe auch aus deutscher Sicht als attraktiv erscheinen.

*Hans Gliss, Unternehmensberatung SCS, Essen, sowie im Vorstand der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherung e.V., Bonn