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06.02.1987 - 

Personalmangel drängender als neue Arbeitszeitregelung:

Metallbranche sucht Technik-Kräfte

MÜNCHEN - Der Mangel an technisch qualifizierten Fachkräften scheint zum neuralgischen Punkt bei den Gesprächen um Arbeitszeitverkürzung in der Metallindustrie zu avancieren. 10 000 Betriebe der Branche sind nämlich von diesem Engpaß betroffen; zwei Drittel reklamieren bereits Produktionsschwierigkeiten. Querelen um die Weiterbildungsfinanzierung versprechen indes einen dauerhaften Status quo.

Gerade Arbeitnehmer mit einer Qualifikation in neuer Technik - Facharbeiter, Informatiker und Ingenieure also - sollten sich nach Auffassung des Arbeitgeber-Präsidenten Klaus Murmann mit der Vorstellung vertraut machen, wieder länger als 40 Stunden in der Woche zu arbeiten. Eine "generelle" Arbeitszeitverkürzung sei nämlich nicht vereinbar mit dem herrschenden Fachkräftemangel. Bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden würden im Bundesgebiet rund 200 000 Fachkräfte fehlen.

Der Mangel zeigte sich bei 10 000 Betrieben der Metallindustrie bereits im vergangenen Jahr. Mitte 1986 gab es dort aber in jedem dritten Betrieb Probleme, weil Fachpersonal fehlte. Zwei Drittel der Unternehmen sprachen sogar von Produktionsschwierigkeiten. Ein weiteres Fünftel rechnet mit Auswirkungen durch den Qualifikations-Engpaß. Zu diesen Ergebnissen kommt im Juni 1986 eine Umfrage der Arbeitgebervereinigung an der sich 5000 "repräsentative" Unternehmen beteiligten.

Eine rasche Einführung neuer Techniken in Produkte und Produktion habe unter anderem zu dieser Situation geführt. Je höher aber die Investitionen, weist Professor Günter Spur vom Institut für Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik in Berlin die Trendrichtung, desto größer müsse der Grad der Auslastung - mit abwechselnden Bedienungsmannschaften rund um die Uhr - besonders bei den aufwendigen Systemen der Computer-Aided-Techniken sein. Gesucht werden nach Gesamtmetall-Erhebungen zunächst vor allem Fachkräfte mit NC- und CNC-Kenntnissen. Sie sollen die computergesteuerten Anlagen bauen und bedienen. Den größten Bedarf an dieser Mitarbeiterspezies vermelden der Fahrzeugbau mit 35 Prozent an Facharbeitern und 19 Prozent Ingenieuren, der Maschinenbau sowie die Elektronikindustrie mit je 24 Prozent an Facharbeitern und 38, beziehungsweise 17 Prozent an Ingenieuren. Selbst die Regionen mit überdurchschnittlich vielen Arbeitslosen fänden Unternehmen die benötigten Fachkräfte nicht, stellt die Gesamtmetall-Umfrage fest.

Die IG Metall setzt dagegen, daß in der Bundesrepublik 144 000 Facharbeiter arbeitslos seien. Zudem würden in den Betrieben viele Facharbeiter nicht ihrer Qualifikation entsprechend eingesetzt.

Gleichzeitig nimmt die Bedeutung traditioneller Qualifikationen ab. In ihrer Untersuchung betont Gesamtmetall: "Für alle Arbeitnehmer ist die berufliche Weiterbildung eine Investition zur Sicherung seiner Beschäftigung und um seine Aufstiegschancen zu erhöhen." Um den Facharbeitermangel zu beheben, böten neun von zehn Unternehmen, so Werte aus der Erhebung, Qualifizierungsmaßnahmen an. Allerdings sollen ein Fünftel der betroffenen Betriebe über mangelndes Interesse der Mitarbeiter an Weiterbildung klagen.

Wer als Arbeitgeber fordere, daß der Arbeitnehmer die Kosten von beruflicher Aus- und Weiterbildung gerade in neuen Techniken selber tragen solle, wolle sich aus seiner ureigensten Aufgabe herausmogeln. So kontert Norbert Kahle, Bundesvorsitzender der Jungen CDU-Arbeitnehmern, die Forderung, die Summe der Anpassungsausbildung auf den Lohn anzurechnen.

Bei den Kosten der Qualifizierung seien zuallererst die Unternehmen gefordert, denn schließlich hätten sie den betriebswirtschaftlichen Nutzen.