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11.02.1983

Metromorphose

Nichts ist mehr so wie früher im deutschen Kleincomputermarkt, seit sich dort das Edelgase der "blauen" IBM mit einer Krämermentalität vereinigt hat, die man von dem Rechnergiganten bisher nicht kannte. Die Grossisten-Handelskette Metro vertreibt den IBM Personal Computer in ihren Billigmärkten. Software- und Service- Organisationen kassieren Provisionen, wenn sie der IBM einen System-/23-Auftrag vermitteln: Da wären die Nicht-lBM-Anbieter wohl gar zu bescheiden, wenn sie sich weiterhin "zweitklassig" fühlten, wie sie aufgrund ihrer Politik der Zugeständnisse stets eingestuft wurden.

Branchenbeobachter, die mit IBM vornehmlich im Großrechnerbereich Berührung hatten,

wird das CMA-Angebot des Marktführers nachdenklich stimmen: Deutlicher können die Stuttgarter nicht eingestehen, daß sie den Kaufanreiz, der von dem Bürocomputer System /23 ausgeht, gering einschätzen. DV- Beratern Vergütungen in Aussicht zu stellen, um das Bürosystem überhaupt zum Fliegen zu bringen, mag die stolzen IBM-Generäle hart angekommen sein. Aber kaum einer der unabhängigen Weichwerker, die angesprochen sind, wollen glauben, daß /23- lnstallationshysterie ausbricht, wenn IBM Bonbons verteilt. Verschlimmert wird das /23-Desaster durch den Personal Computer, der als "offenes System", ganz auf den Mikro-Standard abgestimmt (Intel 8086-Prozessor), mehr Variationsmöglichkeiten bietet - und vor allem weniger kostet.

Was man dem IBM-PC gerne ankreidet, nämlich Abklatsch zu sein, gereicht ihm eher zum Vorteil: Selbst kein "Original", ist IBMs Kleinster gerade für Imitatoren interessant. Darauf spekuliert der Mainframe- Riese. Das - und die Werbewirksamkeit des IBM-Zeichens - dürfte auch den Fachhandel PC-geil gemacht haben. Den scharf auf den PC waren die Händler, das wird keiner von ihren leugnen. Mit dem Metro-Abkommen könnte Mother Blue freilich den Bogen überspannt haben.

Fachhändler, die sich getäuscht fühlen, geben jetzt ihrem Unmut offen Ausdruck (Seite 1.) Man mag zwar der IBM zugute halten, daß sie den Grossisten aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht vom PC-Vetrieb ausschließen konnte, zumal dieser die IBM-Bedingungen akzeptierte. Gleichwohl bleibt rätselhaft, warum IBM den Händlern nicht reinen Wein einschenkte. Tatsache ist daß einige IBM-Partner erst aus Tageszeitungsanzeigen erfuhren, mit wem sie in einem Distributoren-Boot sitzen sollen. Prompt muckten Mikro-Profis wie Achim Becker auf wünschten der IBM mit dem PC einen Flop an den Hals. Verständlich: Die Metro-Leute bieten den IBM Personal Computer zu Discountpreisen an, deklarieren ihn damit, so der Düsseldorfer Computerhändler, zu, "Ramsch-Ware", an der nichts mehr zu verdienen ist. Aber könnten nicht, wie es die IBM- Marketiers vorschlagen, die Fachhändler zusätzliche Leistungen rund um den PC anbieten und so auf ihre Kosten kommen, auch wenn sie den PC am teuersten verkaufen müssen? Was die Bundesrepublik betrifft: mit ziemlicher Sicherheit nicht Der deutsche Anwender da hat Becker recht, orientiert sich am Preis. Zusatzleistungen, das hat sich schon im Zeitalter der," Mittleren Datentechnik" (MDT) gezeigt, werden nicht honoriert.

Es ist davon auszugehen, daß der Frust der Fachhändler tiefer sitzt als die IBM-Marketingstrategen einkalkulieren konnten. Dann wären am Ende die Mikro-Konkurrenten der IBM die eigentlichen Gewinner? Die Entscheidung liegt beim Anwender.