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23.07.2004 - 

Wachwechsel beim größten PC-Anbieter der Welt

Michael Dell übergibt das Ruder an Kevin Rollins

MÜNCHEN (CW) - Michael Dell, Gründer von Dell Inc. und dessen Chief Executive Officer (CEO), übergibt den Chefposten planmäßig an Kevin Rollins. Dell wird sich in den Aufsichtsrat des Direktvertreibers zurückziehen.

Nach 20 Jahren an der Spitze des von ihm 1984 gegründeten Unternehmens gibt Dell die Position des Vorstandsvorsitzenden an Rollins ab, der außerdem als President fungiert. Dell steht seit dem 16. Juli 2004 dem Aufsichtsrat als Chairman vor.

Begonnen hatte eine der imposantesten Karrieren im weltweiten IT-Markt mit einem Rechner, der damals schon einen Kultstatus erworben hatte, wie ihn Dells Maschinen wohl nie erreichen werden. 1980 kaufte sich Michael Dell einen Apple II. Den zerlegte er in seine Einzelteile und erforschte dessen Innenleben. Dann rechnete Dell nach, was die einzelnen Komponenten in dem ersten Computer seines Lebens kosteten. Ergebnis: Die Preise der Einzelteile des Apple II waren billiger als das komplette System.

Geistesblitze

Diese ernüchternde Bilanz brachte Dell auf die entscheidende Idee: In Zukunft würde er die Ingredienzen von PCs kaufen und diese dann selbst nach den Wünschen seiner Kunden zusammenbauen. Erste Abnehmer für seine assemblierten Maschinen waren ab 1983 Freunde und Bekannte.

Das Geschäftsmodell, das Dell in den kommenden 20 Jahren an sämtlichen Computer-Schwergewichten dieser Welt wie IBM, Compaq, Hewlett-Packard (HP), Toshiba und Acer vorbeiziehen ließ und zum erfolgreichsten PC-Anbieter macht, beruht auf diesem Geistesblitz: Fertigung exakt nach den Wünschen der Kunden - den neudeutschen Begriff Built-to-Order gab es damals noch lange nicht - und Direktlieferung vom Hersteller an den Endabnehmer.

1984 lieh sich Dell von seinem Vater 1000 Dollar Startkapital und ließ die Dell Computer Corp. registrieren. Von nun an ging es bergauf. 1987 Gründung der ersten außeramerikanischen Niederlassung in Großbritannien. 1988 Gang an die Börse, der dem Unternehmen 85 Millionen Dollar in die Kassen spült. Im Fiskaljahr 1992/93 (Ende: 31. Januar 1993) macht Dell einen Umsatz von über zwei Milliarden Dollar.

1993 erlebte Dell den ersten Quartalsverlust in der Firmengeschichte. Als Gründe gab der Jungunternehmer den vorübergehenden Rückzug aus dem Notebook-Geschäft, die Aufgabe des in den USA getesteten Vertriebs über Händler und die Neustrukturierung der europäischen Geschäfte an. 1996 startet Dell den PC-Verkauf im Internet.

Stunde der Genugtuung

Die Stunde der Genugtuung kam für Michael Dell im Jahr 2003: Erstmals überhaupt erklomm sein Unternehmen die Spitze als weltweiter PC-Marktführer. Abgehängt waren die Intimfeinde aus dem fast nachbarschaftlichen Houston, Compaq, sowie HP aus Kalifornien. Compaq agierte da schon nicht mehr als eigenständige Firma, sondern war seit einem Jahr Teil von HP. Aber auch mit vereinten Kräften schafften es HP/Compaq nur vorübergehend, die Spitzenposition noch einmal an sich zu reißen.

Im Juni 2003 stieg Dell zudem, ins Druckergeschäft ein. Innerhalb kürzester Zeit geriet auch dieser Schritt, der weder IBM noch Compaq gut bekommen war, zur Erfolgsgeschichte. Praktisch aus dem Stand errang der Direktanbieter in den USA bei Tintenstrahldruckern einen Marktanteil von zehn Prozent. Und schon legt Dell mit Laserdruckern für das kommerzielle Segment nach.

Rollins, der als Analyst der Unternehmensberatung Bain erstmals 1993 für Dell tätig wurde und der 1996 als Mann für das Tagesgeschäft (Chief Operating Officer = COO) zum Direktvertreiber wechselte, war mitverantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens in den vergangenen Jahren. Das erlebte seit 1996, als der Jahresumsatz fünf Milliarden Dollar betrug, ein kontinuierliches Wachstum auf zuletzt 43,5 Milliarden Dollar. (jm)

Prognose angehoben

Dell hat seine Gewinnerwartungen für das zweite Quartal 2004/05 angehoben. Der Anbieter rechnet jetzt mit einem Profit von 31 Cent je Aktie. Das ist ein Anstieg um zwei Cent. Der Umsatz werde unverändert bei 11,7 Milliarden Dollar liegen. Wallstreet-Analysten hatten mit einem Gewinn von 29 Cent pro Anteilschein gerechnet.

Das Unternehmen führt als Begründung für die bessere Gewinnprognose günstigere weltweite steuertechnische Veranlagungen für den Konzern sowie eine gesteigerte Profitabilität der Unternehmensabläufe an.

Wie alles anfing

Im Grunde hat Michael Dell bereits als 12-Jähriger den Direktvertrieb für sich entdeckt - so will uns jedenfalls seine Autobiografie glauben machen. Damals sammelte er Briefmarken und ärgerte sich, weil er auf Versteigerungen den Auktionatoren eine Provision zahlen sollte. Briefmarken kaufen und verkaufen und dabei die Provision selbst einstecken war ab sofort das Credo des Jünglings. In "Linn''s Stamp Journal", einem Fachblatt für Briefmarkenhändler, inserierte er fortan "Dell''s Stamps", betrieb später sogar seine eigenen Mailing-Aktionen. Dells erster Gewinn aus dem Briefmarkenhandel belief sich auf 2000 Dollar.