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20.10.1995

Methoden-Framework von CSC soll in Lizenz genommen werden Siemens und SNI schicken ihre Outsourcing-Tochter auf den Weg

MUENCHEN (hv) - Nach neunmonatiger Vorbereitungszeit sind die Muenchner Siemens AG und ihre IT-Tochter Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG zum 1. Oktober 1995 gemeinsam in das Outsourcing-Geschaeft eingestiegen. Konzentriert Siemens seine Servicebereiche wie geplant weiter, duerfte sich das Volumen des neugegruendeten 2130-Mitarbeiter-Unternehmens Siemens Business Services GmbH & Co. OHG (SBS) schnell verdoppeln.

In der SBS wurden zunaechst die Siemens-Bereiche Rechen- und Kommunikationsdienste (RK), das Siemens Communication Network sowie die bei SNI angesiedelte Sietec Consulting zusammengefuehrt. Die Verantwortung fuer die neue Gesellschaft traegt der SNI- Geschaeftszweig Business Services, der von Geschaeftsfuehrungsmitglied Friedrich Froeschl geleitet wird. Der ehemalige CSC-Geschaeftsfuehrer zaehlt zum erweiterten Vorstand der SNI.

In seinem Verantwortungsbereich sind neben der neuen Outsourcing- Gesellschaft auch die Sektoren Grossprojekte (1740 Mitarbeiter), Training und Dienste (720) sowie Consulting (60) aufgehaengt. Ein spaeteres Zusammenwachsen saemtlicher Business Services unter dem Dach eines "Systemhauses SBS" haelt Froeschl durchaus fuer moeglich (siehe auch Interview, Seite 9).

Die SBS hat nicht nur den Auftrag, die Datenverarbeitung im Siemens-Konzern zu betreuen. Sie soll sich auch im externen Geschaeft zu Deutschlands Nummer eins unter den IT-Dienstleistern aufschwingen. Auf europaeischer Ebene moechte man ebenfalls im Konzert der Grossen mitspielen; Froeschl nennt die SBS in einem Atemzug mit EDS, Andersen Consulting und IBM.

Breiten-Know-how der Siemens AG nutzen

Eine solche Prognose sei nicht vermessen, weil der Gesellschaft nicht nur das IT-Know-how von Siemens-Nixdorf, sondern das gesamte Breitenwissen der Siemens AG zur Verfuegung stehe. Die SBS will daher nicht nur Services im Betrieb von Rechnern und Anwendungen, im Desktop-Bereich sowie im Netz- und Anwendungs-Management anbieten. Den Kunden sollen auf Wunsch ganze Geschaeftsprozesse abgenommen und Hilfestellung bei der Umgestaltung ihres Geschaefts im Sinne des Business Re-Engineering offeriert werden.

Defizite im Consulting-Geschaeft hofft Froeschl durch enge Kooperationen mit renommierten Unternehmen wie McKinsey oder Boston Consulting ausgleichen zu koennen. Ausserdem sei ein Vertrag mit seinem ehemaligen Arbeitgeber, der Computer Sciences Corp. (CSC), in Vorbereitung, nach dem SNI das gesamte Methoden- Framework von CSC in Lizenz nehmen koenne.

Die neue Outsourcing-Gesellschaft von Siemens startet mit einer Kapitalausstattung von 130 Millionen Mark. Nur 180 der insgesamt 2130 Beschaeftigten steuert SNI mit der Sietec Consulting bei. Die Mehrheit stammt aus dem RK-Bereich (1700) der Siemens AG sowie dem Sektor Siemens Communication Network (250). Der personellen Besetzung entsprechend haelt die Siemens AG einen Anteil von 98 Prozent an der SBS. Mit diesen Beteiligungsverhaeltnissen moechte die SBS deutlich signalisieren, dass sie den Markt mit der Rueckenstaerkung des finanzstarken Siemens-Konzerns betritt. Gleichwohl erhaelt die im IT-Umfeld angesiedelte SNI trotz ihrer nur zweiprozentigen Beteiligung die volle Management- Verantwortung. Sprecher der SBS-Geschaeftsfuehrung ist der seit 1971 in Siemens-Diensten stehende gebuertige Inder Chittur Ramakrishnan. Die SBS als eine offene Handelsgesellschaft zu fuehren - ein nicht eben uebliches Vorgehen - begruendet Ramakrishnan damit, dass sich Joint-ventures und gemeinsame Tochtergesellschaften mit Grosskunden sehr viel einfacher gruenden liessen. "Asset- und Personaluebernahmen lassen sich so am schnellsten durchfuehren", erklaert der SBS-Mann.

Bereits in ihrem ersten Geschaeftsjahr soll die SBS mehr als eine Milliarde Mark Umsatz erwirtschaften, davon bereits 200 Millionen mit externen Kunden. Vertraege mit zirka 20 Outsourcing-Kunden, darunter Jena Optik und das Bankhaus Lampe, bestehen bereits. Schon 1999 sollen 40 Prozent des Umsatzes ausserhalb des Siemens- Konzerns erwirtschaftet werden. Bis zum Ende des Jahrtausends will die SBS beim Umsatz jaehrlich um 13 Prozent zulegen. Mittelfristig sollen je ein Drittel der Einnahmen in Deutschland, in Europa und im aussereuropaeischen Raum erzielt werden. Erste Gewinne erwartet Froeschl fruehestens 1997/98, wobei er vor allem bei der oeffentlichen Hand, Banken und dem Einzelhandel ein grosses Kundenpotential sieht.