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12.03.2004 - 

Proteste von Datenschutzaktivisten zeigen Wirkung

Metro zieht RFID-Kundenkarten zurück

MÜNCHEN (CW) - Die Metro AG will rund 10000 Kundenkarten umtauschen, die mit einem Radio-Frequency-Identification-(RFID-)Chip ausgestattet sind. Der Handelskonzern hatte beabsichtigt, die neue Technik in seinem Future Store in Rheinberg zu testen. Nach Protesten von Datenschützern und Verbraucherschutzorganisationen, die ein Ausspionieren der Kunden befürchteten, ist das Projekt vorerst auf Eis gelegt.

Mit dem Tausch der Kundenkarten nehme das Unternehmen Rücksicht auf emotionale Bedenken, hieß es von Seiten des Metro-Managements. Die rund 10000 Nutzer einer mit RFID-Technik ausgestatteten Karte sollen eine herkömmliche Payback-Karte mit Barcode bekommen.

Datenschutzaktivisten vom Verein zur Förderung des öffentlichen bewegten und unbewegten Datenverkehrs (Foebud) werten diese Entscheidung als Erfolg ihres Einsatzes gegen die umstrittene Technik. Bereits Anfang Februar dieses Jahres hatten die Kritiker darauf hingewiesen, dass die Metro AG die Kunden ihres Future Store in Rheinberg ausspionieren könnte. Nur durch Zufall hätte man festgestellt, dass in den Payback-Kundenkarten ein RFID-Chip integriert sei, berichtete Rena Tangens vom Foebud. Im Geschäft aufgestellte Antennen seien in der Lage, Funksignale der Kundenkarte zu empfangen und damit genau festzustellen, welcher Kunde wann die Verkaufsräume betritt und wieder verlässt. Außerdem sei es möglich, die Bewegungen der Kunden zu verfolgen und deren Kaufverhalten auszukundschaften.

Die RFID-Technik erlaube eine neue Qualität der Überwachung, warnten Experten. Das Sammeln von zusätzlichen Daten widerspreche den aktuellen Richtlinien zum Datenschutz, wonach alle Unternehmen dazu angehalten sind, möglichst wenige Informationen über ihre Kunden zu erheben und zu speichern. Daher hatten die Datenschützer das Metro-Management aufgefordert, alle Versuche mit der RFID-Technik bis spätestens Mitte Februar einzustellen.

Die Verantwortlichen der Metro AG wiesen Anfang Februar alle Vorwürfe postwendend zurück. Die RFID-Chips in den Kundenkarten dienten lediglich dazu, Trailer von DVD-Filmen in der Video-Abteilung freizuschalten, versicherte Firmensprecher Albert von Truchseß. Die Antennen an den Ein- und Ausgängen des Future Store unterstützten den Diebstahlsschutz. Sollten mit RFID-Etiketten versehene Waren an den Kassensystemen vorbeigeschmuggelt werden, registrieren die Antennen den Diebstahlsversuch und lösen Alarm aus. "Wir haben uns schriftlich zum Datenschutz verpflichtet", beteuerte von Truchseß. Ein Unternehmen wie die Metro Gruppe, die im Fokus der Öffentlichkeit stehe, könne es sich nicht leisten, das Vertrauen seiner Kunden zu riskieren.

Das überzeugte die Datenschutzaktivisten offenbar nicht. Sie kündigten an, ihren Forderungen mit einer Demonstration Ende Februar Nachdruck zu verleihen. Einen Tag, bevor rund 50 Demonstranten in Rheinberg anrückten und vom Bahnhof zu Metros Future Store zogen, lenkte der Handelskonzern ein und versprach, die RFID-Karten aus dem Verkehr zu ziehen.

Dieser Schritt bedeute jedoch keine komplette Abkehr von der RFID-Technik, versicherte Metro-Sprecher von Truchseß. Der Konzern halte weiter an dem Vorhaben fest, seine Logistikkette mit Hilfe der neuen Funktechnik zu verbessern. Ab November dieses Jahres sollen Transportverpackungen, Container und Paletten in zehn Zentrallagern sowie rund 250 Märkten mit Hilfe der RFID-Technik effizienter gesteuert durch Deutschland rollen. "RFID ist für uns eine der maßgeblichen Technologien für den Handel der Zukunft", gibt Metro-CIO Zygmunt Mierdorf die weitere Marschrichtung vor.

Dagegen sei auch nichts einzuwenden, räumen Foebud-Vertreter ein. Die Datenschutzaktivisten wollen sich nicht den Stempel der Technikfeindlichkeit aufdrücken lassen. So sei der Einsatz von RFID in der Logistik durchaus sinnvoll, räumt Foebud-Sprecherin Tangens ein. "Im Verkaufsraum hat diese Technik jedoch nichts zu suchen." (ba)