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09.10.1992 - 

Systec ringt auch 1992 um die eigene Identität

Messen haben als Produkt-Schaufenster ausgedient

Fällt Informationstechnik in der Fertigung plötzlich nicht mehr in die Zuständigkeit der Profis am den DV-Abteilungen? Für die Macher der Systec-Messe stellen diese jedenfalls nicht die Primäre Zielgruppe dar. Beinahe missionarisch versucht die Münchner Messegesellschaft (MMG), mit der DV-als-Werkzeug-Argumentation das Interesse von Spezialisten aus dem Fertigungsbereich zu wecken - bisher jedoch mit nur mäßigem Erfolg. Ob ein geändertes Messekonzept, also eine Systec für IT-Fachleute, die ersehnte Akzeptanz bringen würde, steht dahin: Bei den Entscheidern sind herkömmliche Messen ohnehin out.

Für die Anbieter von Informationstechnik schien der Kreis der Ansprechpartner bisher klar umrissen: Die zentralen DV-Abteilungen entschieden de facto, was angeschafft wurde. Probleme mit der richtigen Zielgruppe stellten sich daher bei Messen wie der CeBIT oder der im zweijährigen Turnus stattfindenden Systems nicht. Unklar ist jedoch, wer auf dem Systems-Ableger Systec gern gesehen ist. Nachdem die Messegesellschaft die C-Techniken vor sechs Jahren aus der Systems ausgliederte, um mit der Systec für diesen Bereich eine eigene Messe ins Leben zu rufen, wollen sie nicht mehr die für DV-Entscheidungen verantwortlichen IT-Profis ansprechen; man plante eine Ingenieurmesse in München. "Den klassischen Rechenzentrumsfürsten wollen wir nicht", äußerte etwa Eberhard Färber von Ixos Software 1990 gegenüber der COMPUTERWOCHE.

Bisher blieb der Systec der große Durchbruch versagt das Konzept setzte sich nicht durch. So ergab beispielsweise eine Ausstellerumfrage der COMPUTERWOCHE, die 1988 nach der zweiten Systec durchgeführt wurde, daß der typische Systec-Besucher nichts unterschreiben darf. Zwei Jahre später, beim dritten Anlauf, mokierte sich der Bund deutscher Unternehmensberater BDU - mit Kritik sonst eher zurückhaltend - über die Zielgruppen-Positionierung und den damit verbundenen mangelnden Erfolg der Messe.

Systec: Richtiges Motto zum passenden Zeitpunkt

Jetzt - beim vierten Systec-Versuch - stehen die. Sterne eigentlich günstig wie nie zuvor. Steigender Wettbewerbsdruck hat die Rationalisierungsbemühungen in den deutschen Produktionsunternehmen verstärkt. Schlagworte wie Lean Production, Just-in-time oder Simultaneous Engineering bezeichnen das neue Produktionszeitalter, dem sich nicht zuletzt Publikationen wie "Die zweite Revolution in der Automobilindustrie" widmeten. Kein Lean-Production-Kongreß, der sich nicht mit der neuen Bibel der Automobilbauer beschäftigt, die - bezugnehmend auf eine Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) darstellt, worauf der Wettbewerbsvorsprung der Japaner beruht.

Diesem Trend zur schlanken integrierten Fabrik tragen die Messeveranstalter Rechnung. "Die Systec ist als Fachmesse für Informationstechnik in der Fertigung konzipiert", erklärt Ulrich Probst, Pressesprecher der MMG. Neben den C-Techniken soll das Messeangebot beispielsweise auch die Bereiche Logistik -und Qualitätssicherung abdecken. Dabei versuche man, den Wandel in der DV-Landschaft darzustellen, also die Verlagerung der Informationstechnik von der Zentrale in die Fachbereiche, wo sie eine dienende, untergeordnete Rolle spiele, so der Systec-Sprecher.

Das diesjährige Messemotto deckt sich deshalb zweifellos mit den Herausforderungen, vor denen die deutschen Fertigungsunternehmen stehen. Weiterhin zwischen den Stühlen lavieren die Systec-Verantwortlichen jedoch mit ihrer Zielgruppendefinition.

Messeveranstalter stört das DV Image der Systec

Auch 1992 wird die Ausstellung als Fachmesse für Spezialisten aus der Fertigung beworben - eine DV-Messe will sie nicht sein. "Das Vorurteil, daß die Systec eine DV-Messe ist, hält sich immer noch", bedauert Probst. Während auf produktionsorientierten Messen wie der Metav oder der Interkama neben Produkten der Informationstechnik auch Maschinen zu sehen sind, beschränkt sich das Ausstellungsprogramm der Systec jedoch auf Hard- und Softwareprodukte. Ob die von Messegesellschaft und Ausstellerbeirat als Wunschbesucher bezeichneten "Konstrukteure, Logistiker und Leute, die sich mit BDE unter organisatorischen Aspekten befaßen", hier auf ihre Kosten kommen, wird von Branchenkennern indes bezweifelt.

Daß die Produktionsprofis durchaus am Ausstellungsprogramm der Systec interessiert sind, bestätigt Siegfried Hager, Produktionsleiter bei der Münchner MAN Nutzfahrzeuge AG: "Selbstverständlich gehen bei uns Fertigungsfachleute auf die Systec. Wir arbeiten mit PPS-Systemen und anderen Informations- und Kommunikationslösungen, deshalb ist das Thema für uns schon interessant." Josef Königer, Prokurist und Leiter Materialwirtschaft der Krones AG, schickt zwar seine Mitarbeiter auf die Systec, findet aber seinen Informationsbedarf bezüglich Produktion auf der EMO, Metav oder der Blech, die Ende Oktober in Hannover stattfindet, besser befriedigt.

"Die Systec bringt mir in bezug darauf, was es im Bereich Produktions- und Fertigungssteuerung über Leitstände, BDE oder CAP Neues gibt, sehr viel. Unser Bedarf der dieses Themenspektrum betrifft, wird jedoch an die DV-Abteilung weitergeleitet", erklärt der Produktionsprofi.

Im Gegensatz zu den Veranstaltern sehen die Verantwortlichen im Fertigungsbereich die primäre Zielgruppe der Systec auf seiten der DV. Dies ist in bezug auf die Metav oder die Interkama nicht so, dort besteht Klarheit darüber, daß es sich um Ausstellungen für Produktionsleute handelt.

So sieht beispielsweise Peter Herrmann, Geschäftsführer der Schaudt Maschinenbau GmbH, die Systec keineswegs als Veranstaltung für Fertigungsprofis. "Die Systec ist schwerpunktmäßig eine DV-orientierte Messe. Das ist nicht mein Thema. Ich bin mehr ein Produktionsmann mit hochgekrempelten Ärmeln", bemerkt der Stuttgarter.

Er liegt mit dieser Meinung auf einer Linie mit Königer, der die Systec auch als DV-orientierte Messe bezeichnet. Hier seien die Kenntnisse von DV-Fachleuten gefordert.

Außerdem spricht Königer einen wichtigen Punkt an, der für Produktionsverantwortliche den Unterschied zwischen Messen wie EMO, Metav und Blech zur Systec ausmacht. "Auf der Metav oder der Blech werden Produkte ausgestellt, deren Anschaffung in den Fertigungsbereich fallen. DV-Komponenten für Leitstände sind dagegen Investitionen, die über die Organisations- beziehungsweise DV-Abteilungen laufen."

Ohne DV-Fachleute wird sich die Strukturänderung in den deutschen Automobil- und Maschinenbau-Betrieben nach Ansicht von Fachleuten auch nur, schwer realisieren lassen. Der Trend zur Automatisierung im Sinne von Lean Production verlangt von der Informationstechnik stärker als früher die Integration und Kommunikation. Bei vielen IT-Managern von Produktionsunternehmen stehen deshalb schlankere PPS-Systeme oder Just-in-time-Konzepte ganz oben auf der Prioritätenliste. So beschäftigt sich beispielsweise Wolfgang Bommes, DV/Org.-Leiter bei Eduard Küsters Maschinenfabrik, mit CIM, wobei der Krefelder zudem den Umstieg von der proprietären VAX-Welt auf Unix plant.

Für die IT-Manager steht außer Frage, daß sie die produktionsbezogene DV und damit das Ausstellungsprogramm der Systec durchaus etwas angeht. "Natürlich ist das ein Thema für DV-Leiter", bestätigt Wolfgang Stubenrauch, Fachbereichsleiter für Informationsverarbeitung beim Münchner Bremsenhersteller Knorr-Bremse AG.

Unterschiedliche Vorstellungen, welcher Besucher als wichtig gilt, existieren jedoch auch unter den Ausstellern. Während Digital-Kienzle die Linie der Messegesellschaft, unterstützt, wünscht man sich bei Benzing Zeit + Daten DV-Fachleute als Standbesucher. Der Pressesprecher des Anbieters von BDE-Produkten aus Villingen-Schwenningen räumt aber ein, daß man die Anwenderseite eigentlich mehr auf der CeBIT ansprechen will, Die Systec diene in erster Linie dazu, Kontakte für das OEM-Geschäft zu knüpfen.

IT in der Fertigung ist ein Thema für DV-Profis

Weder bei Produktionsverantwortlichen noch bei DV-Managern gilt die Systec als Muß-Veranstaltung. Statt selbst eine Runde zwischen den Ständen zu drehen, schicken sie - vor allem bei Unternehmen aus dem Münchner Raum - ihre Mitarbeiter auf die Messe. So äußert Stubenrauch: "Meine Mitarbeiter gehen reihenweise hin, Entscheidungsträger aber eigentlich nicht." Einen konkreten Auftrag, etwa verschiedene Produkte zu vergleichen, bekommen die wenigsten. "Der Messebesuch dient einerseits zur Motivation, andererseits um das Know-how zu erweitern", erklärt ein DV-Leiter aus Nordbayern.

Das Interesse der IT-Verantwortlichen an Messen hat jedoch allgemein abgenommen. Produktparaden mit Schaufenster-Charakter sind den IS-Managern die Reise meist nicht wert - das spüren sowohl die Systec als auch andere Messen. Die Ansprüche der IS-Manager haben sich geändert. Sie nutzen den Messebummel vielmehr dazu, Trends zu erkennen oder Ideen aufzugreifen. "Wenn ich auf Messen fahre, interessieren mich mehr die allgemeine Stimmung und die Trends", erläutert Bommes. Informationsbedarf sei aber unbestritten vor. handen. "Für uns ist es ein wichtiges Thema, was wir in Zukunft in Sachen DV machen," berichtet der CIM-Fachmann, der sich seit eineinhalb Jahren mit Downsizing und offenen Systemen beschäftigt.

Das Angebot, sich schlauer zu machen, wird jedoch ständig umfangreicher - Messen dienen nicht mehr allein als Informations-Pool. Größere Veranstaltungen wie Systems, Systec oder Orgatec konkurrieren deshalb verstärkt mit Kongressen, Seminaren oder Hausveranstaltungen von Herstellern, bei denen die DV-Verantwortlichen ebenfalls Erfahrungen austauschen öder Kontakte knüpfen können.

Außen vor ist nur noch die CeBIT. Das jährliche DV-Spektakel in Hannover gehört für viele zum , Pflichtprogramm. Messen wie Systec oder Orgatec als Kür anzuhängen scheitert bei den IS-Managern meist am Zeitmangel oder an Sparmaßnahmen der von Konjunkturschwäche betroffenen Industrie. betriebe, wie der DV-Leiter eines württembergischen Unternehmens erklärt.

Hinzu kommt, daß die CeBIT-Teilnehmer auch in Hannover Hard- und Software für den Fertigungsbereich präsentieren - dafür eine große Fachmesse zu besuchen halten manche IS-Manager deshalb nicht mehr für er. förderlich. "Die interessanten Aussteller der Systec sind auch auf der CeBIT vertreten" argumentiert Bommes. Die Hersteller stören sich nicht mehr daran, was für eine Art Messe es ist."

Wenn Konkrete Probleme anstehen, haben die Messen als Informationsquellen jedoch im großen und ganzen nicht mehr die Bedeutung wie früher. Die DV-Leiter nutzen heute andere Möglichkeiten, sie können nicht mehr Warten, bis eine Messe stattfindet. "Es mag sein, daß auch einmal etwas dabei heraus kommt, wenn man auf der Messe nach einer Problemlösung sucht, doch meine Erfahrungen sind eher gegenteilig", sagt Roland Pfisterer, DV/Org. Leiter bei Steinbeis Temming Papier.

Messen konkurrieren mit Seminaren und Kongressen

Sich auf einem Stand Produkte vorführen zu lasse, bezeichnet als nicht sinnvoll. "Dabei kommt nichts heraus", lautet die einhellige Meinung der befragten DV-Manager. Meinst sei werden beim Standpersonal noch beim Besucher die Zeit für ausführliche Erklärungen vorhanden So hält Stubenrauch mehr davon, sich durch Referenzbesuche über neue Produkte schlau zu machen. "Man wird übers Jahr mit Informationen überflutet. Scheint ein Produkt für ein Projekt interessant, greift man sofort zum Telefonhörer und wartet nicht auf eine Messe", fügt der Münchner hinzu. "In der 60er und 70er Jahren war das vielleicht noch anders, doch heute werden auf den Messen keine Käufe mehr getätigt."