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17.05.1985 - 

Lernaufwand für Branchen und problemgebundene Tools lohnt nicht:

Methodenpaket überdeckt den gesamten Prozeß

Software-Engineering ist gekennzeichnet durch ein Überangebot von Verfahren und Tools. Häufig enden die gekauften Werkzeuge als Schrankware. Wolfgang Schönfeld, Geschäftsführer der GEI-Gesellschaft für elektronische Informationsverarbeitung mbH, Aachen, beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der Frage, inwieweit Methodenpakete geeignet sind, diesen Frust zu vermindern.

Engineering-Methoden für diesen Bereich sind Theorien über die Entwicklung von Software durch ingenieurmäßige Verfahren und Techniken. Werkzeuge oder Tools sind Programme, die diese Methoden teilweise automatisieren: vom Editor über Grafiksoftware bis zu speziellen Analysatoren. Ein Software Engineering Environment (SEE), manchmal auch Methodenpaket genannt, ist beides: Methodenbündel und zugehöriger Werkzeugkasten.

Sollen nun die angeschafften Pakete ihren Nutzen nicht verfehlen, muß ein Umfeld gestaltet und ein Erziehungsprozess in die Wege geleitet werden, in dem der Kauf eines Werkzeugs nur ein kleiner Schritt ist. Wichtige Stationen bei der Verbesserung der Software-Produktion lassen sich mit den beiden Schlagworten "Schulung und Verfügbarkeit" umschreiben. Unabhängig davon, ob kleine Tools oder ein Software Engineering Environment eingesetzt werden soll, sind Schulung der Mitarbeiter vor dem Start des Projekts und später die Verfügbarkeit der Hilfsmittel für jeden, der damit arbeiten will, notwendige Voraussetzungen für den Erfolg des Vorhabens.

Gute und ausgeklügelte Methodenpakete sind zu komplex, um einen Anwender nur aus sich heraus an begeistern. Ausführliche Schulung ist alleine schon deswegen notwendig. Ist dann eine Vertrautheit mit den zugrunde liegenden Methoden erreicht, so können gute Methodenpakete und ihre Rechnerunterstützung Vorteile bieten, die sie rasch in der Beliebtheitsskala emporschnellen lassen.

Weiter müssen die Methodenpakete allen Mitarbeitern eines Projektes ständig zur Verfügung stehen. Engpässe bei den vollständig ausgerüsteten Arbeitsplätzen oder lange Wege zum Rechenzentrum vermindern nämlich die Akzeptanz drastisch.

Erst wenn diese beiden Voraussetzungen erfüllt sind, können Methodenpakete ihre Vorteile ausspielen. Und einige gravierende Pluspunkte haben eben nur Pakete, die einzelnen Teilen daraus prinzipiell versagt sind: So bleibt etwa die Benutzeroberfläche über alle Phasen der Softwareentwicklung hinweg die gleiche. Die Gewöhnung an einen neuen Editor, an andere Formate oder Menüs entfällt. Gute Software Engineering Environments haben durchdachte grafische Schnittstellen, die eine einfache Bedienung ermöglichen und sichere Interfaces, die Eingabefehler mit hoher Wahrscheinlichkeit abfangen.

Darüberhinaus passen die einzelnen Methoden zur Unterstützung der verschiedenen Phasen der Software-Entwicklung inhaltlich zusammen. Es kann einem Benutzer nicht zugemutet werden, sich in den aufeinanderfolgenden Phasen eines Projektes stets mit grundlegend verschiedenen Methoden vertraut zu machen. Je besser die Verzahnung der Methoden, desto eher wird die Arbeit mit dem Werkzeug konsequent durchgezogen.

Weiterhin überdeckt ein Methodenpaket den gesamten Prozeß der Software-Entwicklung. In Pausen, die durch lückenhafte Methodenpakete zwangsläufig entstehen, geht das Wissen um das Tool wieder ein Stück verloren: Die Gefahr, daß SEE zur Schrankware wird, steigt.

Ein Projektmodell sollte deshalb mit Werkzeugen für die Anforderungsanalyse beginnen und mit solchen in der Implementierungsphase enden. Bei späteren Änderungen des Softwaresystems kann somit auf diese Werkzeuge immer wieder zurückgegriffen werden.

Zudem nimmt die von einem guten Software Engineering Environment angebotene Rechnerunterstützung den Entwicklern alle automatisierbare Arbeit ab. Gleichwohl bleiben in jedem DV-Projekt noch genügend Probleme, die nicht automatisch zu lösen sind. Reine Methodenpakete sind dagegen wenig hilfreich: Erst die Rechnerunterstützung vermittelt die Erfolgserlebnisse, macht die Methode lebendig.

SEEs müssen sich auf informationstheoretische Erkenntnisse stützen, die einer großen Gruppe von Software gemein sind. Branchen- und problemgebundene+ Hilfsmittel nutzen wenig und sind häufig bereits im übernächsten Projekt unbrauchbar:

Sind diese Randbedingungen erfüllt, so gibt es durchaus viele Beispiele, wo Methodenpakete keineswegs zur Schrankware wurden, sondern zum alltäglichen Werkzeug der Systementwickler.