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06.02.2007

Michael Dell ist zurück

Nach einer Serie von Rückschlägen hat sich Michael Dell an der Konzernspitze zurückgemeldet.

Nur zwei Jahre ist es her, seitdem sich Michael Dell aus dem aktiven Tagesgeschäft auf den Posten des Chairmans zurückgezogen und den CEO-Job an seinen Protegé Kevin Rollins abgegeben hatte. Jetzt hat der 41 jährige Firmengründer das Ruder wieder übernommen, um den angeschlagenen Konzern aus unruhiger See zu lenken.

Alles in einer Hand

Dell begründet sein Comeback damit, dass es in kritischen Situationen ein Vorteil sei, wenn es nur eine Führungsperson gäbe. Analysten beurteilen die Erfolgsaussichten des Gründers allerdings skeptisch. "Ein Management-Wechsel alleine löst Dells Probleme nicht", erklärte Ken Smith vom US-Finanzhaus Munder Capital Management. Andere Stimmen verweisen darauf, dass es ein Unterschied sei, eine Firma zu gründen oder einen globalen Konzern zu führen. De facto hatte sich Michael Dell jedoch nie vollständig aus der Firma zurückgezogen. Sein Büro war nur durch eine - stets offene - Glastür von Rollins‘ Office getrennt.

Die Wall Street zeigte sich vom Führungswechsel angetan und ließ die Aktie zunächst um 4,1 Prozent steigen. Offenbar begrüßt die Börse den Schritt. Generell bedeutet die Rückkehr von Firmengründern oder starken CEOs aber meistens, dass sie ihr Lebenswerk für bedroht halten. Und in der Tat: Direktanbieter Dell steckt bis zum Hals im Sumpf. Dem Unternehmen gelang es zuletzt nicht, auf die veränderten Kaufgewohnheiten der Anwender zu reagieren. Dell hatte mit seinem Geschäftsmodell, Rechner über Telefon und Internet zu verkaufen, in den 90er Jahren den Markt aufgerollt. Doch die Kaufgewohnheiten der Kunden änderten sich: große Elektronikmärkte und Einkaufszentren an den Stadträndern begannen preiswerte Markenware in großem Stil anzubieten. Auch das oft einfallslose Design der Dell-Geräte sowie ein mangelhafter Service führten dazu, dass der einstige Erfolgsproduzent unter Rollins kräftige Einbußen hinnehmen musste.

Top-Position verloren

So verlor Dell im vergangenen Jahr die Führungsposition im weltweiten PC-Markt an den wieder erstarkten Erzrivalen Hewlett-Packard. In Europa musste das Unternehmen auch noch Acer aus Taiwan an sich vorbeiziehen lassen. Als dann auch noch 4,1 Millionen Lithium-Ionen-Akkus zurückgerufen werden mussten, weil sie im Verdacht standen, Dell-Notebooks in Brand zu setzen, hatte Dell seinen vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Obwohl Sony die Akkus hergestellt hatte, musste sich Dell die Witze über die "heißen Rechner" gefallen lassen.

Doch es kam noch schlimmer: die US-Börsenaufsicht wirft Dell Bilanzmanipulationen vor und prüft derzeit sämtliche Abschlüsse seit dem Jahr 2002. Die Gründe dafür liegen nach wie vor im Dunkeln. Noch zum Jahresende 2006 gab der Hersteller aus dem texanischen Round Rock die Ablösung von Finanzchef James Schneider bekannt, der durch Donald Carty, früher bei American Airlines beschäftigt, ersetzt wurde.

Erste Schritte

Schon zuvor, ab Mitte 2006, versuchte der Direktanbieter mit der Initiative "Dell 2.0" die 23 Jahre alte Firma auf ein neues Fundament zu stellen. Investitionen in Wachstumsmärkten wie Brasilien, Indien und Polen wurden ebenso geplant wie ein besseres Design der Geräte und mehr Engagement im Service. Mit "Presto" stellte Dell erst vor wenigen Wochen ein Dienstleistungsangebot für Privatkunden und den Soho-Markt vor. Der Ex-EDS-Manager Steve Schuckenbrock wurde Ende 2006 auf den Stuhl des President der Global Services gehoben und hat das Konzept dafür entwickelt.

Ebenfalls vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Dell die "Commercial-Business Group", die für rund 85 Prozent der Einnahmen verantwortlich ist, in zwei Bereiche aufteilt. Der bisherige Gesamtchef Joe Marengi trat ab. David Marmonti soll als Verantwortlicher für die Public-Business Group die öffentlichen Auftraggeber beackern, während sich Bill Rodriguez mit der Commercial-Business Group auf große Unternehmen spezialisiert.

Ob es Michael Dell gelingt, den Verfall der Aktie aufzuhalten und das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu trimmen, bleibt ungewiss. Vom Modell des Direktvertriebs will er nicht lassen, obwohl sich die Dell-Aktie seit 2004 in einem Abwärtstrend befindet und Erzrivale HP kontinuierlich aufsteigt. Mit Sparsamkeit und Bürokratieabbau innerhalb der Organisation will der Firmengründer das Unternehmen wieder auf Kurs bringen. In einer E-Mail an die Mitarbeiter bezeichnete er die Bürokratie als das "Problem Nummer eins". Die Sparpläne sehen vor, dass die Zahl der Spitzenmanager von 20 auf zwölf reduziert wird und alle Mitarbeiter auf einen Bonus für 2006 verzichten müssen. Europachef Paul Bell wurde in die Konzernzentrale nach Austin berufen.

Bewahrheiten sich die jüngsten Vorwürfe, die Dell-Aktionäre in Form einer Sammelklage bei Gericht einreichten, dann könnte der Wechsel an der Firmenspitze nicht der letzte gewesen sein: Dell habe, so lautet der Vorwurf, seine Gewinne durch von Intel eingeräumte Rabatte Quartal für Quartal um Hunderte Millionen Dollar aufgebläht und diese Zahlungen weder kommuniziert noch korrekt bilanziert. Dell soll bis zu einer Milliarde Dollar pro Jahr eingesteckt haben.

Die Kläger vermuten, dass Intel die Zahlungen als Anerkennung dafür geleistet hat, dass Dell keine Prozessoren anderer Hersteller bezogen hat. Zugleich, so ein anderer Vorwurf der 251-seitigen Klageschrift, habe das Dell-Management den Aktionären Bilanz-, Qualitäts- und Kundendienstprobleme verschwiegen, obwohl einige höherrangige Mitarbeiter Unternehmensaktien im Wert mehrerer Milliarden Dollar verkauft hätten. Die Klageschrift, die ungefähr zum Zeitpunkt des Führungswechsel bekannt wurde, nennt sowohl die Namen von Rollins als auch von Michael Dell. (kk)